Der Handschuh

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Friedrich Schiller: Der Handschuh (1782)

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Vor seinem Löwengarten,
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Das Kampfspiel zu erwarten,
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Saß König Franz,
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Und um ihn die Großen der Krone,
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Und rings auf hohem Balkone
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Die Damen in schönem Kranz.

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Und wie er winkt mit dem Finger,
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Auf tut sich der weite Zwinger,
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Und hinein mit bedächtigem Schritt
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Ein Löwe tritt,
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Und sieht sich stumm
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Rings um,
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Mit langem Gähnen,
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Und schüttelt die Mähnen,
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Und streckt die Glieder,
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Und legt sich nieder.

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Und der König winkt wieder,
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Da öffnet sich behend
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Ein zweites Tor,
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Daraus rennt
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Mit wildem Sprunge
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Ein Tiger hervor.
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Wie der den Löwen erschaut,
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Brüllt er laut,
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Schlägt mit dem Schweif
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Einen furchtbaren Reif,
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Und recket die Zunge,
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Und im Kreise scheu
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Umgeht er den Leu
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Grimmig schnurrend;
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Drauf streckt er sich murrend
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Zur Seite nieder.
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Und der König winkt wieder,
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Da speit das doppelt geöffnete Haus
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Zwei Leoparden auf einmal aus,
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Die stürzen mit mutiger Kampfbegier
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Auf das Tigertier,
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Das packt sie mit seinen grimmigen Tatzen,
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Und der Leu mit Gebrüll
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Richtet sich auf, da wirds still,
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Und herum im Kreis,
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Von Mordsucht heiß,
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Lagern die greulichen Katzen.

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Da fällt von des Altans Rand
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Ein Handschuh von schöner Hand
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Zwischen den Tiger und den Leun
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Mitten hinein.

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Und zu Ritter Delorges spottenderweis
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Wendet sich Fräulein Kunigund:
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»herr Ritter, ist Eure Lieb so heiß,
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Wie Ihr mirs schwört zu jeder Stund,
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Ei, so hebt mir den Handschuh auf.«

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Und der Ritter in schnellem Lauf
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Steigt hinab in den furchtbarn Zwinger
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Mit festem Schritte,
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Und aus der Ungeheuer Mitte
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Nimmt er den Handschuh mit keckem Finger.

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Und mit Erstaunen und mit Grauen
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Sehens die Ritter und Edelfrauen,
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Und gelassen bringt er den Handschuh zurück.
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Da schallt ihm sein Lob aus jedem Munde,
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Aber mit zärtlichem Liebesblick –
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Er verheißt ihm sein nahes Glück –
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Empfängt ihn Fräulein Kunigunde.
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Und er wirft ihr den Handschuh ins Gesicht:
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»den Dank, Dame, begehr ich nicht«,
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Und verläßt sie zur selben Stunde.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Schiller
(17591805)

* 10.11.1759 in Marbach am Neckar, † 09.05.1805 in Weimar

männlich, geb. Schiller

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Dichter, Philosoph und Historiker

(Aus: Wikidata.org)

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