Die sterbende Alcyone Bey Beerdigung Fr. E. v. S. g. N. den 4. Julii 1677.

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Heinrich Mühlpfort: Die sterbende Alcyone Bey Beerdigung Fr. E. v. S. g. N. den 4. Julii 1677. (1686)

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Esließ Alcyone/ die Perle keuscher Frauen/
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Mit heissem Seelen-Schmertz den Liebsten von sich hin;
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Aus Furcht/ sie würd ihn nun auffewig nicht mehr schauen/
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Jhr Hertze schwam in Blut/ gefoltert war ihr Sinn.
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Und dennoch blieb der Schluß Ceycis muste scheiden/
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Er schwur in Monatsfrist zu fassen sie in Arm.
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Wie aber kan ein Mensch doch sein Verhängnüß meiden?
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Was über ihn bestimmt/ hemmt kein vergebner Harm.
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Er muß durch Schiffbruch nur ins Meeres Schoß verderben/
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Wie sehr er widerstrebt/ der Wellen Opffer seyn.
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Und dieser Fall der heist zugleich zwey Seelen sterben/
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Alcyone verlangt nicht mehr der Sonnen Schein.
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Es stellt die trübe Nacht/ wenn sie jetzt Träume säet/
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Und mit vergnügter Ruh die müden Glieder speist
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Wie für der Liebsten Bett Ceycis seufftzt und flehet/
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Und seinen Untergang durch einen Schatten weist.
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Was thut Alcyone? Sie laufft an das Gestade
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Denckt an den letzten Kuß/ den sie zum Abschied gab/
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Rufft: Find ich Himmel denn nicht weiter mehr Genade?
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So mach ein gleicher Tod uns doch ein gleiches Grab.
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Ach Muster voller Zucht und Spiegel reiner Sitten!
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Ja der vermählten Lieb’ unschätzbar Ebenbild!
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Als unsre
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Hat sie mit gleichem Ruhm des Lebens Ziel erfüllt.
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Woledler/ seinen Schmertz lebhafftig vorzustellen
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Muß wol Alcyone das beste Vorbild seyn
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Es sey ein Mensch ein Fels/ bey solchen Trauer-Fällen
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Reist die Bestürtzung nur den besten Rathschlag ein.
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Ein Artzt/ der vielen offt die Schmertzen hat geheilet/
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Weiß/ wenn er selber liegt/ für seine Noth nicht Rath.
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Wenn so ein Donnerschlag die Sinnen übereilet/
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So glaubt/ daß Seneca auch nicht mehr Pflaster hat.
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War diß der letzte Kuß/ war diß das letzte Reisen
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Als ihn Alcyone auß ihren Armen ließ?
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Versprach sie nicht mehr Lust in künfftig zu erweisen?
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Als Leid er jetzt empfind bey solchem Seelen-Rieß.
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War seine Wiederkunfft nicht nur ihr eintzig hoffen?
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Wer hätte doch geglaubt den Wechsel voller Noth?
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Daß so ein Ungelück sein Hertz und Haus betroffen/
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Und diese Post erschallt: Alcyone ist tod.
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Ich weiß/ daß sein Gemüt/
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Jedoch aus langem Trost nur einen Eckel spürt.
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Durch Reden wird die Zeit/ gar nicht das Leid verzehret/
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Weil oft das schönste Wort die Wunde nicht mehr rührt.
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Die
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Dergleichen Ehgemahl ist seltzam auf der Welt.
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Es kan sich Orpheus nicht so nach der Liebsten sehnen/
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Daß ihm wol seine Treu nicht gleiche Wage hält.
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Man mag den Schmertzen auch mit allen Farben mahlen/
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Das innre Seelen-Leid nimmt keinen Pinsel an.
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Drumb bring ich nur zu Trost ihr edle Tugend-Stralen
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So keine Demmerung der Zeit verdunckeln kan.
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Es soll Alcyone der Nahme seyn und bleiben/
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Jhr Stand/ Gemüth und Geist erfodern diesen Ruhm.
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Man weiß/ daß Cedern nicht geringe Schnaten treiben/
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Auß edlem Saamen wächst gewiß dergleichen Blum’.
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Und solte
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Der Fürsten treuer Rath/ der Themis theurer Sohn
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In dieser Tochter Bild das Blut gelehrter Ahnen/
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Uns haben fürgestellt/ erlauchter Seelen Lohn?
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Der Nüßler der noch lebt in Kindern/ Witz/ und Schrifften/
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Ja seinem Vaterland zu Ruhm gesungen hat
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Und kont’ ihm durch sich selbst so ein Gedächtnüß stifften/
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Daß dessen Namen hier nicht faßt mein enges Blat.
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Diß ist die Eigenschafft erhobener Gemüther
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Daß stets ihr eiffrig Wunsch der Sonnen nah zu stehn.
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Es schenckt der Unterwelt ihr Glantz uns alle Guter/
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So auch der Fürsten Gnad den Menschen Wolergehn.
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Die Pallas Schlesiens/ die Hertzogin Sybille
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Hieß sie in ihrem Hof als eine Rose blühn.
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Deß Geistes Hurtigkeit/ der edlen Gaben Fülle
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Kont’ ein vernünfftig Aug’ und Hertze nach sich ziehn.
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Biß daß sie
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Und ihm/
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Der Himmel hat ihm da Alcyonen erwehlet
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Die Tugend/ Lieb und Treu bey aller Welt macht groß.
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Jhr himmlischer Verstand/ den wenig Frauen haben/
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War auch dem Himmel gleich zu Nutzen nur bemüht:
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Gewiß/ daß sein gantz Hauß von vielen Glückes Gaben
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Vornehmlich aber mehr durch ihren Witz geblüht.
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Man rühmt Alcyonen/ daß sie ihr Nest so baue/
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Damit der Jungen Heil kein Feind nicht schaden mag/
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Und daß man sicher da dem Wetter sich vertraue
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Weil ihre Ruh’ bestürmt kein schwartz-gewölckter Tag.
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Die seelig-edle Seel hat so ein Lob verdienet/
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Als kaum Cornelia von ihrem Gracchen führt.
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Indem der Söhne Heil durch ihren Rath gegrünet/
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Und ihr geehrtes
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Sol auch Alcyone ein Bild der Treue heissen/
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Die ihren krancken Mann auff ihren Flügeln trägt.
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So war/
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Wie ihn gesund und kranck sie jederzeit gepflegt.
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Verdient Alcyone den Ruhm getreuster Liebe/
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Daß nichts vollkommeners die Nach-Welt melden kan;
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So weiß man/ daß bey ihr stets das Verlangen bliebe/
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Solt ich doch meinen Schatz zuletzt noch schauen an.
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Diß alles ist hinweg. Was von sehr edler Güte
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Das acht der Himmel nicht der Erden einmal wehrt.
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Es eilt dem Ursprung nach ein feuriges Gemüte
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Indem deß Leibes-Last die Seele nur beschwert.
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Ist jen Alcyone dem Himmel zugeflogen:
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Auch unsre
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Worinn sie mit dem Rock der Unschuld angezogen
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Deß Allerhöchsten Hoff’ als Dienerin bekand.
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Wie kan/
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Es ruht in GOttes Hand sein Schatz Alcyone.
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Es bleibt den Christen nur an Stirn und Brust geschrieben:
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Daß unser Zucker sey deß Creutzes Aloe.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Heinrich Mühlpfort
(16391681)

* 10.07.1639 in Breslau, † 01.07.1681 in Breslau

männlich, geb. Mühlpfort

deutscher und lateinischer Dichter des Barock

(Aus: Wikidata.org)

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