Trauer-Ode/ Uber dem frühen Absterben Jungf. A. D. B. den 6. April 1678.

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Heinrich Mühlpfort: Trauer-Ode/ Uber dem frühen Absterben Jungf. A. D. B. den 6. April 1678. (1686)

1
Dein Freund ist wie ein Püschel Myrrhen
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Das zwischen deinen Brüsten liegt.
3
Du hast satt auß den Angst-Geschirren
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Verblichnes Jungfer-Bild gekriegt;
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Die Aloe war nur zu bitter
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Die dir dein Leben abgezehrt/
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Und durch der Kranckheit Ungewitter
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In eine Leiche dich verkehrt.

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Allein da alle dich verlassen/
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Und niemand mehr mit Hülff erscheint/
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So will dein JEsus dich umbfassen
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Der allerbest’ und treuste Freund.
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Der will dich in den Rosen weiden/
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Biß daß deß Todes Schatten kömmt/
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Und er durch seinen Tod und Leiden
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Die Nacht der Sünden von dir nimmt.

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Kan eine Liebe dieser gleichen
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Die über Erd’ und Himmel geht?
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Ach Liebe du thust Wunder-Zeichen!
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Du bist der seeligste Magnet!
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Der unsern Staub mit GOtt vermählet
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Und uns durch desseu Wunden führt.
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Ja daß uns ewig nichts mehr fehlet/
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Gut machet/ was wir selbst verbührt.

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Du wilst mit deinem Heyland sterben
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Und Seel und Hertz zerschmeltzt in ihm.
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Der Tod mag Lipp und Wang entferben
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Du weist daß dieses ein
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An dem dein JEsus sich ergetzet/
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Daß man aus Dornen Kronen flicht/
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Wie sehr die Fäulnüß dich verletzet/
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Je schöner bist du zugericht.

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Er will gekeltert dir gefallen/
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Du kennst’ es daß sein Kleid blut-roth.
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Er ist der Schönste unter allen
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Dein Retter in der letzten Noth.
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Ach geh ach geh/ mit ihm zu grabe
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Wie prächtig wirstu aufferstehn!
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Wenn diß/ was itzt frist Wurm und Schabe/
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Wird über Stern und Sonn gehn.

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Braut eile/ laß die Myrrhen-Hügel
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Der Seelen Trost und Labsal seyn.
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Die Myrrhen bleibt deß Bundes Siegel
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Den er mit dir gegangen ein.
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Die ihn am Creutze hat geträncket/
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Vertreibt der Sünden Bitterkeit/
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Und die man seinem Grab geschencket
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Giebt dir die Unverwesenheit.

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Dein Freund ist reiner als die Lilgen
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Als Hyacinth und Tausendschön.
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Er will die Flecken dir vertilgen
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Du solst ihm Lilgen-gleiche gehn.
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An Reinigkeit in deinem Glauben
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Der Sitten unbeflecktem Schnee;
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Du bist ein Safft auß seinen Trauben
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Und Blume von der Sarons Höh’.

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Erwege was er hat gelitten/
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Er leidet Schmach und läst dir Ruhm.
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Du siegest und er hat gestritten/
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Dein Herr räumt dir sein Eigenthum.
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Er wird zerrissen/ du vereinet/
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Er wird ein Schatten/ du das Licht.
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Er ist der dürfftig hier erscheinet/
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Auf daß dir dorte nichts gebricht.

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Er trägt die Schmach/ du prangst in Cronen/
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Er schlingt Verachtungs-Speichel ein/
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Daß Ruhm und Ehren umb dich wohnen
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Wird Knecht/ auf daß du frey kanst seyn
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Er neigt das Haupt/ das du erhöhet
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Als Fürstin gehst ins Himmel-Schloß.
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Unseelig wer itzt nicht verstehet/
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Wie seine Liebe wunder-groß!

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Die Myrrhen hastu nun gelesen
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Wie bistu doch so schon und reich/
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Gesetzt auch/ daß itzt dein Verwesen
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Die treuste Mutter machet bleich.
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So ist doch dein Geruch der Tugend
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Ein Myrrhen der GOtt wolgefällt.
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Drumb hat er deiner zarten Jugend
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So einen frühen Tod bestellt.

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Betrübtste Freundin/ daß ihr Klagen
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Ans recht verwundtem Hertzen geht/
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Nun ihre Tochter fortzutragen
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Hier auf bedeckter Bahre steht/
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Bezeugt ihr thränendes Gesichte;
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Und der wär’ härter als ein Stein
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Der bey dergleichen Traur-Geschichte
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Gantz ohne Beyleid wolte seyn.

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Doch dencke sie/ daß die itzt stirbet
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Und fest ihr Püschel Myrrhen trägt/
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Durch den des Lebens Heil erwirbet
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Mit dem sie sich ins
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Sie eilt den Herrn zu balsamiren
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Wie Magdalen und Salome:
95
Solt es der Heyland nicht verspühren
96
Es sey ihr Anna Dorothe?

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Heinrich Mühlpfort
(16391681)

* 10.07.1639 in Breslau, † 01.07.1681 in Breslau

männlich, geb. Mühlpfort

deutscher und lateinischer Dichter des Barock

(Aus: Wikidata.org)

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