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Wenn jetzt zwey Palmen stehn mit Lieb-vereinten Zweigē
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Und Blüt und Liebligkeit auff allen Blättern lacht;
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Und drauff des Wetters-Straal wird einen niederbeu-
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Und ihm das grüne Haar versengt und dünne macht:
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So fängt die andre an aus Beyleid zuerblassen/
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Jhr laubicht Gipffel hängt/ die Zweige schlaffen ein/
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Ja sie wird so ein Bild des Traurens blicken lassen
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Daß man bekennen muß/ daß sie vermählte seyn.
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So auch die Anemon’ in ihrem Purpur-Kleide/
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Alsbald ihr Aug und Licht die göldne Sonne sinckt/
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Wirfft allen Zierath weg/ und gehet wie im Leide/
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Wenn sie den Thau der Nacht als Thränen in sich trinckt.
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Nachdem der Liebste muß den Weg des Fleisches gehn/
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Jhr Auge schwimmt in Fluth/ ihr Hertz in heissem Blute
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Und man sieht umb sie rumb viel nasse Zeugen stehn.
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Die Turtel-Taube kan den Gatten nicht so klagen
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Als sie itzt ihren Schatz und ander Hertz betraurt.
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Jhr Sonnen-Schein ist hin/ sie sieht bey Winter-Tagen
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Sich nur mit Einsamkeit und banger Furcht ummaurt.
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Gleicht sie nicht dem Corall/ der in gesaltznen Thränen
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Des Meeres wilder Fluth sein eintzig Wachsthum hat?
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Mach nicht das innre Weh/ und wiederholte Sehnen
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Die Leibes-Kräfft schwach/ die Lebens-Geister mat?
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Gemeine Schmertzen sind noch endlich zuertragen/
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Alleine wenn der Tod biß an das Hertze greifft/
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Wird der erschrockne Mund nicht Angst und Wehmuth sagen/
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Indem der Plagen-Heer in seine Glieder streifft.
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Der best und liebste Freund auff dieser Welt ist hin:
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Die Zuflucht/ die sie nahm zu seinen Wolfahrts-Bäumen/
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Erstirbt/ und Thränen sind ihr übriger Gewin.
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Zwey Perlen/ wenn sie sich in zweyen Muscheln trennen
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Sieht auch der tolle Schaum der See mitleidig an:
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Zwey Hertzen/ die zugleich in einer Flamme brennen/
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Sehn durch den Tod zertheilt/ so sonst nichts theilen kan/
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Ist ein erbärmlich Werck; der Sterbligkeit ihr Spiegel
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Den sie hat auff den Platz der weiten Welt gesetzt.
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Das eiserne Gebot bricht Eh-Schluß/ Brieff und Siegel
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Und was der Mensch für fest und unverbrüchlich schätzt.
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Zu ihrem Christenthum erbaulich dienen kan/
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So lange wir im Fleisch/ so müssen wir nur leiden/
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Es greifft der grosse GOtt auff tausend Weg uns an.
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Wenn bloß nur die Vernunfft hier wil zu Rathe sitzen/
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Und das Gemüthe sol nach seiner Regung gehn/
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So würde nur mein Wort mehr ihre Wunden ritzen;
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Ergrimmten Schmertzen ist nicht leicht zuwiederstehn.
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Hingegen/ wenn sie denckt/ was aus des Liebsten Munde
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Für ein beweglich Wunsch und Seelen-Seuffzer ging/
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So achte sie beglückt den Tag/ und diese Stunde/
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Da erst ihr Ehe-Schatzrecht an zu leben fing.
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Wünscht er nicht frey zu seyn von seinen Kett- und Banden?
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Wer/ rieffer/ macht mich doch von meinem Kärcker loß?
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Es werde dieser Leib der Sünden Nest zuschanden!
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Erlöser/ nimm mich auff in deine Gnaden-Schoß!
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Ich sterbe gern der Welt umb dort mit dir zu leben/
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Ich schliesse hier mein Aug umb dort dich anzuschaun.
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Hier hält mich Sünd und Tod so lang ich schnaub’ umbgeben/
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Bey dir wil ich mir erst die Freyheits-Städte baun.
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Wie tieff in ihre Seel ihr Liebster war geprägt:
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So weiß ich/ wo sie nicht dem Schmertz sich gantz ergiebet/
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Daß sein Erlösung ihr den besten Trost zulegt.
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Wenn einer/ der anitzt tieff im Gefängnüß sitzt/
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Mit Ketten angezwängt/ mit Fesseln hoch beschwert/
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Auff dessen Scheitel nie der Sonnen Fackel blitzet
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Und den geklem̃ten Leib Stanck/ Fäul und Wurm verzehrt/
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Solt’ in ein Für stlich Schloß frey/ quit und ledig kommen
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Wie würde nicht sein Hertz und Seele sich erfreun?
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Und wir/ wenn unser Freund ins Himmelreich genommen/
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Bemühn sich umb ihr Grab noch Thränen aus zustreun.
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Es ist ja nur der Leib ein Stockhaus unsrer Seele
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Das Fleisch ein solches Bley/ das ihre Flügel drückt.
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Und dennoch hängen wir an dieser Marter-Höle
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Wer löset uns nun auff von so verwirrten Seilen?
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Welch starcker Samsons Arm reisst diese Strick entzwey?
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Heist uns nicht jene Stimm’ Fleuch/ mein Geliebter/ eilen?
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Fleuch/ wer gefangen lebt wird nach dem Tode frey.
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Nunsolchem Dränger-Stall ist auch ihr Schatz entgangen/
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Betrübtste/ keine Qual der Kranckheit setzt ihm zu.
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Wir sterben/ da er hat zu leben angefangen:
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Uns plagt noch Zanck und Streit/ ihr krönet Heil und Ruh.
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Beklagt sie endlich diß/ daß so getreue Flammen/
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So ungemeine Lieb in solcher Flüchtigkeit?
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Gesetzt/ sie brächt ihr Wünsch und Hoffen hoch zusammen
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Verschlünge solches nicht der Abgrund von der Zeit?
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Auch diese kurtze Frist macht lang sein Angedencken/
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Nichts mehr ließ Seneca als seiner Tugend Bild/
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Nach dieser solte sich Paulinens Seele lencken/
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Die blieb in Freud und Leid ihr schönster Ehren-Schild.
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Wo solche Tempel sind erbauet in dem Hertzen/
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Wo diß Gedächtnüß Licht in treuen Seelen brennt/
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So können sie mit Tod und mit Verwesung schertzen/
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Weil er die Glieder nur/ nicht die Gemüther trennt.
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Die Treu zu ihrem Schatz der Zeit gemeldet an.
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So glaub ich/ daß auch wird in ihrer Seele stehen
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Sein wolverdienter Ruhm/ der nicht vermodern kan.
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Der prest die Redligkeit und jener ein Gemüthe
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Daß mit dem Gifft der Zeit und Falschheit nicht befleckt.
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Sein Hertze trug Metall/ daß noch von alter Güte
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In dem kein Zusatz nicht von frembdem Ertzte steckt.
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Diß ist die Eigenschafft an Hoch und Edlen Geistern/
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Daß sie auch in dem Creutz gantz unerschrocken seyn.
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So tilget doch die Zeit der stoltzen Gräber Zier:
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Herr Myhmer wird gewiß ein besser Grabmahl haben:
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Der Leib ruht in der Grufft/ das Hertze lebt bey ihr.