1
Fest gemauert in der Erden
2
Steht die Form, aus Lehm gebrannt.
3
Heute muß die Glocke werden,
4
Frisch, Gesellen, seid zur Hand.
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Soll das Werk den Meister loben,
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Doch der Segen kommt von oben.
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Zum Werke, das wir ernst bereiten,
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Geziemt sich wohl ein ernstes Wort;
11
Wenn gute Reden sie begleiten,
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Dann fließt die Arbeit munter fort.
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So laßt uns jetzt mit Fleiß betrachten,
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Was durch die schwache Kraft entspringt,
15
Den schlechten Mann muß man verachten,
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Der nie bedacht, was er vollbringt.
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Das ists ja, was den Menschen zieret,
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Und dazu ward ihm der Verstand,
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Daß er im innern Herzen spüret,
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Was er erschafft mit seiner Hand.
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Was in des Dammes tiefer Grube
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Die Hand mit Feuers Hülfe baut,
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Hoch auf des Turmes Glockenstube
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Da wird es von uns zeugen laut.
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Noch dauern wirds in späten Tagen
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Und rühren vieler Menschen Ohr
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Und wird mit dem Betrübten klagen
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Und stimmen zu der Andacht Chor.
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Was unten tief dem Erdensohne
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Das wechselnde Verhängnis bringt,
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Das schlägt an die metallne Krone,
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Die es erbaulich weiterklingt.
49
Denn mit der Freude Feierklange
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Begrüßt sie das geliebte Kind
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Auf seines Lebens erstem Gange,
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Den es in Schlafes Arm beginnt;
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Ihm ruhen noch im Zeitenschoße
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Die schwarzen und die heitern Lose,
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Der Mutterliebe zarte Sorgen
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Bewachen seinen goldnen Morgen. –
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Die Jahre fliehen pfeilgeschwind.
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Vom Mädchen reißt sich stolz der Knabe,
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Er stürmt ins Leben wild hinaus,
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Durchmißt die Welt am Wanderstabe.
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Fremd kehrt er heim ins Vaterhaus,
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Und herrlich, in der Jugend Prangen,
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Wie ein Gebild aus Himmelshöhn,
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Mit züchtigen, verschämten Wangen
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Sieht er die Jungfrau vor sich stehn.
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Da faßt ein namenloses Sehnen
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Des Jünglings Herz, er irrt allein,
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Aus seinen Augen brechen Tränen,
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Er flieht der Brüder wilden Reihn.
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Errötend folgt er ihren Spuren
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Und ist von ihrem Gruß beglückt,
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Das Schönste sucht er auf den Fluren,
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Womit er seine Liebe schmückt.
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O! zarte Sehnsucht, süßes Hoffen,
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Der ersten Liebe goldne Zeit,
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Das Auge sieht den Himmel offen,
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Es schwelgt das Herz in Seligkeit.
78
O! daß sie ewig grünen bliebe,
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Die schöne Zeit der jungen Liebe!
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Denn wo das Strenge mit dem Zarten,
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Wo Starkes sich und Mildes paarten,
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Da gibt es einen guten Klang.
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Drum prüfe, wer sich ewig bindet,
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Ob sich das Herz zum Herzen findet!
93
Der Wahn ist kurz, die Reu ist lang.
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Lieblich in der Bräute Locken
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Spielt der jungfräuliche Kranz,
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Wenn die hellen Kirchenglocken
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Laden zu des Festes Glanz.
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Ach! des Lebens schönste Feier
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Endigt auch den Lebensmai,
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Mit dem Gürtel, mit dem Schleier
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Reißt der schöne Wahn entzwei.
102
Die Leidenschaft flieht!
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Die Liebe muß bleiben,
105
Die Frucht muß treiben.
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Muß wirken und streben
109
Und pflanzen und schaffen,
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Da strömet herbei die unendliche Gabe,
114
Es füllt sich der Speicher mit köstlicher Habe,
115
Die Räume wachsen, es dehnt sich das Haus.
117
Die züchtige Hausfrau,
118
Die Mutter der Kinder,
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Und lehret die Mädchen
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Und wehret den Knaben,
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Und füllet mit Schätzen die duftenden Laden,
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Und dreht um die schnurrende Spindel den Faden,
129
Und sammelt im reinlich geglätteten Schrein
130
Die schimmernde Wolle, den schneeigten Lein,
131
Und füget zum Guten den Glanz und den Schimmer,
133
Und der Vater mit frohem Blick
134
Von des Hauses weitschauendem Giebel
135
Überzählet sein blühend Glück,
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Siehet der Pfosten ragende Bäume
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Und der Scheunen gefüllte Räume
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Und die Speicher, vom Segen gebogen,
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Und des Kornes bewegte Wogen,
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Rühmt sich mit stolzem Mund:
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Fest, wie der Erde Grund,
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Gegen des Unglücks Macht
143
Steht mir des Hauses Pracht!
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Doch mit des Geschickes Mächten
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Ist kein ewger Bund zu flechten,
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Und das Unglück schreitet schnell.
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Wohl! Nun kann der Guß beginnen,
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Schön gezacket ist der Bruch.
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Doch, bevor wirs lassen rinnen,
150
Betet einen frommen Spruch!
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Rauchend in des Henkels Bogen
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Schießts mit feuerbraunen Wogen.
155
Wohltätig ist des Feuers Macht,
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Wenn sie der Mensch bezähmt, bewacht,
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Und was er bildet, was er schafft,
158
Das dankt er dieser Himmelskraft,
159
Doch furchtbar wird die Himmelskraft,
160
Wenn sie der Fessel sich entrafft,
161
Einhertritt auf der eignen Spur
162
Die freie Tochter der Natur.
163
Wehe, wenn sie losgelassen
164
Wachsend ohne Widerstand
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Durch die volkbelebten Gassen
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Wälzt den ungeheuren Brand!
167
Denn die Elemente hassen
168
Das Gebild der Menschenhand.
172
Aus der Wolke, ohne Wahl,
174
Hört ihrs wimmern hoch vom Turm?
178
Das ist nicht des Tages Glut!
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Flackernd steigt die Feuersäule,
183
Durch der Straße lange Zeile
184
Wächst es fort mit Windeseile,
185
Kochend wie aus Ofens Rachen
186
Glühn die Lüfte, Balken krachen,
187
Pfosten stürzen, Fenster klirren,
188
Kinder jammern, Mütter irren,
191
Alles rennet, rettet, flüchtet,
192
Taghell ist die Nacht gelichtet,
193
Durch der Hände lange Kette
195
Fliegt der Eimer, hoch im Bogen
196
Sprützen Quellen, Wasserwogen.
197
Heulend kommt der Sturm geflogen,
198
Der die Flamme brausend sucht.
199
Prasselnd in die dürre Frucht
200
Fällt sie, in des Speichers Räume,
201
In der Sparren dürre Bäume,
202
Und als wollte sie im Wehen
203
Mit sich fort der Erde Wucht
204
Reißen, in gewaltger Flucht,
205
Wächst sie in des Himmels Höhen
208
Weicht der Mensch der Götterstärke,
209
Müßig sieht er seine Werke
210
Und bewundernd untergehen.
221
Sendet noch der Mensch zurück –
222
Greift fröhlich dann zum Wanderstabe,
223
Was Feuers Wut ihm auch geraubt,
224
Ein süßer Trost ist ihm geblieben,
225
Er zählt die Häupter seiner Lieben,
226
Und sieh! ihm fehlt kein teures Haupt.
227
In die Erd ists aufgenommen,
228
Glücklich ist die Form gefüllt,
229
Wirds auch schön zutage kommen,
230
Daß es Fleiß und Kunst vergilt?
232
Wenn die Form zersprang?
233
Ach! vielleicht, indem wir hoffen,
234
Hat uns Unheil schon getroffen.
235
Dem dunkeln Schoß der heilgen Erde
236
Vertrauen wir der Hände Tat,
237
Vertraut der Sämann seine Saat
238
Und hofft, daß sie entkeimen werde
239
Zum Segen, nach des Himmels Rat.
240
Noch köstlicheren Samen bergen
241
Wir traurend in der Erde Schoß
242
Und hoffen, daß er aus den Särgen
243
Erblühen soll zu schönerm Los.
250
Ach! die Gattin ists, die teure,
251
Ach! es ist die treue Mutter,
252
Die der schwarze Fürst der Schatten
253
Wegführt aus dem Arm des Gatten,
254
Aus der zarten Kinder Schar,
255
Die sie blühend ihm gebar,
256
Die sie an der treuen Brust
257
Wachsen sah mit Mutterlust –
258
Ach! des Hauses zarte Bande
259
Sind gelöst auf immerdar,
260
Denn sie wohnt im Schattenlande,
261
Die des Hauses Mutter war,
262
Denn es fehlt ihr treues Walten,
263
Ihre Sorge wacht nicht mehr,
264
An verwaister Stätte schalten
265
Wird die Fremde, liebeleer.
266
Bis die Glocke sich verkühlet,
267
Laßt die strenge Arbeit ruhn,
268
Wie im Laub der Vogel spielet,
269
Mag sich jeder gütlich tun.
270
Winkt der Sterne Licht,
272
Hört der Pursch die Vesper schlagen,
273
Meister muß sich immer plagen.
274
Munter fördert seine Schritte
275
Fern im wilden Forst der Wandrer
276
Nach der lieben Heimathütte.
280
Breitgestirnte, glatte Scharen
282
Die gewohnten Ställe füllend.
289
Und das junge Volk der Schnitter
291
Markt und Straße werden stiller,
292
Um des Lichts gesellge Flamme
293
Sammeln sich die Hausbewohner,
294
Und das Stadttor schließt sich knarrend.
297
Doch den sichern Bürger schrecket
299
Die den Bösen gräßlich wecket,
300
Denn das Auge des Gesetzes wacht.
301
Heilge Ordnung, segenreiche
302
Himmelstochter, die das Gleiche
303
Frei und leicht und freudig bindet,
304
Die der Städte Bau gegründet,
305
Die herein von den Gefilden
306
Rief den ungesellgen Wilden,
307
Eintrat in der Menschen Hütten,
308
Sie gewöhnt zu sanften Sitten
309
Und das teuerste der Bande
310
Wob, den Trieb zum Vaterlande!
311
Tausend fleißge Hände regen,
312
Helfen sich in munterm Bund,
313
Und in feurigem Bewegen
314
Werden alle Kräfte kund.
315
Meister rührt sich und Geselle
316
In der Freiheit heilgem Schutz.
317
Jeder freut sich seiner Stelle,
318
Bietet dem Verächter Trutz.
319
Arbeit ist des Bürgers Zierde,
320
Segen ist der Mühe Preis,
321
Ehrt den König seine Würde,
326
Freundlich über dieser Stadt!
327
Möge nie der Tag erscheinen,
328
Wo des rauhen Krieges Horden
329
Dieses stille Tal durchtoben,
331
Den des Abends sanfte Röte
333
Von der Dörfer, von der Städte
334
Wildem Brande schrecklich strahlt!
335
Nun zerbrecht mir das Gebäude,
336
Seine Absicht hats erfüllt,
337
Daß sich Herz und Auge weide
338
An dem wohlgelungnen Bild.
339
Schwingt den Hammer, schwingt,
340
Bis der Mantel springt,
341
Wenn die Glock soll auferstehen,
342
Muß die Form in Stücken gehen.
343
Der Meister kann die Form zerbrechen
344
Mit weiser Hand, zur rechten Zeit,
345
Doch wehe, wenn in Flammenbächen
346
Das glühnde Erz sich selbst befreit!
347
Blindwütend mit des Donners Krachen
348
Zersprengt es das geborstne Haus,
349
Und wie aus offnem Höllenrachen
350
Speit es Verderben zündend aus;
351
Wo rohe Kräfte sinnlos walten,
352
Da kann sich kein Gebild gestalten,
353
Wenn sich die Völker selbst befrein,
354
Da kann die Wohlfahrt nicht gedeihn.
355
Weh, wenn sich in dem Schoß der Städte
356
Der Feuerzunder still gehäuft,
357
Das Volk, zerreißend seine Kette,
358
Zur Eigenhilfe schrecklich greift!
359
Da zerret an der Glocke Strängen
360
Der Aufruhr, daß sie heulend schallt
361
Und, nur geweiht zu Friedensklängen,
362
Die Losung anstimmt zur Gewalt.
363
Freiheit und Gleichheit! hört man schallen,
364
Der ruhge Bürger greift zur Wehr,
365
Die Straßen füllen sich, die Hallen,
366
Und Würgerbanden ziehn umher,
367
Da werden Weiber zu Hyänen
368
Und treiben mit Entsetzen Scherz,
369
Noch zuckend, mit des Panthers Zähnen,
370
Zerreißen sie des Feindes Herz.
371
Nichts Heiliges ist mehr, es lösen
372
Sich alle Bande frommer Scheu,
373
Der Gute räumt den Platz dem Bösen,
374
Und alle Laster walten frei.
375
Gefährlich ists, den Leu zu wecken,
376
Verderblich ist des Tigers Zahn,
377
Jedoch der schrecklichste der Schrecken,
378
Das ist der Mensch in seinem Wahn.
379
Weh denen, die dem Ewigblinden
380
Des Lichtes Himmelsfackel leihn!
381
Sie strahlt ihm nicht, sie kann nur zünden
382
Und äschert Städt und Länder ein.
396
Und dies sei fortan ihr Beruf,
397
Wozu der Meister sie erschuf!
398
Hoch überm niedern Erdenleben
399
Soll sie in blauem Himmelszelt
400
Die Nachbarin des Donners schweben
401
Und grenzen an die Sternenwelt,
402
Soll eine Stimme sein von oben,
403
Wie der Gestirne helle Schar,
404
Die ihren Schöpfer wandelnd loben
405
Und führen das bekränzte Jahr.
406
Nur ewigen und ernsten Dingen
407
Sei ihr metallner Mund geweiht,
408
Und stündlich mit den schnellen Schwingen
409
Berühr im Fluge sie die Zeit,
410
Dem Schicksal leihe sie die Zunge,
411
Begleite sie mit ihrem Schwunge
412
Des Lebens wechselvolles Spiel.
413
Und wie der Klang im Ohr vergehet,
414
Der mächtig tönend ihr entschallt,
415
So lehre sie, daß nichts bestehet,
416
Das alles Irdische verhallt.
417
Jetzo mit der Kraft des Stranges
418
Wiegt die Glock mir aus der Gruft,
419
Daß sie in das Reich des Klanges
420
Steige, in die Himmelsluft.
422
Sie bewegt sich, schwebt,
423
Freude dieser Stadt bedeute,