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Es sey des Orpheus Grab an Ehren so beglückt/
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Daß jährlich Schwanen ihm die Sterbe-Lieder singen/
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Die Bürger in der Luft die schönsten Stimmen bringen/
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Daß seiner Aschen-Rest die Nachtigal erquickt/
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Und durch den Wunder-Thon mit Kunst geübter Zungen
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Beklagt den Leyer-Printz/ der Thier und Fels bezwungen.
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Es sey deß Memnons Brand/ ein Bild der Ewigkeit
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Wenn mitten aus der Glut der Sonnen-Vögel steigen;
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Wenn gar die Morgenröth ihr Beyleid will bezeigen
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Und bey erwachtem Tag die nasse Perlen streut.
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Ja selbst der Phönix sterb’ auf Würtz und Zimmet-Röhren
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Und lasse sich zuletzt durch Klang und Lieder ehren.
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Sie Zunge Schlestens/ der Mund deß Vater-
landes
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Ser Fürsten treuer Rath/ der Redner jedes Stan-
des;
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Es bricht der Nachruhm ihm schon Palm und Lorbern ab
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Umb einen Helicon auff seine Grufft zu setzen/
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Und will den hohen Ruhm in Ertz und Marmel ätzen.
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Die Geister Schlesiens so längst die Sternen-Rey
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Mit ihrem Glantz vermehrt/ der Zeiten Uberwinder
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Und unser Poesie sinnreicher Kunst-Erfinder/
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Die fügten/ Seeligster/ so eine Lobschrifft bey
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Die deinen Würden gleich und geben uns zu lesen/
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Wie Tugend und Verstand unmöglich kan verwesen.
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Hat Orpheus Fluß und Wald gezogen durch den Klang/
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So bunden vieler Hertz die Ketten deiner Zungen.
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Ist von der Vogel-Schaar deß Memnons Grab erklungen/
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So würde manch Poet Geist/ Leben und Gesang
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Noch deiner Aschen weyhn/ Apollo mit den Neunen
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Vergrössert deinen Ruhm/ du hast dir in den Hertzen
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Längst Tempel aufgebaut/ der lichten Ehren Kertzen
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Verdüstert keine Nacht/ so lang als Menschen seyn
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Und Schlesien wird stehn/ muß auch der Neid bekennen
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Daß dir bey vielen noch Gedächtnüß-Ampeln brennen.
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Offt wird der Marmelstein für falschem Lobe roth/
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Und die erdichte Schrifft zersprenget ihn in Ritze.
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Was ist das uns für Fäul’ und Untergang beschütze?
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Zerstört die Pyramis und das Mausol der Tod?
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Macht seine Tyranney auch Leichen aus den Steinen?
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Zerbricht er Ertzt und Stahl gleich unsern dürren Beinen?
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So ist ja diß nur bloß was von uns übrig bleibt/
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Der Sinnen Treffligkeit und deß Gemüthes Gaben;
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Das dich ins graue Buch der Ewigkeiten schreibt
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Ein unausleschlich Ruhm. Den du dir selbst verdienet
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Durch dessen Ehren-Pracht auch dein Geschlechte grünet.
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Dich sah’ von Jugend auff Minerva günstig an.
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Dein Frühling war berühmt vom Lesen und vom Reisen.
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Man hörte hier und dort dich hohe Schulen preisen.
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Dir war der Fürsten hold in Norden zugethan.
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Drauf bist du auch nach Ost und Sud und West gegangen
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Dann Franckreich gab dir Feur und Welschland Witz der
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Es hat dir Themis auch ihr heilig Recht vertraut/
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Den Purpur umbgelegt/ die Lorber-Cron gescheucket/
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Als gleich dein edles Hertz ans Vaterland gedencket.
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Und wie Ulysses hat sein Jthaca gebaut/
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Und wünscht noch einst zu sehn den Rauch der aufgegangen.
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So zog dich auch nach Haus ein eifriges Verlangen.
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Diß ist der Tugend Art/ ihr angeborner Schein
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Dringt durch des Pöfels Nacht den Grossen in die Augen/
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Es zeigt sich in der That was hohen Seelen taugen/
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Und rühmlich nützen kan und was veracht soll seyn.
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Man suchte bey dir Rath/ das Land hielt dich in Ehren
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Und wolte deinen Mund als ein Oracul hören.
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Es hat manch Graff und Fürst durch dich sein Recht vollführt.
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Es gab Piastus Stamm dir angenehme Schatten.
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Viel Höfen kam dein Witz und kluger Rath zu statten.
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Und wo Demosthenes der Richter Hertz gerührt;
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So hastu mit mehr Krafft mit mehr Red-Seeligkeiten
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Von Grund aus beygelegt das zweiffelhaffte Streiten.
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Es hat bey Dodons Wald das Alter sich befragt/
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Bey dir das gantze Land in ungewissen Fällen.
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Du kontest jedem Rath wo nicht das Recht zu stellen.
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Umb gütige Verhör hat keiner sich beklagt.
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Dein Haus stand jedem frey gleich Themis Tempel offen/
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Und sie entdeckten dir ihr Wünschen und ihr Hoffen.
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Rühmt gleich das Griechenland Pericles güldnen Mund.
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Und hat der Lysias gedonnert und geblitzet/
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Jsäus durch sein Feur’ der Bürger Hertz erhitzet/
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So war dir auch die Kunst recht durch zu dringen kund.
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Es schien dir Honigseim in Lipp und Mund geleget/
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Wenn du der Stimmen Schluß und Beyfall hast erreget.
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Der Erden ander Gott/ der grosse
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Hört offt des Landes Noth gehorsamst dich verbitten.
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Du wustest Schlesiens sein Flehen aus zu schütten.
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Es blieb die Majestät den treuen Diensten hold/
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Und weil sie schon vorlängst viel Gnaden dir verliehen/
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So must auch deine Brust von ihrem Bildnüß blühen.
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Es fast mein enges Blat nicht deiner Würden Raum/
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Mund/ durch den Schlesien so oft und viel gesprochen/
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Der noch ihr Alterthum und Freyheit hat durchkrochen/
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Der reich an Wissenschafft/ und was man sonsten kaum
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Zertheilet finden kan/ zusammen hat getragen;
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Wie soll das Vaterland nicht dein Erblassen klagen?
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Zwar du hast satt gelebt an Ehren und an Ruhm/
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Die letzte Linie des Lebens wohl gezogen:
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Es bleibt dir Land und Stadt auch nach dem Tod gewogen
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Und die Unsterbligkeit/ ist itzt dein Eigenthum.
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Weg mit Napel und Bux und Myrrhen und Cypressen/
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Wer so gestorben ist wird nimmermehr vergessen.
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Ruh’wohl in deiner Grufft/ ruh’
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Der Menschen Redner-Kunst ist Dunst und unvollkommen.
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Hingegen nun dich hat der Himmel auffgenommen/
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So siehst’ und kennest du des Höchsten Wunderwerck
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Und alle Wissenschafft; itzt kanst du diß aussprechen
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Worzu uns Sterblichen will Geist und Krafft gebrechen.