»ritter, treue Schwesterliebe

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Friedrich Schiller: »ritter, treue Schwesterliebe Titel entspricht 1. Vers(1782)

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»ritter, treue Schwesterliebe
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Widmet Euch dies Herz,
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Fodert keine andre Liebe,
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Denn es macht mir Schmerz.
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Ruhig mag ich Euch erscheinen,
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Ruhig gehen sehn.
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Eurer Augen stilles Weinen
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Kann ich nicht verstehn.«

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Und er hörts mit stummem Harme,
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Reißt sich blutend los,
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Preßt sie heftig in die Arme,
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Schwingt sich auf sein Roß,
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Schickt zu seinen Mannen allen
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In dem Lande Schweiz,
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Nach dem Heilgen Grab sie wallen,
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Auf der Brust das Kreuz.

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Große Taten dort geschehen
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Durch der Helden Arm,
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Ihres Helmes Büsche wehen
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In der Feinde Schwarm,
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Und des Toggenburgers Name
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Schreckt den Muselmann,
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Doch das Herz von seinem Grame
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Nicht genesen kann.

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Und ein Jahr hat ers getragen,
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Trägts nicht länger mehr,
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Ruhe kann er nicht erjagen
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Und verläßt das Heer,
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Sieht ein Schiff an Joppes Strande,
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Das die Segel bläht,
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Schiffet heim zum teuren Lande,
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Wo ihr Atem weht.

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Und an ihres Schlosses Pforte
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Klopft der Pilger an,
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Ach! und mit dem Donnerworte
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Wird sie aufgetan:
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»die Ihr suchet, trägt den Schleier,
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Ist des Himmels Braut,
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Gestern war des Tages Feier,
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Der sie Gott getraut.«

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Da verlässet er auf immer
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Seiner Väter Schloß,
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Seine Waffen sieht er nimmer,
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Noch sein treues Roß,
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Von der Toggenburg hernieder
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Steigt er unbekannt,
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Denn es deckt die edeln Glieder
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Härenes Gewand.

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Und erbaut sich eine Hütte
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Jener Gegend nah,
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Wo das Kloster aus der Mitte
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Düstrer Linden sah;
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Harrend von des Morgens Lichte
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Bis zu Abends Schein,
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Stille Hoffnung im Gesichte,
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Saß er da allein.

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Blickte nach dem Kloster drüben,
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Blickte stundenlang
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Nach dem Fenster seiner Lieben,
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Bis das Fenster klang,
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Bis die Liebliche sich zeigte,
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Bis das teure Bild
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Sich ins Tal herunterneigte
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Ruhig, engelmild.

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Und dann legt' er froh sich nieder,
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Schlief getröstet ein,
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Still sich freuend, wenn es wieder
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Morgen würde sein.
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Und so saß er viele Tage,
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Saß viel Jahre lang,
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Harrend ohne Schmerz und Klage,
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Bis das Fenster klang.

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Bis die Liebliche sich zeigte,
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Bis das teure Bild
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Sich ins Tal herunterneigte,
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Ruhig, engelmild.
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Und so saß er, eine Leiche,
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Eines Morgens da,
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Nach dem Fenster noch das bleiche,
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Stille Antlitz sah.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Schiller
(17591805)

* 10.11.1759 in Marbach am Neckar, † 09.05.1805 in Weimar

männlich, geb. Schiller

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Dichter, Philosoph und Historiker

(Aus: Wikidata.org)

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