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Wer/ Vetter/ deinen Tod mit trucknen Augen schauet/
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Der ist ein harter Fels und unempfindlich Stein.
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Wer deinem Grabe nicht ein Ehrenmahl auffbauet/
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Der muß im Helicon ein blosser Frembdling seyn.
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Der Kunst und Artzney Gott Apollo steht betrübet/
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Und reist vor Hertzeleid die Lorbern aus dem Haar/
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Giebt traurig an den Tag/ wie hoch er dich geliebet/
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Und wie sein Meister Ruhm mit dir liegt auff der Baar.
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Die keusche Daphne seufftzt und Flora schwimmt in Thränen/
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Die sie ohn unterlaß auff Blum und Kräuter setzt.
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Die Mutter aller Ding eröffnet frey ihr Sehnen
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Weil sie dich jederzeit als Rath und Trost geschätzt;
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Hygea tritt hervor in einem weissen Kleide/
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Siht nicht so lebhafft schön als wie sie vormals pflag/
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Klagt deinen Untergang und geht in tieffem Leide/
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Nun ihr Gesundheit Kelch dir nicht mehr nutzen mag.
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Jhr Vater Aesculap durchforschet in Metallen
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Ob irgend eintzig Geist/ dir auffzuhelffen/ sey?
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Ach Eisenharter Schluß! du solst und must verfallen;
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Hier macht noch Artzt noch Kunst dir vom Verwesen frey.
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Die Häupter voller Witz/ so alles auffgeschlossen
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Was in der Erden Schoß hat die Natur versteckt/
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Vermissen nur zu früh dich ihren Mitgenossen/
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Und sind mit gleichem Weh der Traurigkeit bedeckt.
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Du bist auch Thränen werth/ Apollens Aug und Hertze/
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Und groß ist der Verlust den man empfinden muß.
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Dein edle Wissenschafft hat gleich der Sonnen Kertze
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Mit ihrer Stralen Krafft beherrscht der Lethe Fluß.
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Der Acheron erschrack/ Coeytus floß zurücke/
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Und Charon nehm nicht mehr so häuffig Fährgeld ein.
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Die Parcen starrten gar ob diesem Meisterstücke.
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Wenn Krancke deine Cur hieß frisch und munter seyn.
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Was hast du nicht für Lust von Jugend auff getragen
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Dem grossen Vater gleich an Ruhm und Kunst zu gehn;
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Wie eyfrig war dein Fleiß im Lesen/ Forschen/ Fragen/
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Und wie die alte Welt und neue zu verstehn.
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Gantz Jehna rühmt dich noch/ da du den Grund geleget/
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Worauff ein Podalir das Schloß der Weißheit baut.
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Wo du mit grossem Ruhm Streit-Fragen hast erreget/
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Und solche mit Vernunfft zu lösen dir getraut.
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Drauff nahm dich Leiden an und wieß dir seine Schätze
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Und war mit Mutter-Treu und Liebe dir geneigt/
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Bald labten deinen Geist der Väter Lehr-Gesetze/
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Bald hat man Cörper dir und Florens Reich gezeigt.
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Die feurige Begier blieb nicht damit zu frieden
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Sie eilte ferner fort die weite Welt zu sehn.
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Denn als du von der Brust der Musen abgeschieden/
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So liest du nach Sedan dich Wind und Segel wehn.
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Biß dich die Königin der Städte hat empfangen
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Das prächtige Pariß/ der Inbegrieff der Welt.
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Hier schien numehr vergnügt dein Hoffen und Verlangen
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Nachdem dich zum Patin das Glücke hat gesellt.
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Und was nur Franckreich hegt von klugen Wunder-Meistern/
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Die wurden dir mit Gunst und Hulden zugethan.
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Da schärffst du den Verstand bey so erlauchten Geistern
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Die selbst der Nach-Welt Mund nicht satsam rühmen kan.
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Ein himmlisches Gemüth erkennt des Ursprungs Flamme/
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Sucht/ wie der Himmel thut/ nur in Bewegung Ruh;
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Du auch von guter Art und von berühmtem Stamme
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Theilst deine Wissenschafft noch andre Reisen zu.
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Du wilst Jtalien das Paradies der Erden.
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Und wo der Artzney Kunst in vollem Schwange geht/
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Nicht obenhin beschaun. Nein. Wer gekrönt wil werden
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Muß dencken wie er auch im Kampff und Streit besteht.
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Der Lehrer gantzer Rath beschleust mit gleichen Stimmen/
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Daß Padua die Cron von Lorbern reichen sol.
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Man sah der Deutschen Hertz in wahren Freuden glimmen
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Als dieser Rufferschallt:
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Doch der erlangte Preiß und Kleinod vom studieren
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Hat dich mehr angespornt/ die Lichter dieser Zeit
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So jetzt die Sieges-Fahn in Wissenschafften führen/
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Zu ehren mit Bedacht/ zu sehn in Höffligkeit.