Trauer-Ode/ Auf Hn. A. O. jüngsten Söhnlein A. Leich- begängnus/ den 9. Junii 1675.

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Heinrich Mühlpfort: Trauer-Ode/ Auf Hn. A. O. jüngsten Söhnlein A. Leich- begängnus/ den 9. Junii 1675. (1686)

1
Es laufft der Natur zuwieder
2
Ja/
3
Wenn wir unsrer Kinder Glieder
4
Mit der Erden decken zu:
5
Wenn gleich einem Regen-Bogen
6
Unser Hoffen muß vergehn/
7
Und die Lust so man gepflogen
8
Wir sehn auf der Bahre stehn.

9
Daß sie uns die Augen schliessen
10
Ist der wünschte Ziel und Zweck.
11
Wenn hingegen wir sie müssen
12
Auß den Augen tragen weg/
13
Scheint es der Vernunfft zwar bitter/
14
Und dem Hertzen schwer zu seyn/
15
Daß deß Todes Ungewitter
16
Reist Gesetz und Ordnung ein.

17
Aber wie auff gleich Gewichte
18
Tod und Leben ist gelegt/
19
Und das Göttliche Gerichte
20
Nicht zu unterscheiden pflegt/
21
Ob es an begrauten Haaren
22
Seinenletzten Schluß vollzieht?
23
Oder die wirfft auff die Bahren
24
So in ihrer ersten Blüth?

25
Also müssen wir auch dencken/
26
Daß beym Eintrit in die Welt/
27
Ab- und Hinzug uns umbschrencken
28
Und der Tod gefangen helt.
29
Es sind bald die Windel-Binden/
30
Fessel unsrer Sterbligkeit/
31
Und der Vorrath den wir finden/
32
Ist gehäufftes Hertzeleid.

33
Thränen sind die ersten Wahren
34
Und der letzte Sterbens-Zoll/
35
Kummer wächset mit den Jahren/
36
Elend macht das Leben voll.
37
So daß man muß Beyfall geben/
38
Was der Weisen Mund gelehrt/
39
Daß es besser gar nicht leben
40
Oder daß es bald auffhört.

41
Denn die Freuden so wir haben/
42
Sind nur ein Sardinisch Graß/
43
Und deß Glückes Gut und
44
Noch gebrechlicher als
45
Auch der
46
Ist ein falscher Jrrwisch-Schein/
47
Der die Sinnen wird bethören
48
Und in Laster sencken ein.

49
Zwar
50
Söhne bauen das
51
Lassen uns viel Ruhm geniessen/
52
Treten in der Eltern Recht/
53
Sind nach häuffigem Bemühen
54
Unsers müden Alters Stab/
55
Heissen Ruhm und Namen blühen
56
Wenn wir faulen in dem

57
Diß sind irrdische
58
Die auff keinen
59
Hoffnung/ so gar leicht kan wancken
60
Die man offt verlassen schaut.
61
Aber wenn sie auß ber Wiegen
62
Gott in seine Armen nimmt/
63
Welch ein seeliges Vergnügen
64
Ist den Eltern da bestimmt!

65
Niemand kan den
66
Wenn der Himmel blitzt und kracht/
67
Daß er Blumen/ die recht selten/
68
Vor den andern nimmt in acht.
69
Sollen wir nicht GOttes Gnaden
70
Und grundlose Gütigkeit
71
Rühmen/ wenn vor Qual und Schaden
72
Seine Hand uns früh’ befreyt?

73
Eltern ihr dürfft euch nicht kümmern
74
Weiter für sein Wohlergehn/
75
Wril nun in deß Himmels-Zimmern
76
Engel ihm zur Seiten stehn/
77
Auß der Wiegen in die Erden
78
Hat er früh’ den Lauff vollbracht/
79
Und soll einst verkläret werden
80
In der schönsten Sternen-Pracht.

81
Last die Thränen minder fliessen/
82
Nennt den Tod ja nicht Verlust/
83
Weil er jetzund kan geniessen/
84
Statt der süssen Mutter-Brust/
85
Jsraels beliebte Quellen/
86
Die sein höchstes Labsall seyn/
87
Die sein Unschulds-Kleid erhellen/
88
Daß es wie die Lilgen rein.

89
Gleich wie nur auß schlechter Erden
90
Unser Anherr war erbaut/
91
Und durch Sünde muste werden
92
Wieder ihrer Schoß vertraut:
93
So soll auch/ was Mensch ist/ sterben/
94
Doch nicht ewig untergehn;
95
Denn es wird mit Christo erben
96
Und lebendig aufferstehn.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Heinrich Mühlpfort
(16391681)

* 10.07.1639 in Breslau, † 01.07.1681 in Breslau

männlich, geb. Mühlpfort

deutscher und lateinischer Dichter des Barock

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.