Der höchstschätzbare Smaragd Bey Beerdigung Hn. O. P. des jüngern/ entworffen den 3. Novembr. 1677.

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Heinrich Mühlpfort: Der höchstschätzbare Smaragd Bey Beerdigung Hn. O. P. des jüngern/ entworffen den 3. Novembr. 1677. (1686)

1
Wje sol/ Wohl-Edle Frau/ sie nicht in Thränen schwim- men? (gehn?
2
Was kan aus ihrem Mund itzt mehr als Seufzen
3
Mag auch was schrecklichers des Himmels Schluß be-
4
Als daß ihr liebster Sohn muß auf der Bahre stehn?
5
Ist nicht ihr gantzer Schmuck von ihrem Haupt gerissen
6
Der Liebligkeit
7
Muß das/ was vor ihr Hertz/ anitzt der Sarg einschliessen?
8
Ist bleiche Traurigkeit der übrige Gewin?
9
Ach ja! der Jahre Trost und unvergleichlich Hoffen/
10
Die Blume/ so zu Ruhm des Stammes aufgeblüht/
11
Hat in dem ersten Lentz des Todes Strich betroffen/
12
Daß man sie welck und blaß’ in kaltem Sande sieht.
13
Nennt die Cornelia/ der Kern von Römschen Frauen/
14
Die Kinder Edler Art ihr Gut und Edle Stein/
15
Und läst vor aller Pracht die tapffre Söhne schauen/
16
Die ihrer Schätze Schatz und Reichthum solten seyn;
17
So war/ Wohl-Edle Frau/ ja ein
18
Der allerliebste Sohn voll Witz und Höffligkeit.
19
Wie jenes Grüne kan die Augen nach sich reissen/
20
So stand auch Anmuth hier ihm immer an der Seit.
21
Entwirfft nicht der
22
Woran das Auge sich nicht sattergetzen kan?
23
Wird seine Farbe nicht vor andern hochgepriesen/
24
Weil offt die nahe Lufft den grünen Blitz nimmt an?
25
So grünt und blüht ihr Sohn die süssest’ Augen-Weide/
26
Des Hertzens einzig Trost/ der muntren Jugend Preiß.
27
Es schien sein Lebens-Garn gewebt von reiner Seide/
28
Das Angesicht ein May und Freuden-Paradeiß.
29
Es pflegt in den
30
Hier pflantzte Tugenden der Lehrer Fleiß ihm ein/
31
Das Bildniß/ das er solt in Seel und Hertzen haben/
32
War/ daß er möchte gleich den Edlen Ahnen seyn:
33
Daß angeerbter Glantz samt eigner Tugend-Flammen
34
Steckt’ ein verduppelt Licht der späten Nach-Welt auf;
35
Und brächte Stand und Witz/ Kunst und Vernunfft zusammen/
36
Wär’ als ein Hercules in seinem Tugend-Lauff.
37
Der liebliche
38
Und weil er kostbar ist von Greiffen wol verwacht;
39
Sie hat Wohl-Edle Frau noch Müh’ noch Fleiß verlohren/
40
An nichts so auf der Welt/ als an den Sohn gedacht.
41
Vorhin war der Smaragd dem Gott Mercur geweyhet
42
Als der Beredsamkeit und holde Sitten schenckt:
43
Wie hat nicht dieser Sohn der Mutter Hertz erfreuet
44
Wenn er den edlen Sinn den Musen zugelenckt?
45
Worüber sie mehr Lust und Liebligkeit empfunden/
46
Als wenn durch den Smaragd der Nero Fechter schaut.
47
Und als durch Spiegel siht die aufgeschlitzten Wunden/
48
Aus denen frisches Blut den Purpur-Regen thaut.
49
Der herrliche
50
Stärckt wunderlich das Hertz/ und wiedersteht der Gifft:
51
Voll Anmuth/ voller Geist war des Erblasten Jugend/
52
Die was behäglich heist und preißbar nur gestifft.
53
Es kan nicht der Smaragd so das Gesicht erquicken/
54
Als sich ob diesen Sohn ihr Auge hat ergetzt/
55
Den sie mie tausend Ach! itzt muß zu Grabe schlcken
56
Und aus den Augen zwar/ nicht aus dem Hertzen setzt.
57
Jhr kostbahrster
58
Glantz/ Farbe/ Licht und Schein bedeckt die lange Nacht
59
Es hat der grimme Tod sein Siegel drein gestochen/
60
Der alle Sterblichen zu Staub und Asche macht.
61
Und ist es wunderns werth/ daß Menschen Leichen werden?
62
Zerspringt doch Klipp’ und Felß/ und harter Marmelstein/
63
Wie sol denn ein Gefäß von Thon aus schlechter Erden/
64
Auf dieser Unter-Welt beständig können seyn.
65
Wie lieblich der
66
So hat Gebrechlichkeit bey ihm die Oberhand:
67
Wenn itzt der Jahre May mit göldnen Blumen wincket/
68
So kömmt ein raucher Nord und stürtzt sie in den Sand.
69
Wir sehn bey der Geburt schon Tod und Leben streiten/
70
Und Auff- und Untergang verknüpfft beysammen stehn.
71
Wie langsam die Natur uns pfleget zubereiten/
72
So schnelle heist der Tod uns aus dem Leben gehn.
73
Der Eingang ist gemein/ nur daß auf tausend Arten
74
Ein jeder Augen-Blick den Menschen fällen kan.
75
Man darf nicht auf den Tod/ er wird auf uns schon warten/
76
Greifft offt ein Wiegen-Kind für einen Alten an.
77
Und scheint/ betrübtste Frau/ es der Natur zuwieder/
78
Daß sie dem liebsten Sohn die Augen drücket zu/
79
Da sie wol eh gemeint/ daß ihre müden Glieder
80
Er solt aus Kindes Pflicht begleiten zu der Ruh:
81
Fällt so viel Hoffnung weg/ verschwinden so viel Freuden
82
Versincket so viel Trost durch zweyer Augen-Schluß:
83
So dencke sie doch nach: vom HErren kommt das Leiden
84
Wer hier nicht folgen wil/ der hört ein Wort: Man muß.
85
Wil diß noch schwerer seyn/ daß er so früh gestorben
86
Die Seele/ die GOtt liebt/ wird zeitlich Kercker frey.
87
Wie mancher ist hernach in Sünden erst verdorben
88
Wenn schon des Alters Last ihm Schnee geleget bey?
89
Wie wol und nicht wie lang urtheilen wir das Leben:
90
Der allerliebste Sohn hat schon viel Jahr erreicht.
91
Nun sieht er umb sich her die Eherubinen schweben/
92
Und lebt in solcher Lust der keine Freude gleicht.
93
Man pflegt ja den
94
Damit er grösser Licht und Liebligkeit gewinnt:
95
Wohl-Edle/ den
96
Die nicht wie edle Stein allhier gebrechlich sind.
97
Und hat auf Arons Brust dort ein
98
So gläntzet auch ihr Sohn nun in der Ewigkeit.
99
Er ist zur Freyheits-Burg durch Band und Strick gerissen/
100
Und gibt der Grufft nicht mehr als nur der Seele Kleid.
101
Er dient itzt für dem Stuel und schaut den Regen-Bogen/
102
Der schön als ein
103
Und hat das reine Kleid der Unschuld angezogen/
104
Das Perlen übertrifft und Lilgen trutzen kan.
105
Er ist nun ein
106
Wo GOttes Leuchte scheint und Sonn und Monden fliehn.
107
Dieweil ihm war bekand/ daß gar kein Stein kan tauren/
108
So wolt er seinen Glantz gar bald der Welt entziehn.
109
Wie letzlich der
110
So wird ihr liebster Sohn auch unvergessen seyn/
111
Er hat/ Wohl-Edle Frau im Tugend-Blitz gegrünet/
112
Die legt ihm von

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Heinrich Mühlpfort
(16391681)

* 10.07.1639 in Breslau, † 01.07.1681 in Breslau

männlich, geb. Mühlpfort

deutscher und lateinischer Dichter des Barock

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.