1
Jst diß der letzte Schmuck/ du wertheste der Frauen/
2
Der deinen kalten Leib nunmehr bekleiden soll?
4
Gefällt ein Leinen Tuch für andern dir so wol?
5
Und wünscht du eintzig nur diß Kleid bald anzulegen/
6
Hingegen Fleisch und Blut die Hülle wegzuthun?
7
So sag ich diese Tracht bringt dir mehr Nutz zu wegen/
8
Als wenn du sonst auf Sammt und Purpur würdest ruhn.
9
Diß ist nicht ungemein daß bey verstrichnen Zeiten
10
Sich schon die alte Welt zum Sterben hat geschickt/
11
Daß sie ihr Grufft und Sarg ließ herrlich zubereiten/
12
Ja hat gleich einer Braut zur Heimfarth sich geschmückt.
13
Die/ so gemeines Heil mit Sorgen unterstützet/
14
Verlangten in dem Rock der Ehren zu vergehn.
15
Die/ so ihr Helden-Blut fürs Vaterland verspritzet/
16
Begehrten in der Pracht der Helden gleich zu stehn.
17
Und Männer nicht allein hat dieser Wahn besessen/
18
Daß Zier und Herrligkeit den Tod versüssen kan/
19
Nein! kluger Frauen-Witz hat gleiches Ziel ermessen/
20
Und legt die Sterbenden mit schönen Kleidern an.
21
So lieff Olympias den Feinden in die Hände/
22
Alceste gieng geschmückt auß Lieb und Treu in Tod.
23
Man weiß Cleopatrens ihr wurder-prächtig Ende/
24
Wenn sie die Schlangen fühlt/ doch nicht der Römer Noth.
25
Allein ein falscher Traum von thörichten Gedancken
26
Hat nur ein Sterbe-Kleid dem blinden Volck gewebt/
27
Als daß niemals erkand der Eitelkeiten Schrancken/
28
Und an der Erden nur mit Hertz und Sinn geklebt.
29
Ach so ein Laster-Rock/ er sey von edlen Steinen
30
Als Sternen angefüllt/ von Gold und Silber schwer/
31
Wird für dem Richter-Stuhl deß Höchsten gar nicht scheinen
32
Wenn die entblöste Seel von aller Tugend leer
33
Was Indien gewürckt/ was Persien gesponnen;
34
Und was das Morgen-Land von seidnen Schätzen weist/
35
Dient zwar zu Schmuck und Pracht den edlen Schöuheits-Sonnen
36
Doch weil der Faden eh’ als noch ihr Leben reist.
37
Sind es der Nichtigkeit gespannte Spinne-Weben/
38
Darinn der Menschen Hertz sich leicht verwickeln kan/
39
Daß wenn oft Perl und Gold von aussen ziert das Leben
40
Ein Sünden-volles Mahl brennt das Gewissen an.
42
Das nie die Uppigkeit und Hoffart hat erdacht/
43
Dazu die Tugend selbst geliefert reine Seide/
44
Hast du den kurtzen Lauff der Jahre hingebracht.
45
Dein Himmel-blauer Schmuck war Gottesfurcht im Hertzen/
46
Dein kostbar Silber-Stück ein unbefleckter Sinn/
47
Dein grünes Sommer-Kleid ein unverfälschtes Schertzen/
48
Und deine Redligkeit warff Farb und Schmincke hin.
50
Apollens klugem Sohn deß Vaterlandes Zier/
51
Dem Kunst und Wissenschafft ein ewig Denckmahl bauet/
52
Und dem die Nachwelt trägt deß Ruhmes Lorbern für.
53
Da schien dein Hochzeit-Kleid vom Himmel zubereitet.
54
Als nach verfloßnem Jahr dich Boy und Schleyr verhüllt/
55
Und dein verwittibt Haupt mit Aschen ist bespreitet/
56
In dem der theure Mann die Schoß der Erden füllt.
58
Und gleichet den Verlust mit neuem Segen aus.
59
Du sollst zum andern mal in Breßlau Hochzeit machen/
60
Herr Pohl gibt dir sein Hertz und Breßlau Hof und Hauß.
61
Jhr sehet euren Tisch gleich einem Weinstock grünen/
62
Und Blumen euer Eh in schönem Wachsthum stehn.
63
Da deine Häußligkeit ist embsig wie die Bienen/
64
Und weiß mit Rath und That der Nahrung nach zugehn.
65
Es kan des Mannes Hertz in allem sich verlassen/
66
Und dein vernünfftig Thun bringt reichen Nutzen ein.
67
Du/ als Abigail weist so den Schluß zu fassen/
68
Daß Seegen und Gelück euch stets Gefehrten seyn.
69
Ach aber/ daß doch nichts beständiges auf Erden
70
Daß Liebes-Rosen nur bey Dorn und Stacheln blühn!
72
Dich einen Marter-Rock fürs Freuden-Kleid anziehn?
73
Der siechen Tage Zahl/ deß Leibes stete Schmertzen/
74
So zwar die Hurtigkeit des Geistes nie gefällt/
75
Erklärten was die Welt/ und ihr vergänglich Schertzen/
76
Und wie sie Noth und Tod in ihrem Busen hält.
77
Wie Schönheit als ein Kleid muß schliessen und veralten/
78
Der Jugend frische Krafft als glattes Eiß zerbricht.
79
Der Adern fenrig Brunn im Tode müß’ erkalten/
80
Und für den letzten Stoß hilfft auch die Tugend nicht.
82
Jhr prächtig Schatten-Werck verächtlich angeschaut.
83
Weil ihre Herrligkeit ein solcher Regenbogen/
84
Den nur ein Gegenstrahl vons Glückes Sonn erbaut.
85
Auch denen/ so sich hoch in ihre Pracht verliebet/
86
Abgötter ihrer Zier sich jederzeit genennt.
87
Sieht man/ was sie zuletzt für schlechte Lohnung giebet/
88
Wenn es ans Scheiden kommt und Leib und Seel sich trennt.
89
Nackt treten wir hervor/ nackt müssen wir von hinnen/
90
Man nimmt ja weder Kron noch Zepter in das
91
Witz/ Weißheit und Verstand/ so uns sonst leiten können/
92
Sind bey der letzten Reiß ein schlechter Wander-Stab.
93
Du/ werthste Seelige/ hast JEsum dir erwehlet
94
Der auch im Finsternüß kan Weg und Leuchte seyn/
95
Mit diesem hast du dich in Ewigkeit vermählet
96
Er ruffte dich als Braut in seine Wohnung ein.
97
Drauf kontest du getrost dein Sterbe-Hembde küssen/
98
Dein allerliebstes Kleid mit Freuden legen an/
99
Und sahest Glaubens voll den Himmel den aufschliessen
100
Der für das Heil der Welt längst hat genug gethan.
102
Ich lob es/ daß sich frey der Augen-Brunn ergeust.
103
Gemüthern/ was sie groß geschätzt und hoch begehren/
104
Ist Weinen eine Lust/ wie starck der Strom auch fleust.
105
Die Schmertzen können sich in solcher Fluth verlauffen/
106
Biß Gottes Hand zuletzt die Augen wieder wischt/
107
Und wenn der krancke Geist in Trübsal will ersauffen/
108
Jhn seine Güttigkeit mit Krafft und Trost erfrischt.
109
Derselbe richt’ ihn auf und heile seine Wunden/
110
Daß dieser Seelen-Riß noch zu ertragen sey!
111
Denn wenn bey Menschen Rach und Rettung ist verschwunden/
112
Trägt seiner Allmacht Krafft die beste Hülffe bey.