Die Triumphirende Gedult/ Bey Beerdigung Fr. A. E. K. g. G. den 1. Sept. 1678.

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Heinrich Mühlpfort: Die Triumphirende Gedult/ Bey Beerdigung Fr. A. E. K. g. G. den 1. Sept. 1678. (1686)

1
Zog das so stoltze Rom/ die Herrscherin der Erden/
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Wenn sie den Feind erlegt und seine Macht zerstreut/
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Ins göldne Capitol mit weissen Sieges-Pferden/
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Und hat den Lorber-Krantz deß Jovis Schoß geweyht:
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So sag ich mit mehr Ruhm und besserem Gepränge
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Zeucht die Frau
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Jhr ist das grosse Rund der weiten Welt zu enge/
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Und ihr behertzter Fuß zertritt das Rad der Zeit.
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Zu dem so trägt ihr Haupt was mehr als Lorber-Kronen/
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Jhr Krantz ist schöner noch als Gold und Edelstein/
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Jhr Sieg vollkommener/ denn derer die hie wohnen/
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Weil Glauben und Gedult ihr Schatz und Beute seyn.
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Was hat in kurtzer Zeit für
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Nun sie den Uberfluß der Himmels-Füll erlangt.
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Es scheint ein Augenblick darinnen sie gelitten/
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Da sie auf ewig jetzt für Gottes Throne prangt.
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Und diß macht die Gedult/ daß sie so herrlich sieget/
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Die Tugend so gewiß der andern Königin.
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Die stärckt den schwachen Geist/ daß er nicht unten lieget/
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Führt von der Erden ab zum Himmel unsern Sinn.
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Ruhmseeligste Gedult/ wer preist nicht deine Wercke?
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Und wem ist unbekand die Grösse deiner Macht?
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Du giebst dem Hertzen Trost/ dem Glauben Licht und Stärcke
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Und stehest unbewegt wenn Erd uud Welt erkracht.
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Regiert nicht deine Hand die Ketten von dem Frieden?
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Baust du die Liebe nicht sambt der Bescheidenheit?
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Wenn du die Buß erwegst; wird Sünde nicht vermieden?
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Des Fleisches Lust gedämpfft/ der Geist davon befreyt?
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Und hemmst du nicht die Zung und bindest unsre Hände?
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Heist du uns nicht getrost auch bey Versuchung seyn?
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Und machst dem Aergernüß und was uns kränckt ein Ende/
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Daß wir gleich Märtyrern den Himmel gehen ein?
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Du bist der Armen Trost/ ein Ziel und Maß des Reichen/
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Dem Schwachen hilffst du auf/ dem Starcken daß er bleibt
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Du bist deß Gläubigen erwünschtes Freuden-Zeichen/
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Des Heyden Angetrieb/ daß er sich dir verschreibt.
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Du ziehrst das Frauen-Volck und wirst am Mann gepriesen/
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An Jünglingen gelobt/ an Knaben hoch geliebt.
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Es ist kein Alter nicht/ daß dir nicht Ehr’ erwiesen
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Und das dir willig Raum und Wohnstätt bey sich gibt.
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Vornemlich hat’ ihr Hertz
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Du mustest Tag und Nacht bey ihr Gefertin seyn.
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Und wie du Führerin begleitet sie im Leben/
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So seh’ ich dich annoch bemüht umb ihren Schrein.
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Wir sinnen nur umbsonst ein Denckmal ihr zu setzen
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Weil selbst den Leichenstein du/ O Gedult/ gelegt.
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Es würde sonder Ruhm der Künstler Schrifften ätzen
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Weil dein warhafftig Mund ihr Zeugnüß bey sich trägt.
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Wie sie von Jugend auff so eifrig GOtt geliebet/
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Wie sie nach seinem Wort ihr Leben eingericht/
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Jhr Christenthum durch dich vollkommen ausgeübet/
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Ja dich in Creutz und Angst gebraucht als Trost und Licht.
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Das auffgelegte Joch war ihr nicht schwer zu tragen/
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Sie wuste was für Heil und Nutz darunter lag.
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Sie kante zwar die Hand/ die züchtigen und schlagen
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Allein auch wiederumb die Wunden heilen mag.
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Jhr Hoffen ward dadurch nur weiter angereitzet;
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Gleich wie der Ackers-Mann bey dürrer Sommers Zeit
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Den Himmel eisern siht/ und stets nach Regen geitzet/
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Biß die erfeufftzte Fluth so Feld als Wald erfreut.
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So wartete sie auch der Hülff und Trost des HErren/
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Und hieß ein köstlich Ding gedultig können seyn.
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Es mochte Höll und Tod den Rachen auff sie sperren
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Sie schloß sich wolgemuth des Heilands Wunden ein/
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Und sah wie Stephanus schon da den Himmel offen/
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Als ihr verweßlich Fleisch und Hütte brach entzwey/
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Rieff/ daß mein gläubig Hertz und mein gedultig Hoffen
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Zu jenem Ehren-Schloß mir Weg und Pforte sey.
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Allein was müh’ ich mich die Tugend abzumahlen
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So ich seh’ wesentlich hier bey der Leiche stehn.
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Es ist ja die
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So selbst der Todten Lob und Nach-Ruhm wil erhöhn.
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Jhr sittsames Gesicht und Heiterkeit der Stirne/
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Weist daß sie weder Zorn noch arger Neid verstellt/
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Der Augen Scham und Zucht/ die Demuth im Gehirne/
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Und daß Verschwiegenheit den Mund versiegelt hält.
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Die Farbe ist anders nicht als bloß der Unschuld Zeichen/
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Es lehrt ihr weiß Gewand des Hertzens Reinigkeit/
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Jhr Arm der gerne dient und allen Trost wil reichen/
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Winckt den
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Sie öffnet noch den Mund/ wie fest er sonst geschlossen/
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Und sagt: der Todesfall/
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Er klagt jetzt seinen Schatz und treuen Ehgenossen/
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Und zwar er klagt mit Recht den schätzbaren Verlust.
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Wiewol er muß auch hier mein Wort was lassen gelten
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Den Kindern muß mein Spruch tieff in das Hertze gehn.
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Ist denn des Höchsten Schluß zu mustern und zu schelten?
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Der Menschen sterben heist/ und wieder aufferstehn.
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Warumb betraurt man sie? sie ist ja nicht verlohren:
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Sie ist voran geschickt/ wir folgen endlich nach.
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Sie war mit dem Gesetz schon auff die Welt gebohren/
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Daß sie als Pilgramin verließ’ ihr irrdisch Dach.
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Man muß nur mit Gedult vermischen Leid und Sehnen
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Wer wil/ wenn GOtt uns rufft denn widerspenstig seyn?
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Und was zum Troste dient/ die hier gesät mit Thränen/
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Die erndtet dort vergnügt die Freuden-Garben ein.
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Ja seufftzet mehr/ Herr
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Und daß sie allzu früh gesegnet diese Welt?
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So denck er/ daß es GOtt so über ihn verhangen/
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Daß ohne ihn kein Haar von unser Scheitel fällt.
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Vermißt der Kinder-Schaar das treue Mutter-Hertze?
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Scheint ihre Pflege noch beynöthig stets zu seyn?
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Getrost/ bey dieser Noth und heiß entbrantem Schmertze
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Streut auch die lange Zeit von Linderung was ein.
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Last euch/
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Es schwebt der Seel’gen Geist in GOttes Gnad und Huld:
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Jhr werdet über euch und über andre siegen
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Wenn ihr zur Richtschnur braucht mich Christliche Gedult.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Heinrich Mühlpfort
(16391681)

* 10.07.1639 in Breslau, † 01.07.1681 in Breslau

männlich, geb. Mühlpfort

deutscher und lateinischer Dichter des Barock

(Aus: Wikidata.org)

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