Grausam handelt Amor mit mir! O! spielet, ihr Musen

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Friedrich Schiller: Grausam handelt Amor mit mir! O! spielet, ihr Musen Titel entspricht 1. Vers(1782)

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Grausam handelt Amor mit mir! O! spielet, ihr Musen,
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Mit den Schmerzen, die er, spielend, im Busen erregt.
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Manuskripte besitz ich wie kein Gelehrter noch König,
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Denn mein Liebchen, sie schreibt, was ich ihr dichtete, mir.
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Wie im Winter die Saat nur langsam keimet, im Frühling
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Lebhaft treibet und schoßt, so war die Neigung zu dir.
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Immer war mir das Feld und der Wald und der Fels und die Gärten
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Nur ein Raum, und du machst sie, Geliebte, zum Ort.
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Raum und Zeit, ich empfind es, sind bloße Formen des Denkens,
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Da das Eckchen mit dir, Liebchen, unendlich mir scheint.
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Sorge! sie steiget mit dir zu Pferde, sie steiget zu Schiffe,
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Viel zudringlicher noch packet sich Amor mir auf.
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Schwer zu besiegen ist schon die Neigung, gesellet sich aber
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Gar die Gewohnheit zu ihr, unüberwindlich ist sie.
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Welche Schrift ich zweimal, ja dreimal hintereinander
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Lese? Das herzliche Blatt, das die Geliebte mir schreibt.
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Wer mich entzückt, vermag mich zu täuschen. Oh! Dichter und Sänger,
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Mimen! lerntet ihr doch meiner Geliebten was ab.
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Alle Freude des Dichters, ein gutes Gedicht zu erschaffen,
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Fühle das liebliche Kind, das ihn begeisterte, mit.
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Ein Epigramm sei zu kurz, mir etwas Herzlichs zu sagen?
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Wie, mein Geliebter, ist denn nicht noch viel kürzer der Kuß?
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Kennst du den herrlichen Gift der unbefriedigten Liebe?
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Er versengt und erquickt, zehret am Mark und erneuts.
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Kennst du die herrliche Wirkung der endlich befriedigten Liebe?
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Körper verbindet sie schön, wenn sie die Geister befreit.
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Das ist die wahre Liebe, die immer und immer sich gleich bleibt,
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Wenn man ihr alles gewährt, wenn man ihr alles versagt.
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Alles wünscht ich zu haben, um mit ihr alles zu teilen,
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Alles gäb ich dahin, wär sie, die Einzige, mein.
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Kränken ein liebendes Herz und schweigen müssen! Geschärfter
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Können die Qualen nicht sein, die Rhadamant sich ersinnt.
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Warum bin ich vergänglich? o Zeus! so fragte die Schönheit.
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Macht dich doch, sagte der Gott, nur das Vergängliche schön.
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Und die Liebe, die Blumen, der Tau und die Jugend vernahmens,
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Alle gingen sie weg, weinend, von Jupiters Thron.
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Leben muß man und lieben! Es endet Leben und Liebe!
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Schnittest du, Parze, doch nur beide die Fäden zugleich.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Schiller
(17591805)

* 10.11.1759 in Marbach am Neckar, † 09.05.1805 in Weimar

männlich, geb. Schiller

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Dichter, Philosoph und Historiker

(Aus: Wikidata.org)

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