Wohl perlet im Glase der purpurne Wein

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Friedrich Schiller: Wohl perlet im Glase der purpurne Wein Titel entspricht 1. Vers(1782)

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Wohl perlet im Glase der purpurne Wein,
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Wohl glänzen die Augen der Gäste,
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Es zeigt sich der Sänger, er tritt herein,
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Zu dem Guten bringt er das Beste,
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Denn ohne die Leier im himmlischen Saal
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Ist die Freude gemein auch beim Nektarmahl.

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Ihm gaben die Götter das reine Gemüt,
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Wo die Welt sich, die ewige, spiegelt,
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Er hat alles gesehn, was auf Erden geschieht,
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Und was uns die Zukunft versiegelt,
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Er saß in der Götter urältestem Rat
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Und behorchte der Dinge geheimste Saat.

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Er breitet es lustig und glänzend aus,
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Das zusammengefaltete Leben,
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Zum Tempel schmückt er das irdische Haus,
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Ihm hat es die Muse gegeben,
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Kein Dach ist so niedrig, keine Hütte so klein,
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Er führt einen Himmel voll Götter hinein.

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Und wie der erfindende Sohn des Zeus
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Auf des Schildes einfachem Runde
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Die Erde, das Meer und den Sternenkreis
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Gebildet mit göttlicher Kunde,
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So drückt er ein Bild des unendlichen All
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In des Augenblicks flüchtig verrauschenden Schall.

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Er kommt aus dem kindlichen Alter der Welt,
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Wo die Völker sich jugendlich freuten,
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Er hat sich, ein fröhlicher Wandrer, gesellt
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Zu allen Geschlechtern und Zeiten.
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Und läßt sie am

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Erst regierte Saturnus schlicht und gerecht,
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Da war es heute wie morgen,
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Da lebten die Hirten, ein harmlos Geschlecht,
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Und brauchten für gar nichts zu sorgen,
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Sie liebten und taten weiter nichts mehr,
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Die Erde gab alles freiwillig her.

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Drauf kam die Arbeit, der Kampf begann
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Mit Ungeheuern und Drachen,
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Und die Helden fingen, die Herrscher an,
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Und den Mächtigen suchten die Schwachen,
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Und der Streit zog in des Skamanders Feld,
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Doch die Schönheit war immer der Gott der Welt.

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Aus dem Kampf ging endlich der Sieg hervor,
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Und der Kraft entblühte die Milde,
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Da sangen die Musen im himmlischen Chor,
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Da erhuben sich Göttergebilde!
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Das Alter der göttlichen Phantasie,
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Es ist verschwunden, es kehret nie.

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Die Götter sanken vom Himmelsthron,
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Es stürzten die herrlichen Säulen,
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Und geboren wurde der Jungfrau Sohn,
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Die Gebrechen der Erde zu heilen,
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Verbannt ward der Sinne flüchtige Lust,
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Und der Mensch griff

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Und der eitle, der üppige Reiz entwich,
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Der die frohe Jugendwelt zierte,
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Der Mönch und die Nonne zergeißelten sich,
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Und der eiserne Ritter turnierte.
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Doch war das Leben auch finster und wild,
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So blieb doch die Liebe lieblich und mild.

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Und einen heiligen, keuschen Altar
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Bewahrten sich stille die Musen,
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Es lebte, was edel und sittlich war,
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In der Frauen züchtigem Busen,
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Die Flamme des Liedes entbrannte neu
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An der schönen Minne und Liebestreu.

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Drum soll auch ein ewiges zartes Band
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Die Frauen, die Sänger umflechten,
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Sie wirken und weben Hand in Hand
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Den Gürtel des Schönen und Rechten.
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Gesang und Liebe in schönem Verein,
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Sie erhalten dem Leben den Jugendschein.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Schiller
(17591805)

* 10.11.1759 in Marbach am Neckar, † 09.05.1805 in Weimar

männlich, geb. Schiller

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Dichter, Philosoph und Historiker

(Aus: Wikidata.org)

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