Die Kraniche des Ibykus

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Friedrich Schiller: Die Kraniche des Ibykus (1782)

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Zum Kampf der Wagen und Gesänge,
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Der auf Korinthus' Landesenge
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Der Griechen Stämme froh vereint,
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Zog Ibykus, der Götterfreund.
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Ihm schenkte des Gesanges Gabe,
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Der Lieder süßen Mund Apoll,
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So wandert' er, an leichtem Stabe,
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Aus Rhegium, des Gottes voll.

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Schon winkt auf hohem Bergesrücken
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Akrokorinth des Wandrers Blicken,
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Und in Poseidons Fichtenhain
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Tritt er mit frommem Schauder ein.
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Nichts regt sich um ihn her, nur Schwärme
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Von Kranichen begleiten ihn,
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Die fernhin nach des Südens Wärme
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In graulichtem Geschwader ziehn.

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»seid mir gegrüßt, befreundte Scharen!
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Die mir zur See Begleiter waren,
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Zum guten Zeichen nehm ich euch,
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Mein Los, es ist dem euren gleich.
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Von fernher kommen wir gezogen
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Und flehen um ein wirtlich Dach.
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Sei uns der Gastliche gewogen,
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Der von dem Fremdling wehrt die Schmach!«

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Und munter fördert er die Schritte
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Und sieht sich in des Waldes Mitte,
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Da sperren, auf gedrangem Steg,
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Zwei Mörder plötzlich seinen Weg.
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Zum Kampfe muß er sich bereiten,
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Doch bald ermattet sinkt die Hand,
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Sie hat der Leier zarte Saiten,
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Doch nie des Bogens Kraft gespannt.

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Er ruft die Menschen an, die Götter,
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Sein Flehen dringt zu keinem Retter,
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Wie weit er auch die Stimme schickt,
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Nichts Lebendes wird hier erblickt.
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»so muß ich hier verlassen sterben,
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Auf fremdem Boden, unbeweint,
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Durch böser Buben Hand verderben,
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Wo auch kein Rächer mir erscheint!«

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Und schwer getroffen sinkt er nieder,
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Da rauscht der Kraniche Gefieder,
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Er hört, schon kann er nicht mehr sehn,
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Die nahen Stimmen furchtbar krähn.
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»von euch, ihr Kraniche dort oben!
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Wenn keine andre Stimme spricht,
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Sei meines Mordes Klag erhoben!«
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Er ruft es, und sein Auge bricht.

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Der nackte Leichnam wird gefunden,
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Und bald, obgleich entstellt von Wunden,
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Erkennt der Gastfreund in Korinth
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Die Züge, die ihm teuer sind.
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»und muß ich so dich wiederfinden,
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Und hoffte mit der Fichte Kranz
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Des Sängers Schläfe zu umwinden,
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Bestrahlt von seines Ruhmes Glanz!«

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Und jammernd hörens alle Gäste,
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Versammelt bei Poseidons Feste,
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Ganz Griechenland ergreift der Schmerz,
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Verloren hat ihn jedes Herz.
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Und stürmend drängt sich zum Prytanen
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Das Volk, es fodert seine Wut,
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Zu rächen des Erschlagnen Manen,
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Zu sühnen mit des Mörders Blut.

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Doch wo die Spur, die aus der Menge,
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Der Völker flutendem Gedränge,
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Gelocket von der Spiele Pracht,
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Den schwarzen Täter kenntlich macht?
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Sinds Räuber, die ihn feig erschlagen?
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Tats neidisch ein verborgner Feind?
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Nur Helios vermags zu sagen,
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Der alles Irdische bescheint.

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Er geht vielleicht mit frechem Schritte
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Jetzt eben durch der Griechen Mitte,
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Und während ihn die Rache sucht,
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Genießt er seines Frevels Frucht.
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Auf ihres eignen Tempels Schwelle
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Trotzt er vielleicht den Göttern, mengt
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Sich dreist in jene Menschenwelle,
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Die dort sich zum Theater drängt.

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Denn Bank an Bank gedränget sitzen,
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Es brechen fast der Bühne Stützen,
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Herbeigeströmt von fern und nah,
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Der Griechen Völker wartend da,
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Dumpfbrausend wie des Meeres Wogen;
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Von Menschen wimmelnd, wächst der Bau
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In weiter stets geschweiftem Bogen
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Hinauf bis in des Himmels Blau.

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Wer zählt die Völker, nennt die Namen,
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Die gastlich hier zusammenkamen?
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Von Theseus' Stadt, von Aulis Strand,
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Von Phokis, vom Spartanerland,
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Von Asiens entlegner Küste,
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Von allen Inseln kamen sie
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Und horchen von dem Schaugerüste
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Des

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Der streng und ernst, nach alter Sitte,
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Mit langsam abgemeßnem Schritte,
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Hervortritt aus dem Hintergrund,
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Umwandelnd des Theaters Rund.
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So schreiten keine irdschen Weiber,
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Die zeugete kein sterblich Haus!
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Es steigt das Riesenmaß der Leiber
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Hoch über menschliches hinaus.

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Ein schwarzer Mantel schlägt die Lenden,
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Sie schwingen in entfleischten Händen
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Der Fackel düsterrote Glut,
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In ihren Wangen fließt kein Blut.
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Und wo die Haare lieblich flattern,
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Um Menschenstirnen freundlich wehn,
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Da sieht man Schlangen hier und Nattern
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Die giftgeschwollnen Bäuche blähn.

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Und schauerlich gedreht im Kreise
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Beginnen sie des Hymnus Weise,
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Der durch das Herz zerreißend dringt,
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Die Bande um den Sünder schlingt.
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Besinnungraubend, herzbetörend
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Schallt der Erinnyen Gesang,
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Er schallt, des Hörers Mark verzehrend,
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Und duldet nicht der Leier Klang:

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»wohl dem, der frei von Schuld und Fehle
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Bewahrt die kindlich reine Seele!
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Ihm dürfen wir nicht rächend nahn,
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Er wandelt frei des Lebens Bahn.
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Doch wehe, wehe, wer verstohlen
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Des Mordes schwere Tat vollbracht,
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Wir heften uns an seine Sohlen,
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Das furchtbare Geschlecht der Nacht!

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Und glaubt er fliehend zu entspringen,
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Geflügelt sind wir da, die Schlingen
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Ihm werfend um den flüchtgen Fuß,
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Daß er zu Boden fallen muß.
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So jagen wir ihn, ohn Ermatten,
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Versöhnen kann uns keine Reu,
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Ihn fort und fort bis zu den Schatten,
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Und geben ihn auch dort nicht frei.«

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So singend, tanzen sie den Reigen,
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Und Stille wie des Todes Schweigen
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Liegt überm ganzen Hause schwer,
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Als ob die Gottheit nahe wär.
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Und feierlich, nach alter Sitte
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Umwandelnd des Theaters Rund
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Mit langsam abgemeßnem Schritte,
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Verschwinden sie im Hintergrund.

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Und zwischen Trug und Wahrheit schwebet
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Noch zweifelnd jede Brust und bebet
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Und huldiget der furchtbarn Macht,
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Die richtend im Verborgnen wacht,
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Die unerforschlich, unergründet
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Des Schicksals dunkeln Knäuel flicht,
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Dem tiefen Herzen sich verkündet,
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Doch fliehet vor dem Sonnenlicht.

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Da hört man auf den höchsten Stufen
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Auf einmal eine Stimme rufen:
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»sieh da! Sieh da, Timotheus,
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Die Kraniche des Ibykus!« –
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Und finster plötzlich wird der Himmel,
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Und über dem Theater hin
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Sieht man in schwärzlichtem Gewimmel
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Ein Kranichheer vorüberziehn.

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»des Ibykus!« – Der teure Name
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Rührt jede Brust mit neuem Grame,
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Und, wie im Meere Well auf Well,
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So läufts von Mund zu Munde schnell:
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»des Ibykus, den wir beweinen,
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Den eine Mörderhand erschlug!
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Was ists mit dem? Was kann er meinen?
168
Was ists mit diesem Kranichzug?« –

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Und lauter immer wird die Frage,
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Und ahnend fliegts mit Blitzesschlage
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Durch alle Herzen. »Gebet acht!
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Das ist der Eumeniden Macht!
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Der fromme Dichter wird gerochen,
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Der Mörder bietet selbst sich dar!
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Ergreift ihn, der das Wort gesprochen,
176
Und ihn, an dens gerichtet war.«

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Doch dem war kaum das Wort entfahren,
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Möcht ers im Busen gern bewahren;
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Umsonst, der schreckenbleiche Mund
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Macht schnell die Schuldbewußten kund.
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Man reißt und schleppt sie vor den Richter,
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Die Szene wird zum Tribunal,
183
Und es gestehn die Bösewichter,
184
Getroffen von der Rache Strahl.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Schiller
(17591805)

* 10.11.1759 in Marbach am Neckar, † 09.05.1805 in Weimar

männlich, geb. Schiller

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Dichter, Philosoph und Historiker

(Aus: Wikidata.org)

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