Sieh in dem zarten Kind zwei liebliche Blumen vereinigt

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Friedrich Schiller: Sieh in dem zarten Kind zwei liebliche Blumen vereinigt Titel entspricht 1. Vers(1782)

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Sieh in dem zarten Kind zwei liebliche Blumen vereinigt,
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Jungfrau und Jüngling, sie deckt beide die Knospe noch zu.
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Leise löst sich das Band, es entzweien sich zart die Naturen,
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Und von der holden Scham trennet sich feurig die Kraft.
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Gönne dem Knaben zu spielen, in wilder Begierde zu toben:
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Nur die gesättigte Kraft kehret zur Anmut zurück.
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Aus der Knospe beginnt die doppelte Blume zu streben,
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Köstlich ist jede, doch stillt keine dein sehnendes Herz.
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Reizende Fülle schwellt der Jungfrau blühende Glieder,
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Aber der Stolz bewacht streng wie der Gürtel den Reiz.
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Scheu wie das zitternde Reh, das ihr Horn durch die Wälder verfolget,
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Flieht sie im Mann nur den Feind, hasset noch, weil sie nicht liebt.
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Trotzig schauet und kühn aus finstern Wimpern der Jüngling,
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Und, gehärtet zum Kampf, spannet die Sehne sich an.
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Fern in der Speere Gewühl und auf die stäubende Rennbahn
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Ruft ihn der lockende Ruhm, reißt ihn der brausende Mut.
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Jetzt beschütze dein Werk, Natur! Auseinander auf immer
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Fliehet, wenn du nicht vereinst, feindlich, was ewig sich sucht.
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Aber da bist du, du Mächtige, schon, aus dem wildesten Streite
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Rufst du der Harmonie göttlichen Frieden hervor.
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Tief verstummet die lärmende Jagd, des rauschenden Tages
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Tosen verhallet, und leis sinken die Sterne herab.
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Seufzend flüstert das Rohr, sanft murmelnd gleiten die Bäche,
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Und mit melodischem Lied füllt Philomela den Hain.
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Was erreget zu Seufzern der Jungfrau steigenden Busen?
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Jüngling, was füllet den Blick schwellend mit Tränen dir an?
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Ach, sie suchet umsonst, was sie sanft anschmiegend umfasse,
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Und die schwellende Frucht beuget zur Erde die Last.
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Ruhelos strebend verzehrt sich in eigenen Flammen der Jüngling,
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Ach, der brennenden Glut wehet kein lindernder Hauch.
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Siehe, da finden sie sich, es führet sie Amor zusammen,
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Und dem geflügelten Gott folgt der geflügelte Sieg.
33
Göttliche Liebe, du bists, die der Menschheit Blumen vereinigt,
34
Ewig getrennt, sind sie doch ewig verbunden durch dich.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Schiller
(17591805)

* 10.11.1759 in Marbach am Neckar, † 09.05.1805 in Weimar

männlich, geb. Schiller

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Dichter, Philosoph und Historiker

(Aus: Wikidata.org)

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