Windet zum Kranze die goldenen Ähren

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Friedrich Schiller: Windet zum Kranze die goldenen Ähren Titel entspricht 1. Vers(1782)

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Windet zum Kranze die goldenen Ähren,
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Flechtet auch blaue Cyanen hinein!
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Freude soll jedes Auge verklären,
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Denn die Königin ziehet ein,
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Die Bezähmerin wilder Sitten,
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Die den Menschen zum Menschen gesellt
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Und in friedliche feste Hütten
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Wandelte das bewegliche Zelt.

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Scheu in des Gebirges Klüften
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Barg der Troglodyte sich,
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Der Nomade ließ die Triften
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Wüste liegen, wo er strich,
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Mit dem Wurfspieß, mit dem Bogen
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Schritt der Jäger durch das Land,
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Weh dem Fremdling, den die Wogen
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Warfen an den Unglücksstrand!

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Und auf ihrem Pfad begrüßte,
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Irrend nach des Kindes Spur,
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Ceres die verlaßne Küste,
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Ach, da grünte keine Flur!
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Daß sie hier vertraulich weile,
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Ist kein Obdach ihr gewährt,
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Keines Tempels heitre Säule
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Zeuget, daß man Götter ehrt.

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Keine Frucht der süßen Ähren
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Lädt zum reinen Mahl sie ein,
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Nur auf gräßlichen Altären
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Dorret menschliches Gebein.
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Ja, so weit sie wandernd kreiste,
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Fand sie Elend überall,
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Und in ihrem großen Geiste
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Jammert sie des Menschen Fall.

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»find ich so den Menschen wieder,
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Dem wir unser Bild geliehn,
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Dessen schöngestalte Glieder
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Droben im Olympus blühn?
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Gaben wir ihm zum Besitze
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Nicht der Erde Götterschoß,
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Und auf seinem Königsitze
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Schweift er elend, heimatlos?

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Fühlt kein Gott mit ihm Erbarmen,
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Keiner aus der Selgen Chor
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Hebet ihn mit Wunderarmen
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Aus der tiefen Schmach empor?
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In des Himmels selgen Höhen
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Rühret sie nicht fremder Schmerz,
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Doch der Menschheit Angst und Wehen
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Fühlet mein gequältes Herz.

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Daß der Mensch zum Menschen werde,
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Stift er einen ewgen Bund
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Gläubig mit der frommen Erde,
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Seinem mütterlichen Grund,
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Ehre das Gesetz der Zeiten
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Und der Monde heilgen Gang,
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Welche still gemessen schreiten
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Im melodischen Gesang.«

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Und den Nebel teilt sie leise,
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Der den Blicken sie verhüllt,
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Plötzlich in der Wilden Kreise
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Steht sie da, ein Götterbild.
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Schwelgend bei dem Siegesmahle
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Findet sie die rohe Schar,
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Und die blutgefüllte Schale
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Bringt man ihr zum Opfer dar.

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Aber schaudernd, mit Entsetzen
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Wendet sie sich weg und spricht:
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»blutge Tigermahle netzen
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Eines Gottes Lippen nicht.
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Reine Opfer will er haben,
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Früchte, die der Herbst beschert,
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Mit des Feldes frommen Gaben
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Wird der Heilige verehrt.«

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Und sie nimmt die Wucht des Speeres
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Aus des Jägers rauher Hand,
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Mit dem Schaft des Mordgewehres
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Furchet sie den leichten Sand,
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Nimmt von ihres Kranzes Spitze
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Einen Kern, mit Kraft gefüllt,
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Senkt ihn in die zarte Ritze,
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Und der Trieb des Keimes schwillt.

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Und mit grünen Halmen schmücket
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Sich der Boden alsobald,
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Und so weit das Auge blicket,
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Wogt es wie ein goldner Wald.
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Lächelnd segnet sie die Erde,
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Flicht der ersten Garbe Bund,
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Wählt den Feldstein sich zum Herde,
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Und es spricht der Göttin Mund:

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»vater Zeus, der über alle
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Götter herrscht in Äthers Höhn!
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Daß dies Opfer dir gefalle,
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Laß ein Zeichen jetzt geschehn!
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Und dem unglückselgen Volke,
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Das dich, Hoher, noch nicht nennt,
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Nimm hinweg des Auges Wolke,
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Daß es seinen Gott erkennt!«

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Und es hört der Schwester Flehen
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Zeus auf seinem hohen Sitz,
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Donnernd aus den blauen Höhen
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Wirft er den gezackten Blitz.
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Prasselnd fängt es an zu lohen,
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Hebt sich wirbelnd vom Altar,
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Und darüber schwebt in hohen
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Kreisen sein geschwinder Aar.

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Und gerührt zu der Herrscherin Füßen
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Stürzt sich der Menge freudig Gewühl,
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Und die rohen Seelen zerfließen
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In der Menschlichkeit erstem Gefühl,
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Werfen von sich die blutige Wehre,
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Öffnen den düstergebundenen Sinn
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Und empfangen die göttliche Lehre
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Aus dem Munde der Königin.

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Und von ihren Thronen steigen
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Alle Himmlischen herab,
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Themis selber führt den Reigen,
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Und mit dem gerechten Stab
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Mißt sie jedem seine Rechte,
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Setzet selbst der Grenze Stein,
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Und des Styx verborgne Mächte
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Ladet sie zu Zeugen ein.

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Und es kommt der Gott der Esse,
122
Zeus' erfindungsreicher Sohn,
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Bildner künstlicher Gefäße,
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Hochgelehrt in Erzt und Ton.
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Und er lehrt die Kunst der Zange
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Und der Blasebälge Zug,
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Unter seines Hammers Zwange
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Bildet sich zuerst der Pflug.

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Und Minerva, hoch vor allen
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Ragend mit gewichtgem Speer,
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Läßt die Stimme mächtig schallen
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Und gebeut dem Götterheer.
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Feste Mauren will sie gründen,
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Jedem Schutz und Schirm zu sein,
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Die zerstreute Welt zu binden
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In vertraulichem Verein.

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Und sie lenkt die Herrscherschritte
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Durch des Feldes weiten Plan,
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Und an ihres Fußes Tritte
140
Heftet sich der Grenzgott an,
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Messend führet sie die Kette
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Um des Hügels grünen Saum,
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Auch des wilden Stromes Bette
144
Schließt sie in den heilgen Raum.

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Alle Nymphen, Oreaden,
146
Die der schnellen Artemis
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Folgen auf des Berges Pfaden,
148
Schwingend ihren Jägerspieß,
149
Alle kommen, alle legen
150
Hände an, der Jubel schallt,
151
Und von ihrer Äxte Schlägen
152
Krachend stürzt der Fichtenwald.

153
Auch aus seiner grünen Welle
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Steigt der schilfbekränzte Gott,
155
Wälzt den schweren Floß zur Stelle
156
Auf der Göttin Machtgebot,
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Und die leichtgeschürzten Stunden
158
Fliegen ans Geschäft, gewandt,
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Und die rauhen Stämme runden
160
Zierlich sich in ihrer Hand.

161
Auch den Meergott sieht man eilen,
162
Rasch mit des Tridentes Stoß
163
Bricht er die granitnen Säulen
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Aus dem Erdgerippe los,
165
Schwingt sie in gewaltgen Händen
166
Hoch wie einen leichten Ball,
167
Und mit Hermes, dem behenden,
168
Türmet er der Mauren Wall.

169
Aber aus den goldnen Saiten
170
Lockt Apoll die Harmonie
171
Und das holde Maß der Zeiten
172
Und die Macht der Melodie.
173
Mit neunstimmigem Gesange
174
Fallen die Kamönen ein,
175
Leise nach des Liedes Klange
176
Füget sich der Stein zum Stein.

177
Und der Tore weite Flügel
178
Setzet mit erfahrner Hand
179
Cybele und fügt die Riegel
180
Und der Schlösser festes Band.
181
Schnell durch rasche Götterhände
182
Ist der Wunderbau vollbracht,
183
Und der Tempel heitre Wände
184
Glänzen schon in Festespracht.

185
Und mit einem Kranz von Myrten
186
Naht die Götterkönigin,
187
Und sie führt den schönsten Hirten
188
Zu der schönsten Hirtin hin.
189
Venus mit dem holden Knaben
190
Schmücket selbst das erste Paar,
191
Alle Götter bringen Gaben
192
Segnend den Vermählten dar.

193
Und die neuen Bürger ziehen,
194
Von der Götter selgem Chor
195
Eingeführt, mit Harmonien
196
In das gastlich offne Tor,
197
Und das Priesteramt verwaltet
198
Ceres am Altar des Zeus,
199
Segnend ihre Hand gefaltet
200
Spricht sie zu des Volkes Kreis:

201
»freiheit liebt das Tier der Wüste,
202
Frei im Äther herrscht der Gott,
203
Ihrer Brust gewaltge Lüste
204
Zähmet das Naturgebot;
205
Doch der Mensch, in ihrer Mitte,
206
Soll sich an den Menschen reihn,
207
Und allein durch seine Sitte
208
Kann er frei und mächtig sein.«

209
Windet zum Kranze die goldenen Ähren,
210
Flechtet auch blaue Cyanen hinein!
211
Freude soll jedes Auge verklären,
212
Denn die Königin ziehet ein,
213
Die uns die süße Heimat gegeben,
214
Die den Menschen zum Menschen gesellt,
215
Unser Gesang soll sie festlich erheben,
216
Die beglückende Mutter der Welt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Schiller
(17591805)

* 10.11.1759 in Marbach am Neckar, † 09.05.1805 in Weimar

männlich, geb. Schiller

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Dichter, Philosoph und Historiker

(Aus: Wikidata.org)

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