Ehren-Gedächtnüß Hn. G. A. Käis. H. u. W. der St. B. den 11. Aug. 1675.

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Heinrich Mühlpfort: Ehren-Gedächtnüß Hn. G. A. Käis. H. u. W. der St. B. den 11. Aug. 1675. (1686)

1
Nun hastu wahre Ruh' und Freyheit dir erstritten/
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Du gehst den Siegern gleich ins Schloß der Freuden
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Nun kan kein eintzig Feind dir mehr die Stirne bieten/
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Weil Sünde/ Welt und Tod gantz ausgetilget seyn.
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Er mag ins Capitol ein Römer Lorbern tragen/
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Wenn dich die göldne Kron der Ewigkeiten ziert.
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Wir hören umb dein Grab den Nachruhm dieses sagen/
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Daß/
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Wie stimm’ ich dieses an? die schüchteren Camenen
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(bührt.
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Und Phöbus Lauten-Spiel stehn bey Soldaten nicht.
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Hier must dir Mavors selbst ein Donner-Lied erthönen/
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Das durch die Lüffte saust und durch die Ohren bricht.
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Mich dünckt ich seh auch schon/ wie sich Bellona mühet/
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Den letzten Ehren-Dienst mit ihrer Pracht zu thun.
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Wie sich ein blanckes Schwerd/ das noch gefärbet sihet/
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Als Bild der Tapfferkeit heist auff der Bahre ruhn.
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Kein Blumwerck gilt hier nicht. Der Hagel von Musqueten/
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Der Fahnen rother Flug/ der Trummeln rauher Klang/
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Der Spieß- und Degen-Schall/ das Blitzen von Falckneten
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Singt dir/
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Und die Kleinodien/ so deine Leiche schmücken/
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Sind Wunden/ die du jetzt als Purpur-Binden trägst.
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Der Himmel konte dich nicht herrlicher beglücken/
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Als daß du Ehren-satt dich so zur Ruhe legst.
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Du tapfferer Soldat/ der in den ersten Jahren
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Sich bald ins Feld gemacht/ und Rauch und Dampff gesehn/
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Viel Ungemach erduldt/ viel Ungelück erfahren/
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Verlacht Hitz oder Kält/ und scharffer Winde wehn/
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Bist von der Picken an zum Hauptmanns-Stab gestiegen:
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Ach wie viel beissen nicht/ eh’ diß geschicht/ in Sand!
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Und deine Tapfferkeit in den so vielen Zügen
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Hat zwar der Freund gerühmt/ noch mehr der Feind erkant.
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Es preiset Freyberg noch den Löwen-Muth bey Stürmen/
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Wie dein bewährter Arm so manchen hat gestürtzt/
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Wie deine Wachsamkeit bey schon erstiegnen Thürmen
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Dem eingefallnem Volck den fernern Weg verkürtzt.
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Brieg siht dich noch behertzt aus seinen Mauren setzen/
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Und wie dein blasser Arm so unermüdet schlacht/
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Ja springt die Mine gleich/ sie kan dich nicht verletzen/
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Weil GOttes Güttigkeit auch über Helden wacht.
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Du Edler Krieges-Mann/ der keinen Feind gescheuet/
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Dem Fechten nur ein Spiel und ein Ergetzen hieß:
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Es ist mehr als bekant/ wie sich dein Hertz erfreuet
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Wenns an ein Treffen gieng/ und man zu Felde bließ.
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Wer zweymal zwantzig Jahr/ so als wie du gedienet/
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Und für des Käisers Heil die Waffen hat geführt/
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Ist sicher daß sein Ruhm in den Geschichten grünet
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Und ihn die Nachwelt selbst mit Sieges-Lorbern ziert.
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Wie schwer der Krieg auch ist/ so lohnet doch den Mühen
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Nach ausgestandnem Kampff ein unvergänglich Ruhm.
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Diß ist der Purpur-Rock/ den Helden bloß anziehen/
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Und hoher Geister nur ihr rechtes Eigenthum.
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Achilles lebt bey uns/ man rühmet Hectors Thaten/
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Und Alexanders Ruhm ist noch die Welt zu klein.
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Ja Cäsars tapffer Arm/ und kluger Witz im Rathen
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Macht/ daß er kont zu Rom der erste Käiser seyn.
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Und diese sind mit Recht Schutz Götter auch zu nennen/
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So für das Vaterland aufsetzen Muth und Blut.
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Es muß die Policey sich Schuldnerin erkennen/
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Erhaltne Freyheit bleibt doch nur das höchste Gut.
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Nun/ Werthster
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Wird gleichfalls auff der Welt in vieler Hertzen blühn.
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Brieg wil aus Liebes-Pflicht dir Leid-Cypressen schencken/
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Und über deinen Tod den Klage-Rock anziehn.
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Denn als des Fürsten Huld zum Hauptmann dich erkohren
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So wünscht es unter dir in Ruh geschützt zu seyn:
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Und diese Hoffnung hat die Folge nicht verlohren/
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Jhr Wünschen traff zugleich mit deinen Wercken ein.
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Biß Breßlau dich zuletzt in ihre Mutter Gräntzen
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Zurücke wieder rufft und deine Dienst erkennt/
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Ja den erworbnen Ruhm noch weiter zu bekräntzen/
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Dich zur gemeiner Stadt Wachtmeister hat ernennt.
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Du hast auch diesem Ampt gewehrsam dich gezeiget.
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Doch weil des Mondens Licht nur/ was vergänglich/ schaut/
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Der Anfang jederzeit zu seinem Ende steiget/
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Und ihm der arme Mensch nichts Ewiges hier baut;
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So hat/ da dich kein Bley/ kein Pulver können fällen/
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Die Glieder-Henckerin die Gicht noch hingericht.
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Die konte durch ihr Weh das Leben so vergällen/
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Daß keine Folter-Banck gleicht diesen Martern nicht.
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Erbarmens ist es werth. Der Mensch/ der alles zwinget/
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Dem Erde/ See und Lufft muß zu Gebothe stehn/
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Wird/ thun es Feinde nicht/ von Kranckheit doch umbringet/
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Und muß in einem Nun zu seinem Grabe gehn.
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Wiewol dein Helden-Muth der hatte sich verbunden/
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Mit wahrer Glaubens-Art.
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Daß diese/ so GOtt liebt/ nie ohne Streich und Wunden/
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Daß unser Lebens-Ziel steht in des HErren Hand.
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Der dich aus Mutter-Leib so wunderbar geführet/
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Würd auff der letzten Fahrt auch dein Begleiter seyn.
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Wol! Du hast seine Treu im Ende noch gespüret/
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Und schläffst in Fried und Ruh mit deinen Vätern ein.
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Du/ Seel' ger Hauptmann/ Du hast ritterlich gerungen/
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Und manchen tapffern Streich auff deinen Feind vollführt/
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Jetzt bistu durch den Tod zum Leben eingedrungen/
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Und trägst den Sieges-Krantz/ der doppelt dir gebührt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Heinrich Mühlpfort
(16391681)

* 10.07.1639 in Breslau, † 01.07.1681 in Breslau

männlich, geb. Mühlpfort

deutscher und lateinischer Dichter des Barock

(Aus: Wikidata.org)

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