1
Herr Schöps/ dem offt der Tod das Feld hat räumen müs-
sen/
2
Nun räum er wiederumb ihm Leib und Glieder ein.
3
Der Uberwinder herrschst/ er liegt zu seinen Füssen
4
Und was verwesen kan beschleust der schwartze Schrein.
5
Wie hoch er die Natur durch Kunst ihm sonst verbunden/
6
Wie fleissig er ihr Gut und Schätze hat gesucht/
7
So wird hinfortkein Rath noch Hülffe mehr gefunden
8
Tinctur/ Essentz und Oel ist ohne Geist und Frucht.
9
Alkermes kan nicht mehr noch Rob noch Lohoch stärcken/
10
Die Seele von dem Gold beseelt den Cörper nicht.
11
Machaon geht leer ab mit seinen besten Wercken
12
Nun eine größre Hand das Stunden-Glaß zerbricht.
13
Alleine/ werther Freund/ wir wolten ihn gern halten/
14
Diß gibt der Tochter Hertz/ des Eydams Mund an Tag.
15
Wie salben wir ihn ein? Sind Gummen und Asphalten
16
Genung/ daß man vor Fäul und Wurm ihn schützen mag.
17
Kan Socrotiner Safft die Glieder frisch bewahren?
18
Hält auch die Macis noch was die Verwesung anff?
19
Wir wollen keinen Geist von Elementen sparen/
20
Wo sich verlängern kan Herr Schöpsens Lebens-Lauff.
21
Umbsonst/ und schickt uns gleich Canopus seine Mittel
22
Was Memphis heilig hält und was der Nil hoch schätzt.
23
Herr Schöps der lieget schon in seinem Sterbe-Kittel/
24
Und wird selbst eine Leich’ jetzt Leichen beygesetzt.
25
Doch sol er uns auch tod zu unserm Nutzen dienen/
26
Und eine Mumia der besten Artzney seyn.
27
Das Wort bleibt ewig wahr: Der Todten Beine grünen
28
Dieweil des HErren Geist und Odem bläst darein.
29
Es mag Egyptenland mit seinen Cörpern prangen/
30
Durch Kunst und Specerey die Fäulnüß hinterziehn.
31
Es hat das blinde Volck sich nur zu weit vergangen
32
Und mühte sich umbsonst dem Tode zu entfliehn.
33
Wie fleissig es auch wusch das innerst’ Eingeweide
34
Und drein der Cedern Safft/ Nard und Amomen goß/
35
Ja gantzer dreissig Tag in gleicher Klag und Leide
36
Dein Leib zu balsamirn aus Andacht sich entschloß;
37
So war es weiter nichts als nur ein Dienst der Götzen.
38
Wie die geheime Schrifft noch giebet zuverstehn.
39
Wenn auff der Leiche Brust sie Fisch und Vogel setzen/
40
Und ihrer Deutung nach die Jsis vor muß gehn.
41
Sie meinten/ wenn sie nun den Todten so beschicket
42
Und mehr als zwantzig mahl in Leinwand eingehüllt/
43
Figuren angemahlt/ und Bilder drauff gedrücket/
44
Daß es zur Wiederkunfft der Seelen etwas gilt.
45
Denn legten sie den Leib in tieff-gewölbte Gänge/
46
Wo die Pyramiden die Vorwelt auffgeführt.
47
Wo solche Mumien in grosser Zahl und Menge
48
Ein kluger Pilgersmann noch diese Stunde spürt.
49
Wie hat uns nicht der Geitz und Vorwitz drauff gehetzet?
50
Was schrieb ihr nicht der Artztfür eine Würckung zu?
51
Ward sie der Panace nicht eben gleich geschätzet?
52
Daß bey Gebrechen sie offt grosse Wunder thu.
53
Es sey nun daß die Krafft in Safft und Balsam stecke/
54
Womit dem mürben Fleisch sich wesentlich vereint:
55
Es sey auch daß die Gluth der Sonne was erwecke/
56
Wodurch man der Natur zu Hülff zu kommen meynt:
57
So ists ein Schattenwerck für jenen Ewigkeiten
58
In welchen unser Leib dereinsten leuchten sol.
59
Hier muß ihn Tod und Wurm filtriren und bereiten/
60
Damit er balsamirt auch reucht für GOtte wol.
61
Ein andre Mumien kan uns Herr Schöps jetzt zeigen/
62
Der manche Mumien mit seiner Hand zerstückt.
63
Dein Leichnam lehret uns/ wird gleich die Lippe schweigen
64
Daß all’ ohn Unterscheid der Tod ins Netze rückt.
65
Er war nicht unbekandt in dem gevierdten Reicht/
66
Worinnen die Natur sich Majestätisch weist.
67
Jetzt sehen wir nicht mehr als diese kalte Leiche;
68
Die Erde hat den Leib/ der Himmel seinen Geist.
69
Wiewol er Lebens Zeit gleich Mumien genützet/
70
Sein ehrliches Gerücht ist noch ein gut Geruch.
71
Ein Balsam der für Gifft und Fäulnüß ihn beschützet/
72
Und seinen Namen nicht lescht aus des Lebens Buch.
73
Er ließ den schwartzen Mohr der Jsis Bildnüß tragen/
74
Jhm war auff seiner Brust sein JEsus eingeprägt.
75
Es mag der Copter nach Osiris Zeichen fragen/
76
Er hat in seine Seit und Wunden sich gelegt/
77
Mit bittrem Thränen-Saltz offt seine Schuld gewaschen;
78
Dieweil ihm wol bewust/ daß Thränen Engel-Wein/
79
Daß wir ein schwach Gefäß voll Erde/ Staub und Aschen
80
Mit unsern Wercken nichts für GOttes Antlitz seyn.
81
So eine Mumia hieß des Herr Schöpsens Leben/
82
Das Tugend durch und durch auffs beste balsamirt.
83
Diß Ehren-Zeugnüß wird der Neid ihm selber gebene
84
Daß er hat seinen Lauff mit höchstem Ruhm vollführt.
85
Sie pflegten Mumien in Leinwand einzuhüllen/
86
Herr Schöps der hüllte sich in reine Tugend ein.
87
War seinem GOtte treu/ dem Nechsten gern zu Willen/
88
Erschien mit Rath und That und haßte Schmuck uñ Schein.
89
So viel Gebrechen kan die Mumie nicht heilen
90
Als er Artzneyen hat für Sterbende bereit;
91
So lieblichen Geruch auch nimmermehr ertheilen/
92
Als seines Namens Ruhm jetzt nach dem Tod ausstreut.
93
Und ziert die Mumie der Apothecker Schrancken/
94
So sol Herr Schöps gewiß vor eine Zierath stehn.
95
Es wird noch lange Zeit sein Hauß ihm ewig dancken
96
Und seiner Tugend Lob biß an die Stern’ erhöhn.
97
Auch dieses Fleisch und Blut das jetzt der Tod durchbeitzet/
98
Und gleich wie Pech und Hartz durch Marck uñ Beine zeucht/
99
Wird zur Verneuerung und auffzustehn gereitzet/
100
Damit es mit der Zeit als wie die Sonne leucht.
101
Man laß Egypten nun die Mumien erheben/
102
Daß sie viel hundert Jahr für Fäul und Wurm befreyt.
103
Es kan die kurtze Schrifft uns mehr Vergnügung geben:
104
Herr Schöpsens Mumie führt Geist und Ewigkeit.