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So zeuchstu/ Seeligste/ numehr von dieser Erden?
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Verläst des Vaters Haus/ dein Volck und diese Stadt?
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Ach ja! der Höchste selbst wil jetzt dein Bräutgam werden.
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Was Wunder? daß kein Mensch theil deiner Liebe hat?
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Du weist daß doch die Welt muß wie ein Kleid veralten/
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Daß nichts beständig hier als Unbeständigkeit/
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Darumb so lästu sie den schwartzen Sontag halten/
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Weil Jubilate du feyrst in der Ewigkeit.
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Es geht zwar bitter ein so zeitlich dich zu missen/
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Die Welt kennt dich kaum recht/ so sagstu schon Ade!
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Doch siht man daß dein Geist den rechten Weg kan wissen/
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Du suchst den Himmels; May vor diesen Mertzen-Schnee.
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Es mögen andre sich den Kindern gleich vergaffen
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An dem/ was sonst der Mensch zum höchsten Gute zehlt.
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Drumb hast Maria du das beste Theil erwehlt.
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Ja wol! das beste Theil du hast den Schatz gefunden/
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Den uns kein Potosi kein Peru geben kan.
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Die zehlst nicht mehr wie vor Schlafflose Nächt und Stunden:
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Hier geht dein Ruhe-Tag und Feyerabend an.
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Jtzt wechselstu mit GOtt/ Verlobte/ Hand und Ringe
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Du bringst des Glaubens-Schmuck mit dir zum Heyrath-
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Er gibt den Himmel dir zu einem Leibgedinge
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Eur Ehberedung ist besiegelt durch sein Blut.
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Prangt Mogols Hochzeit-Fest mit lichten Diamanten
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Mit Lampen welche gar von Balsam sind gemacht?
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Das Stern- und Engel-Heer sind Lichter und Trabanten
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So dir zur Seite stehn in unerschöpffter Pracht.
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Es ist das Paradiß dein himmlisch Hochzeit-Bette/
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Hier liegstu hochvergnügt dem Bräutgam an der Seit’
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Er gibt sich selber dir statt der Vermählungs-Kette
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Dein Schmuck ist sein Verdienst/ dein Krantz die Ewigkeit.
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Vergönn’ uns/ Schöne Braut/ die wir im Geiste schauen/
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Wie du in Eden schon gleich Palm und Cedern grünst/
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Daß deiner Tugend wir ein Ehren-Mahl noch bauen/
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Und melden durch diß Blat was du mit Ruhm verdienst.
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Dein schön Gedächtnüß brennt noch hell in unsren Seelen/
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Es lebt im Seegen hier/ wie bey dem Heiland du/
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Trägt man was Erde war gleich in der Erden Hölen/
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Druckt deinem Cörper man gleich Mund und Augen zu.
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Der Tugend Phönix steigt nichts minder aus der Aschen/
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Die auch der blasse Neid als heilig ehren muß.
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Ja Lethe selbst kan hier dein Denck-Mahl nicht abwaschen/
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Dein guter Leumund tritt die Fäulnüß untern Fuß.
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Es gibt Orion dort dem Geist die Ober-Stelle/
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Hier spricht die Wahrheit selbst: die Redligkeit ist todt!
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Der Tugend Conterfey betritt des Todes Schwelle/
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Den Spiegel aller Zucht zerbricht die letzte Noth.
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Des grossen Vaters Mund/ der Mund des Vaterlandes
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Schweigt jetzt/ und schüttet nichts als bittre Seuffzer aus
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Indem du Eh-Betts-Stern/ du Zweig des Edlen Standes
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So früh gerissen wirst von ihm und seinem Haus.
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Es wird dein Todes-Fall beklaget noch von vielen/
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Die von Geblüte zwar nicht eben dir verwand;
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Wie kläglich weinen nicht die trautesten Gespielen?
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Die deine Freundligkeit beharrlich dir verband.
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Was aber nützt diß Ach! Wohin mit diesen Zähren?
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Es wird uns kein Mausol aus Ach! und Weh! gebaut
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Last uns die Seeligste mit Thränen nicht beschweren
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Sie lacht das winseln aus die stete Wonne schaut.
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Hochedles Haus zerreiß die hart gedrchten Stricke
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Damit die Traurigkeit dir fesselt Geist und Brust!
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Ach! wünsche ja vielmehr der Edlen Braut Gelücke
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Die schon den Himmel schmeckt in unverrückter Lust.
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Es sind die Thränen nicht hochzeitliche Geschencke
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Vor eine solche Braut die ihren Heiland küst.
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Sie labet ihren Geist durch solche Nectar-Träncke/
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Dergleichen Anmuth nicht aus irrd’schen Trauben fliest.
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Sie hat nach ihrem Wunsch/ den sie gesucht/ gefunden/
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Sie hält ihn ewig fest/ und läst ihn nicht von sich.
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Sie kennet nun nicht mehr die bittre Creutzes-Stunden
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Weil mit dem letzten Hauch sie aller Noth entwich.
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Die Lieb und Lust der Welt war ihr stets frembde Dinge
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Sie hat der Venus nie den Opffer-Tisch gedeckt.
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Sie wuste daß der Tod am Wollust-Angel hienge/
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Und daß verdammlich Gifft in Liebes-Mandeln steckt.
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Trug auch ihr Garten gleich nur eitel Granadillen/
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Ward ihrer Jugend Baum zu einer Aloe/
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So daß kein Aesculap die Schmertzen konte stillen
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Biß daß ein sanffter Tod ward ihre Panace.
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So hat sie standhafft doch auch unter tausend Schmertzen
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Mit ihres Heilands Tod hertzhafftig sich erfrischt.
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Ja/ unveränderlich behalten den im Hertzen/
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Der itzt in seinem Schoß ihr Schweiß und Thräu’ abwischt/
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Sie ist nun beygesellt den Geistlich klugen Frauen/
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Bey der gefünfften Zahl sol sie die sechste seyn.
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Und was wir alle noch itzt nur im Spiegel schauen/
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Schaut die erlöste Seel in vollem Augen-Schein.
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Wie seelig! daß sie nicht die Bitterkeit darff schmecken
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Die in dem Stand der Eh’ uns offt das Hertz abfrist.
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Sie kan kein Haus-Tyrann/ kein böser Mann erschrecken/
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Jhr Bräutgam ist das Lamm/ so voller Sanfftmuth ist
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Sie speiset nun nicht mehr von harten Fasten-Speisen/
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So uns der Kummer-Koch hier scharff zu saltzen pflegt.
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Es wil das Oster-Lamm sie zu der Taffel weisen/
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Da Milch und Honig man in Ewigkeit auffträgt.
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Sie hat gewünscht erreicht des Himmels Canaan.
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Und weil sie lebend noch zu sterben angefangen/
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So weiß man/ daß sie mehr den Tod nicht schmecken kan.
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Zeuch glücklich/ holde Braut des Heilands/ zeuch in Frieden!
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Und sey viel tausendmal zu guter Nacht gegrüst.
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Dein Denck-Mahl lebt bey uns/ ob du gleich abgeschieden/
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Weil auch der Tugenden die Nachwelt nicht vergist.
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Laß nur was Erde war verscharren in die Erden/
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Gib GOtt was GOttes ist! denn weil er dich geliebt
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So konte deiner Zier kein ander würdig werden.
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&q;Er tröste/ die er hat durch deinen Tod betrübt.