1
Wenn itzt des Himmels Hertz und Auge dieser Welt/
2
Der Sternen Königin und Fürstin aller Zeiten/
3
Den Strahlen-reichen Lauff zu Trost und Nutz den
4
Durch das gevierdte Rund mit reicher Frucht bestellt/
5
Ermüdet in die Schoß der blauen Thetis sincket/
6
Und uns zu letzte noch mit güldnen Blicken wincket.
7
So siht man/ wie entzuckt die gantze Sterbligkeit
8
Den lichten Purpur ehrt/ ihr Glantz sol nun erbleichen/
9
Doch pflegt sie so ein Gold den Wolcken darzureichen/
10
Das den Carfunckeln Kampff/ Rubinen Hohn anbeut.
11
Die Wälder stehn erschreckt und fürchten schwartze Schatten/
12
Die Kräuter bücken sich für Trauren auff den Matten.
13
Die Flora drückt bestürtzt der Kinder Augen zu/
14
Die Flüsse schlaffen ein/ die stillen Lüffte schweigen.
15
Es muß die Clytie ihr Haupt zur Erde neigen/
16
Der Vogel sucht im Nest/ das Wild im Forste Ruh.
17
Ja selbst die kleine Welt/ der Mensch klagt/ daß der Sonnen
18
Durchlauchte Treffligkeit in Finsternüß zerronnen.
19
So auch da itzt das Hertz und Auge dieser Stadt/
20
Der Hochverdiente Greiß/ der Edle
21
Wil aus der Sterbligkeit die müden Füsse setzen/
23
Siht man die Funcken noch von seinem Ehren-Leben
24
Der Nachwelt neuen Glantz zu gleichem Spiegel geben.
25
Die Fackel von dem Ruhm dem längst die Ewigkeit
26
Sich zugeschworen hat/ muß itzt weit heller schimmern;
27
Es scheint des Rathes Licht noch in des
28
Der Sinnen waches Feur/ so bey verwirrter Zeit
29
Dem Pharus gleich geleucht/ und Weg und Bahn gewiesen/
30
Wird bey dem Untergang von männiglich gepriesen.
31
Des Lebens Demmerung zeigt so ein Abend roth/
32
Daß wie die Sonne geht im Golde nur zu Grunde/
33
Wie aber seufftzt die Stadt mit allgemeinem Munde?
34
Ach unser Scipio und Appius ist todt!
35
Es ist der Mund erstummt der uns offt Rath gegeben/
36
Und Geist und Seel ist hin/ durch die wir konten leben.
37
Verzeih höchstwerther Götz/ Astr
38
An Ernst dem Cato gleich/ dem Phocion an Güte/
39
Lycurgen an dem Witz/ Camillen am Gemüthe/
40
Periclen am Verstand/ der wahren Tugend Bild/
41
Wo ich bey deiner Grufft nicht mit gelehrten Thränen/
42
Kan stellen an das Licht der Bürger Schmertz und Sehnen.
43
Es stirbt der Phönix so wenn nun achthundert Jahr
44
Der Sonnen-Vogel sich Siegprangende gewiesen/
45
Wenn seine Treffligkeit die gantze Welt gepriesen/
46
Baut ihm der Lüffte Printz von Zimmet eine Bahr/
47
Legt an das Balsam Holtz zu einem reichen Zunder/
48
Den übergiebet sich der Gluth das seltne Wunder.
49
Das leichte Feder-Volck zerhackt die weiche Brust
50
Singt ein beweglich Lied/ das Stein und Fels entzücket/
51
Bringt eine Harmoni/ die Götter selbst erquicket/
52
Vollzieht den süssen Thon/ thut was ihm nur bewust/
53
Und giebt durch Sängerey und Andacht zuerkennen/
54
In was vor edler Gluth sein Hertzog müsse brennen.
56
Erscheint der Musen Chor/ Apollo steht betrübet/
57
Und dencket wie er dir ein würdig Opffer giebet.
58
Was auff dem Helikon nur mag vortrefflich seyn/
59
Ist einzig dir geweyht, der Pierinnen Säiten/
60
Und Harff- nnd Lauten-Klang die wollen dich begleiten.
61
Wie aber leg ich ab die tieffverbundne Pflicht?
62
Steckt noch was ewiges in meinen krancken’ Reimen?
63
Empfind ich noch den Hauch von jenen Lorber-Bäumen?
64
Vergönnt mein Zustand mir ein solches Traur-Gedicht/
65
Das Gluth und Geister hat/ das nach dem Himmel schmecket/
66
Und dich in deinem Grab/
67
So nimm doch hoch geneigt/ was ich itzt liefern kan/
68
Und was dein weiser Mund im Leben noch begehret/
69
Ach das nichts schätzbahres mein danckbar Hertz gewehret!
70
Doch sehn die Götter offt auch den Gehorsaman.
71
Und dein so hoher Ruhm darff keiner Farbe Strahlen/
72
Er kan sich von sich selbst durch eigne Würde mahlen.
73
Als dich Lucina trug/ beschloß des Himmels Rath/
74
Es solte dieser Zweig in einen Baum sich breiten/
75
Der seiner Blätter Pracht und Gipffel auch von weiten
76
Geb’ allen anzuschaun: Drauff hat dich Brixen-Stadt
77
Jm freyen Francken-Land ein freyer Ort empfangen/
78
Als deiner Eltern Pfand/ Trost/ Hoffen und Verlangen.
79
Das Glücke wiegte dich/ die Tugend war dein Freund/
80
Die Gottesfurcht dein Zweck; es zeigten schon die Minen
81
Wie mit der Zeit dein Geist auff hohen Ehren-Bühnen
82
Berühmet würde stehn. Gleich wie der Demant scheint
83
Noch in der Erden Schoß und herrlich pflegt zu brennen/
84
So gabst du auch dein Feur durch Funcken zu erkennen.
85
Drauffrieß ein stärcker Zug dich in die weite Welt/
86
Es war der Jugend Wachs die Weißheit einzudrücken/
87
Es lernte sich dein Sinn in Menschen Händel schicken;
88
Witz und Ersahrenheit/ die sich zu dir gesellt/
89
Durchschärfften den Verstand und zierten ihn mit Sitten/
90
Krafft welcher du gar offt der meisten Hertz bestritten.
91
Ein himmlisches Gemüth eilt seinem Ursprung nach
92
Und steiget in die Höh/ verläst des Pöfels Schrancken/
93
Sucht seinen Thaten Raum voll feuriger Gedancken;
94
Erschrickt vor keiner Müh/ Gefahr noch Ungemach/
95
Weiß daß der Tugend Cron durch Schweiß sey zugewinnen/
96
Und daß der nichts erlangt/ der nichts nicht wil beginnen.
97
Dich hat Ulyssens Witz/ O
98
Bey schwerer Krieges Zeit geführt auff deinen Reisen/
99
Wenn hier Brand/ Seuch und Pest/ dort ein verräthrisch Eisen
100
Die Menschen weggerafft/ so schiffte doch dein Fleiß
101
Durch die Charybden hin/ und kam mit gutem Winde
102
An Hafen des Gelücks/ der Wolfahrt ihr Gemünde.
103
Noch hat kein Ort der Welt so deinen Sinn bestrickt
104
Als dich die Herrligkeit von Breßlau eingenommen.
105
Es solte hier dein Glück zum höchsten Wachsthum kommen/
106
So hat der Ausgang auch den Vorsatz nie verrückt;
107
Die Sorgfalt/ der Verstand/ die ungemeine Gaben
108
Bemühte Breßlau sich zum Eigenthum zu haben.
109
Die Mutterkluger Köpff’ und Richtschnur aller Zucht/
110
Der Weißheit Nährer in ist dir mit Huld begegnet;
111
Es schien dein gantzes Hauß mit Segen überregnet/
112
Als sie ein gleich Gemahl vorsichtig ausgesucht/
113
Durch derer Häußligkeit dein Wolstand ist beklieben
114
Die biß ins Grab jetzt zeigt ihr unverrucktes Lieben.
115
Es wächst ein Cedern-Baum nicht irgend über Nacht/
116
Es heist die Aloe die lange Zeit erst blühen
117
Nach unerschöpfftem Fleiß/ nach embsigem Bemühen
118
Hat Glück und Ruhm zugleich für deinen Stand gewacht.
119
O Solon unsrer Stadt/ es schafft der Väter Orden/
120
Daß du in ihrem Rath ein würdig Mitglied worden.
121
Hier gieng dein edler Sinn/ als wie ein Adler pflegt
122
Weit über alle Lufft und Wolcken sich zu schwingen/
123
Biß er der Sonne kan ins Schlaffgemach eindringen/
124
Von Gottesfurcht erhitzt von Tugend angeregt
125
Gemeinem Nutzen nach/ es wird das Ampt der Wäysen
126
So lang ein Mensch noch lebt die treue Sorgfalt preisen.
127
Es sey daß Jupiter theils Köpffe macht von Gold
128
Theils nur von Ertz und Bley: So muß doch/ wer regieren
129
Und nutzbar herrschen sol/ nichts schlechtes in sich führen.
130
Verdienen unsers GOtts und auch der Menschen Huld
131
Ist ein hochwichtig Werck; in nichts das Recht verletzen
132
Bleibt bey dem Himmel selbst ein Schatz von allen Schätzen.
135
Und Unruh noch für uns/ als du im Ampt der Cammer
136
(das warlich hat verzehrt des Lebens bestes Theil/)
137
Bey später Abends Zeit und auch bey frühem Morgen
138
Mit höchstem Nutzen hast geführt viel tausend Sorgen.
139
Ich schweige/ daß der Neid mir nicht die Heucheley/
140
Die ich als Gifft und Pest der Redligkeit verfluche/
141
Wie er sonst pflegt zu thun/ hier vorzuwerffen suche:
142
Diß sag ich wenn ich solt’ ein wahres Conterfey
143
Vom Staats-Mann stellen für/ so müst ich den
144
Mit gutem Fug und Recht auch in die Rolle setzen.
145
Wer GOttes Diener ehrt/ den ehrt hinwieder GOtt.
146
Du hast ihm sein Altar im Hospital gebauet/
147
O Numa dieser Zeit! der hat dich auch bethauet
148
Mit Seegen aus der Höh/ dieweil du sein Gebot
149
So eifrig hast bewahrt und alles so erhoben/
150
Daß Priester und Music dich noch im Kirchlein loben.
151
Es kommt das Leinwand-Hauß mir niemals aus dem Sinn/
152
So offt ich an das Heil der Schulen nur gedencke;
153
Wie selten ach geschichts! daß Lehrern ein Geschencke
154
Von milder Hand kommt zu! Nein/ die Ernährer in
155
Zukünfft’ger Policey/ die Schule/ war dein Sorgen/
156
So daß die Wolthat noch bey keinem ist verborgen.
157
Dein Rath hieß eine Maur’ und die Beredsamkeit
158
Ein scharf durch dringend Pfeil Gemüther zu bewegen/
159
Und deine Wachsamkeit die kont ein Bollwerck legen
160
Daß wenn ein Sturm gleich kam/ stets die Bescheidenheit
161
Den Mittel-Punckt erzielt; das selbst das Ende lehrte
162
Was vor ein reiffer Witz zum Regiment gehörte.
163
Du zogst Begierden aus als wie ein täglich Kleid/
164
So offt dich hieß das Recht den scharffen Ernst gebrauchen/
165
Ließ schlechte Fehler bald gleich einem Dampff verrauchen/
166
Befreyt von Lieb und Haß/ von Argwohn/ Zorn uud Neid/
167
Wollst/ wie der Sonnen Licht/ nur allen Menschen nützen/
168
Wolt’st wie die Themis selbst nur alle Menschen schützen.
169
Die seltne Treffligkeit/ der himmlische Verstand
170
Hat gar der Hohen Gunst und Hold an sich gezogen.
171
Es blieb ein jeder Hoff im Lande dir gewogen/
173
Dich hochverdienten Mann in Ritterstand zusetzen
174
Und dich als einen Rath vor andern werth zuschätzen.
175
Ich weiß die Demuth nech/ wie du der Majestät
176
Großmächtigste Genad in tieffster Pflicht geehret.
177
Es hat mein Ohre noch den treuen Wunsch gehöret
178
Wie du zu deinem GOtt andächtig hast gefleht/
180
Der Erden weiter Kreiß zu seinen Füssen liegen.
181
Es trägt der Eltern Blut zwar viel dem Adel bey/
182
Die Tugend wird noch mehr die Ehren-Fahn auffstecken
183
Wenn diese Glocke klingt/ pflegt sie die Welt zuwecken/
184
Daß ein Themistocles ein edles Hertze sey.
185
Denn sol das Vaterland in vollem Flor gedeyen/
186
Muß erst der Kopff den Witz/ die Faust die Krafft darleihen.
187
Agrippa voller Rath/ nun Seeliger Patron/
188
Als Präses Säbisch ließ des müden Leibes Bürde/
189
Und dir ward anvertraut der gantzen Herrschafft Würde/
190
Wie mancher Hertzens-Wunsch/ wie mancher Jubel-Thon/
191
Brach bey den Bürgern aus? Sie schryen unser hoffen
192
Hat nun mit unsrem Haupt glückseelig eingetroffen.
193
Ach Vater unsrer Stadt! wie wol hastu regirt!
194
Du Leuchte/ die zum Nutz gemeinem Heil gebrennet/
195
Ist noch ein Schlesier der deinen Ruhm nicht kennet?
196
Und was für Sorgen du die lange Zeit geführt?
197
Es hinderten niemals die Raths und Ampts-Geschäffte
198
Des Alters schwere Last und abgeschwächte Kräffte.
199
Schwan/ den der Tugend Gold/ der Ehre Silber krönt/
200
Die graubeschneyte Haar sind unsrer Wolfarth Lilgen.
201
Dein Angedencken kan nie aus dem Hertzen tilgen/
202
Der Zeiten Tyranney/ so alles sonst verhöhnt:
203
Eh muß die gantze Welt in lichter Gluth vergehen/
204
Als deiner Tugend Ruhm nicht solt’ in Blüthe stehen.
205
Ach Wächter unsrer Stadt der zwey und dreyßig Jahr
206
So redlich hat gewacht/ so treulich es gemeinet/
207
Du bist der Sonne gleich/ wenn die am schönsten scheinet
208
Und nun ihr letztes Gold ermüdet stellet dar/
209
So sinckt sie in die Nacht/ du auch nach vielen Strahlen/
210
Must itzt der Sterbligkeit den letzten Rest bezahlen.
211
Ach unser Rathhaus klagt! wir schauen dich nicht mehr
212
Dein Ansehn von Gestalt/ der Ernst beliebter Sitten/
213
Mit Freundligkeit vermischt/ die Pracht in Tritt und Schritten/
214
Ist alles nun hinweg/ die treue Pflicht und Ehr/
215
So deiner Scheitel Schnee wir jederzeit erwiesen/
216
Muß bey so herbem Fall die Thränen nur erkiesen.
218
Und Sieges-Kronen stirbt/ und läst uns seines gleichen/
219
Mag auch ein Sterblicher mehr Wolfahrt hier erreichen/
220
Als wenn aus seiner Asch’ entspriesst so eine Blum?
221
Geschwistert an der Frucht/ und zeiget durch den Saamen
222
Daß nicht ver gehen kan der
223
Versichert daß dein Grab voll Herrligkeit und Pracht
224
Wird auch der späten Welt noch in die Augen blitzen.
225
Kein kostbahres Mausol/ Egyptens hohe Spitzen/
226
Und was für Wercke mehr das güldne Rom gemacht.
227
Besiegen Zeit und Tod. Nein/ sondern tapffre Thaten
228
Die können uns allein für der Verwesung rathen.
229
Du hast den Künstlern gleich/ O hohes Meisterstück
230
Die letzte Linie des Lebens wol gezogen/
231
Den Grundstein fest gelegt/ geschlossen recht den Bogen.
232
Nun ist der Bau vollbracht/ an dem sich das Gelück
233
Nicht satt verwundern kan/ und schamroth muß gestehen
234
Daß über seine Macht kan deine Weißheit gehen.
236
Du siehest Sonn und Mond zu deinen Füssen liegen/
237
Und überschwenglich Heil und himmlisches Vergnügen
238
Erhält dein edler Geist zu einem Gnaden-Lohn.
239
Orion macht dir Raum/ und bey Astr
240
Solt du ein neuer Stern im höchsten Glantze strahlen.
241
Der Marmel macht sich weich zu fassen deinen Ruhm.
242
Wiewol man darff dir nicht Gedächtnüß Tempel bauen/
243
Man mag der Bürgerschafft ihr treues Hertz anschauen
244
Da steht dein Ehrenmahl/ der Tugend Eigenthum.
245
Die schönsten Wercke hat der Zeiten Zahn zerrieben/
246
Was Seelen eingeprägt ist unvergänglich blieben.
247
Ruh wol in deiner Grufft O
248
Es müssen sich daselbst die Palmen hoher Ehren/
249
Der Cedern Ewigkeit/ des Ruhmes Lorbern mehren/
250
Ruh und schlaff ewig wol des müden Lebens satt.
251
Es wil der Nachruff dir die schöne Grabschrifft setzen:
252
Hier liegt der Bürger Haupt/ der Edle