Auf einen Pferdemarkt – vielleicht zu Haymarket

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Friedrich Schiller: Auf einen Pferdemarkt – vielleicht zu Haymarket Titel entspricht 1. Vers(1782)

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Auf einen Pferdemarkt – vielleicht zu Haymarket,
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Wo andre Dinge noch in Ware sich verwandeln,
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Bracht einst ein hungriger Poet
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Der Musen Roß, es zu verhandeln.

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Hell wieherte der Hippogryph
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Und bäumte sich in prächtiger Parade;
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Erstaunt blieb jeder stehn und rief:
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»das edle, königliche Tier! Nur schade,
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Daß seinen schlanken Wuchs ein häßlich Flügelpaar
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Entstellt! Den schönsten Postzug würd es zieren.
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Die Rasse, sagen sie, sei rar,
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Doch wer wird durch die Luft kutschieren?

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Und keiner will sein Geld verlieren.«
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Ein Pachter endlich faßte Mut.
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»die Flügel zwar«, spricht er, »die schaffen keinen Nutzen,
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Doch die kann man ja binden oder stutzen,
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Dann ist das Pferd zum Ziehen immer gut.
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Ein zwanzig Pfund, die will ich wohl dran wagen.«
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Der Täuscher, hochvergnügt, die Ware loszuschlagen,
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Schlägt hurtig ein. »Ein Mann, ein Wort!«
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Und Hans trabt frisch mit seiner Beute fort.

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Das edle Tier wird eingespannt.
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Doch fühlt es kaum die ungewohnte Bürde,
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So rennt es fort mit wilder Flugbegierde
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Und wirft, von edelm Grimm entbrannt,
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Den Karren um an eines Abgrunds Rand.
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»schon gut«, denkt Hans. »Allein darf ich dem tollen Tiere
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Kein Fuhrwerk mehr vertraun. Erfahrung macht schon klug.
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Doch morgen fahr ich Passagiere,
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Da stell ich es als Vorspann in den Zug.
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Die muntre Krabbe soll zwei Pferde mir ersparen,
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Der Koller gibt sich mit den Jahren.«

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Der Anfang ging ganz gut. Das leichtbeschwingte Pferd
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Belebt der Klepper Schritt, und pfeilschnell fliegt der Wagen.
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Doch was geschieht? Den Blick den Wolken zugekehrt,
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Und ungewohnt, den Grund mit festem Huf zu schlagen,
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Verläßt es bald der Räder sichre Spur,
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Und treu der stärkeren Natur,
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Durchrennt es Sumpf und Moor, geackert Feld und Hecken;
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Der gleiche Taumel faßt das ganze Postgespann,
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Kein Rufen hilft, kein Zügel hält es an,
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Bis endlich, zu der Wandrer Schrecken,
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Der Wagen, wohlgerüttelt und zerschellt,
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Auf eines Berges steilem Gipfel hält.

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»das geht nicht zu mit rechten Dingen«,
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Spricht Hans mit sehr bedenklichem Gesicht.
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»so wird es nimmermehr gelingen;
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Laß sehn, ob wir den Tollwurm nicht
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Durch magre Kost und Arbeit zwingen.«
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Die Probe wird gemacht. Bald ist das schöne Tier,
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Eh noch drei Tage hingeschwunden,
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Zum Schatten abgezehrt. »Ich habs, ich habs gefunden!«
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Ruft Hans. »Jetzt frisch, und spannt es mir
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Gleich vor den Pflug mit meinem stärksten Stier.«

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Gesagt, getan. In lächerlichem Zuge
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Erblickt man Ochs und Flügelpferd am Pfluge.
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Unwillig steigt der Greif und strengt die letzte Macht
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Der Sehnen an, den alten Flug zu nehmen.
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Umsonst, der Nachbar schreitet mit Bedacht,
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Und Phöbus' stolzes Roß muß sich dem Stier bequemen,
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Bis nun, vom langen Widerstand verzehrt,
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Die Kraft aus allen Gliedern schwindet,
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Von Gram gebeugt das edle Götterpferd
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Zu Boden stürzt und sich im Staube windet.

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»verwünschtes Tier!« bricht endlich Hansens Grimm
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Laut scheltend aus, indem die Hiebe flogen.
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»so bist du denn zum Ackern selbst zu schlimm?
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Mich hat ein Schelm mit dir betrogen.«

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Indem er noch in seines Zornes Wut
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Die Peitsche schwingt, kommt flink und wohlgemut
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Ein lustiger Gesell die Straße hergezogen.
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Die Zither klingt in seiner leichten Hand,
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Und durch den blonden Schmuck der Haare
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Schlingt zierlich sich ein goldnes Band.
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»wohin, Freund, mit dem wunderlichen Paare?«
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Ruft er den Baur von weitem an.
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»der Vogel und der Ochs an
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Ich bitte dich, welch ein Gespann!
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Willst du auf eine kleine Weile
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Dein Pferd zur Probe mir vertraun,
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Gib acht, du sollst dein Wunder schaun!«

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Der Hippogryph wird ausgespannt,
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Und lächelnd schwingt sich ihm der Jüngling auf den Rücken.
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Kaum fühlt das Tier des Meisters sichre Hand,
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So knirscht es in des Zügels Band
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Und steigt, und Blitze sprühn aus den beseelten Blicken,
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Nicht mehr das vorge Wesen, königlich,
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Ein Geist, ein Gott, erhebt es sich,
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Entrollt mit einemmal in Sturmes Wehen
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Der Schwingen Pracht, schießt brausend himmelan,
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Und eh der Blick ihm folgen kann,
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Entschwebt es zu den blauen Höhen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Schiller
(17591805)

* 10.11.1759 in Marbach am Neckar, † 09.05.1805 in Weimar

männlich, geb. Schiller

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Dichter, Philosoph und Historiker

(Aus: Wikidata.org)

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