Hör ich das Pförtchen nicht gehen?

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Friedrich Schiller: Hör ich das Pförtchen nicht gehen? Titel entspricht 1. Vers(1782)

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Hör ich das Pförtchen nicht gehen?
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Hat nicht der Riegel geklirrt?
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Nein, es war des Windes Wehen,
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Der durch diese Pappeln schwirrt.

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O schmücke dich, du grün belaubtes Dach,
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Du sollst die Anmutstrahlende empfangen,
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Ihr Zweige, baut ein schattendes Gemach,
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Mit holder Nacht sie heimlich zu umfangen,
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Und all ihr Schmeichellüfte, werdet wach
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Und scherzt und spielt um ihre Rosenwangen,
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Wenn seine schöne Bürde, leicht bewegt,
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Der zarte Fuß zum Sitz der Liebe trägt.

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Stille, was schlüpft durch die Hecken
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Raschelnd mit eilendem Lauf?
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Nein, es scheuchte nur der Schrecken
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Aus dem Busch den Vogel auf.

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O! lösche deine Fackel, Tag! Hervor,
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Du geistge Nacht, mit deinem holden Schweigen,
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Breit um uns her den purpurroten Flor,
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Umspinn uns mit geheimnisvollen Zweigen,
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Der Liebe Wonne flieht des Lauschers Ohr,
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Sie flieht des Strahles unbescheidnen Zeugen!
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Nur Hesper, der verschwiegene, allein
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Darf still herblickend ihr Vertrauter sein.

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Rief es von ferne nicht leise,
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Flüsternden Stimmen gleich?
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Nein, der Schwan ists, der die Kreise
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Ziehet durch den Silberteich.

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Mein Ohr umtönt ein Harmonienfluß,
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Der Springquell fällt mit angenehmem Rauschen,
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Die Blume neigt sich bei des Westes Kuß,
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Und alle Wesen seh ich Wonne tauschen,
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Die Traube winkt, die Pfirsche zum Genuß,
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Die üppig schwellend hinter Blättern lauschen,
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Die Luft, getaucht in der Gewürze Flut,
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Trinkt von der heißen Wange mir die Glut.

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Hör ich nicht Tritte erschallen?
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Rauschts nicht den Laubgang daher?
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Nein, die Frucht ist dort gefallen,
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Von der eignen Fülle schwer.

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Des Tages Flammenauge selber bricht
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In süßem Tod und seine Farben blassen,
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Kühn öffnen sich im holden Dämmerlicht
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Die Kelche schon, die seine Gluten hassen,
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Still hebt der Mond sein strahlend Angesicht,
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Die Welt zerschmilzt in ruhig große Massen,
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Der Gürtel ist von jedem Reiz gelöst,
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Und alles Schöne zeigt sich mir entblößt.

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Seh ich nichts Weißes dort schimmern?
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Glänzts nicht wie seidnes Gewand?
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Nein, es ist der Säule Flimmern
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An der dunkeln Taxuswand.

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O! sehnend Herz, ergötze dich nicht mehr,
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Mit süßen Bildern wesenlos zu spielen,
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Der Arm, der sie umfassen will, ist leer,
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Kein Schattenglück kann diesen Busen kühlen;
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O! führe mir die Lebende daher,
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Laß ihre Hand, die zärtliche, mich fühlen,
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Den Schatten nur von ihres Mantels Saum,
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Und in das Leben tritt der hohle Traum.

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Und leis, wie aus himmlischen Höhen
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Die Stunde des Glückes erscheint,
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So war sie genaht, ungesehen,
64
Und weckte mit Küssen den Freund.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Schiller
(17591805)

* 10.11.1759 in Marbach am Neckar, † 09.05.1805 in Weimar

männlich, geb. Schiller

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Dichter, Philosoph und Historiker

(Aus: Wikidata.org)

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