Seht ihr dort die altergrauen

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Friedrich Schiller: Seht ihr dort die altergrauen Titel entspricht 1. Vers(1782)

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Seht ihr dort die altergrauen
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Schlösser sich entgegen schauen,
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Leuchtend in der Sonne Gold,
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Wo der Hellespont die Wellen
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Brausend durch der Dardanellen
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Hohe Felsenpforte rollt?
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Hört ihr jene Brandung stürmen,
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Die sich an den Felsen bricht?
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Asien riß sie von Europen,
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Doch die Liebe schreckt sie nicht.

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Heros und Leanders Herzen
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Rührte mit dem Pfeil der Schmerzen
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Amors heilge Göttermacht.
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Hero, schön wie Hebe blühend,
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Er, durch die Gebirge ziehend
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Rüstig, im Geräusch der Jagd.
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Doch der Väter feindlich Zürnen
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Trennte das verbundne Paar,
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Und die süße Frucht der Liebe
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Hing am Abgrund der Gefahr.

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Dort auf Sestos' Felsenturme,
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Den mit ewgem Wogensturme
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Schäumend schlägt der Hellespont,
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Saß die Jungfrau, einsam grauend,
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Nach Abydos' Küste schauend,
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Wo der Heißgeliebte wohnt.
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Ach, zu dem entfernten Strande
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Baut sich keiner Brücke Steg,
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Und kein Fahrzeug stößt vom Ufer,
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Doch die Liebe fand den Weg.

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Aus des Labyrinthes Pfaden
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Leitet sie mit sicherm Faden,
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Auch den Blöden macht sie klug,
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Beugt ins Joch die wilden Tiere,
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Spannt die feuersprühnden Stiere
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An den diamantnen Pflug.
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Selbst der Styx, der neunfach fließet,
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Schließt die wagende nicht aus,
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Mächtig raubt sie das Geliebte
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Aus des Pluto finsterm Haus.

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Auch durch des Gewässers Fluten
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Mit der Sehnsucht feurgen Gluten
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Stachelt sie Leanders Mut.
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Wenn des Tages heller Schimmer
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Bleichet, stürzt der kühne Schwimmer
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In des Pontus finstre Flut,
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Teilt mit starkem Arm die Woge,
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Strebend nach dem teuren Strand,
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Wo auf hohem Söller leuchtend
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Winkt der Fackel heller Brand.

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Und in weichen Liebesarmen
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Darf der Glückliche erwarmen
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Von der schwer bestandnen Fahrt,
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Und den Götterlohn empfangen,
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Den in seligem Umfangen
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Ihm die Liebe aufgespart,
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Bis den Säumenden Aurora
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Aus der Wonne Träumen weckt,
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Und ins kalte Bett des Meeres
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Aus dem Schoß der Liebe schreckt.

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Und so flohen dreißig Sonnen
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Schnell, im Raub verstohlner Wonnen,
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Dem beglückten Paar dahin,
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Wie der Brautnacht süße Freuden,
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Die die Götter selbst beneiden,
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Ewig jung und ewig grün.
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Der hat nie das Glück gekostet,
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Der die Frucht des Himmels nicht
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Raubend an des Höllenflusses
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Schauervollem Rande bricht.

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Hesper und Aurora zogen
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Wechselnd auf am Himmelsbogen,
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Doch die Glücklichen, sie sahn
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Nicht den Schmuck der Blätter fallen,
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Nicht aus Nords beeisten Hallen
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Den ergrimmten Winter nahn.
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Freudig sahen sie des Tages
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Immer kürzern, kürzern Kreis,
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Für das längre Glück der Nächte
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Dankten sie betört dem Zeus.

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Und es gleichte schon die Waage
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An dem Himmel Nächt und Tage,
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Und die holde Jungfrau stand
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Harrend auf dem Felsenschlosse,
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Sah hinab die Sonnenrosse
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Fliehen an des Himmels Rand.
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Und das Meer lag still und eben,
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Einem reinen Spiegel gleich,
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Keines Windes leises Weben
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Regte das kristallne Reich.

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Lustige Delphinenscharen
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Scherzten in dem silberklaren
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Reinen Element umher,
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Und in schwärzlicht grauen Zügen
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Aus dem Meergrund aufgestiegen
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Kam der Tethys buntes Heer.
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Sie, die einzigen, bezeugten
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Den verstohlnen Liebesbund,
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Aber ihnen schloß auf ewig
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Hekate den stummen Mund.

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Und sie freute sich des schönen
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Meeres, und mit Schmeicheltönen
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Sprach sie zu dem Element:
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»schöner Gott! du solltest trügen?
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Nein, den Frevler straf ich Lügen,
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Der dich falsch und treulos nennt.
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Falsch ist das Geschlecht der Menschen,
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Grausam ist des Vaters Herz,
109
Aber du bist mild und gütig,
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Und dich rührt der Liebe Schmerz.

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In den öden Felsenmauern
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Müßt ich freudlos einsam trauern
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Und verblühn in ewgem Harm,
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Doch du trägst auf deinem Rücken
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Ohne Nachen, ohne Brücken,
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Mir den Freund in meinen Arm.
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Grauenvoll ist deine Tiefe,
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Furchtbar deiner Wogen Flut,
119
Aber dich erfleht die Liebe,
120
Dich bezwingt der Heldenmut.

121
Denn auch dich, den Gott der Wogen,
122
Rührte Eros' mächtger Bogen,
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Als des goldnen Widders Flug
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Helle, mit dem Bruder fliehend,
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Schön in Jugendfülle blühend,
126
Über deine Tiefe trug.
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Schnell von ihrem Reiz besieget
128
Griffst du aus dem finstern Schlund,
129
Zogst sie von des Widders Rücken
130
Nieder in den Meeresgrund.

131
Eine Göttin mit dem Gotte,
132
In der tiefen Wassergrotte
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Lebt sie jetzt unsterblich fort,
134
Hilfreich der verfolgten Liebe
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Zähmt sie deine wilden Triebe,
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Führt den Schiffer in den Port.
137
Schöne Helle! Holde Göttin!
138
Selige, dich fleh ich an:
139
Bring auch heute den Geliebten
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Mir auf der gewohnten Bahn.«

141
Und schon dunkelten die Fluten,
142
Und sie ließ der Fackel Gluten
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Von dem hohen Söller wehn.
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Leitend in den öden Reichen
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Sollte das vertraute Zeichen
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Der geliebte Wandrer sehn.
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Und es saust und dröhnt von ferne,
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Finster kräuselt sich das Meer,
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Und es löscht das Licht der Sterne,
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Und es naht gewitterschwer.

151
Auf des Pontus weite Fläche
152
Legt sich Nacht, und Wetterbäche
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Stürzen aus der Wolken Schoß,
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Blitze zucken in den Lüften,
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Und aus ihren Felsengrüften
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Werden alle Stürme los,
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Wühlen ungeheure Schlünde
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In den weiten Wasserschlund,
159
Gähnend wie ein Höllenrachen
160
Öffnet sich des Meeres Grund.

161
»wehe! Weh mir!« ruft die Arme
162
Jammernd, »Großer Zeus, erbarme!
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Ach! Was wagt' ich zu erflehn!
164
Wenn die Götter mich erhören,
165
Wenn er sich den falschen Meeren
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Preisgab in des Sturmes Wehn!
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Alle meergewohnten Vögel
168
Ziehen heim in eilger Flucht,
169
Alle sturmerprobten Schiffe
170
Bergen sich in sichrer Bucht.

171
Ach gewiß, der Unverzagte
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Unternahm das oft Gewagte,
173
Denn ihn trieb ein mächtger Gott.
174
Er gelobte mirs beim Scheiden
175
Mit der Liebe heilgen Eiden,
176
Ihn entbindet nur der Tod.
177
Ach! in diesem Augenblicke
178
Ringt er mit des Sturmes Wut,
179
Und hinab in ihre Schlünde
180
Reißt ihn die empörte Flut.

181
Falscher Pontus, deine Stille
182
War nur des Verrates Hülle,
183
Einem Spiegel warst du gleich,
184
Tückisch ruhten deine Wogen,
185
Bis du ihn heraus betrogen
186
In dein falsches Lügenreich.
187
Jetzt in deines Stromes Mitte,
188
Da die Rückkehr sich verschloß,
189
Lässest du auf den Verratnen
190
Alle deine Schrecken los.«

191
Und es wächst des Sturmes Toben,
192
Hoch zu Bergen aufgehoben
193
Schwillt das Meer, die Brandung bricht
194
Schäumend sich am Fuß der Klippen,
195
Selbst das Schiff mit Eichenrippen
196
Nahte unzerschmettert nicht.
197
Und im Wind erlischt die Fackel
198
Die des Pfades Leuchte war,
199
Schrecken bietet das Gewässer,
200
Schrecken auch die Landung dar.

201
Und sie fleht zur Aphrodite,
202
Daß sie dem Orkan gebiete,
203
Sänftige der Wellen Zorn,
204
Und gelobt, den strengen Winden
205
Reiche Opfer anzuzünden,
206
Einen Stier mit goldnem Horn.
207
Alle Göttinnen der Tiefe,
208
Alle Götter in der Höh
209
Fleht sie, lindernd Öl zu gießen
210
In die sturmbewegte See.

211
»höre meinen Ruf erschallen,
212
Steig aus deinen grünen Hallen,
213
Selige Leukothea!
214
Die der Schiffer in dem öden
215
Wellenreich, in Sturmesnöten
216
Rettend oft erscheinen sah.
217
Reich ihm deinen heilgen Schleier,
218
Der, geheimnisvoll gewebt,
219
Die ihn tragen, unverletzlich
220
Aus dem Grab der Fluten hebt.«

221
Und die wilden Winde schweigen,
222
Hell an Himmels Rande steigen
223
Eos' Pferde in die Höh.
224
Friedlich in dem alten Bette
225
Fließt das Meer in Spiegelsglätte,
226
Heiter lächeln Luft und See.
227
Sanfter brechen sich die Wellen
228
An des Ufers Felsenwand,
229
Und sie schwemmen, ruhig spielend,
230
Einen Leichnam an den Strand.

231
Ja, er ists, der, auch entseelet,
232
Seinem heilgen Schwur nicht fehlet!
233
Schnellen Blicks erkennt sie ihn,
234
Keine Klage läßt sie schallen,
235
Keine Träne sieht man fallen,
236
Kalt, verzweifelnd starrt sie hin.
237
Trostlos in die öde Tiefe
238
Blickt sie, in des Äthers Licht,
239
Und ein edles Feuer rötet
240
Das erbleichte Angesicht.

241
»ich erkenn euch, ernste Mächte,
242
Strenge treibt ihr eure Rechte,
243
Furchtbar, unerbittlich ein.
244
Früh schon ist mein Lauf beschlossen,
245
Doch das Glück hab ich genossen,
246
Und das schönste Los war mein.
247
Lebend hab ich deinem Tempel
248
Mich geweiht als Priesterin,
249
Dir ein freudig Opfer sterb ich,
250
Venus, große Königin!«

251
Und mit fliegendem Gewande
252
Schwingt sie von des Turmes Rande
253
In die Meerflut sich hinab.
254
Hoch in seinen Flutenreichen
255
Wälzt der Gott die heilgen Leichen,
256
Und er selber ist ihr Grab.
257
Und mit seinem Raub zufrieden
258
Zieht er freudig fort und gießt
259
Aus der unerschöpften Urne
260
Seinen Strom, der ewig fließt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Schiller
(17591805)

* 10.11.1759 in Marbach am Neckar, † 09.05.1805 in Weimar

männlich, geb. Schiller

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Dichter, Philosoph und Historiker

(Aus: Wikidata.org)

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