Ein Regenstrom aus Felsenrissen

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Friedrich Schiller: Ein Regenstrom aus Felsenrissen Titel entspricht 1. Vers(1782)

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Ein Regenstrom aus Felsenrissen,
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Er kommt mit Donners Ungestüm,
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Bergtrümmer folgen seinen Güssen,
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Und Eichen stürzen unter ihm;
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Erstaunt, mit wollustvollem Grausen,
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Hört ihn der Wanderer und lauscht,
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Er hört die Flut vom Felsen brausen,
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Doch weiß er nicht, woher sie rauscht:
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So strömen des Gesanges Wellen
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Hervor aus nie entdeckten Quellen.

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Verbündet mit den furchtbarn Wesen,
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Die still des Lebens Faden drehn,
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Wer kann des Sängers Zauber lösen,
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Wer seinen Tönen widerstehn?
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Wie mit dem Stab des Götterboten
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Beherrscht er das bewegte Herz,
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Er taucht es in das Reich der Toten,
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Er hebt es staunend himmelwärts
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Und wiegt es zwischen Ernst und Spiele
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Auf schwanker Leiter der Gefühle.

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Wie wenn auf einmal in die Kreise
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Der Freude, mit Gigantenschritt,
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Geheimnisvoll nach Geisterweise
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Ein ungeheures Schicksal tritt.
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Da beugt sich jede Erdengröße
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Dem Fremdling aus der andern Welt,
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Des Jubels nichtiges Getöse
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Verstummt, und jede Larve fällt,
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Und vor der Wahrheit mächtgem Siege
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Verschwindet jedes Werk der Lüge.

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So rafft von jeder eiteln Bürde,
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Wenn des Gesanges Ruf erschallt,
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Der Mensch sich auf zur Geisterwürde
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Und tritt in heilige Gewalt;
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Den hohen Göttern ist er eigen,
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Ihm darf nichts Irdisches sich nahn,
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Und jede andre Macht muß schweigen,
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Und kein Verhängnis fällt ihn an,
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Es schwinden jedes Kummers Falten,
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Solang des Liedes Zauber walten.

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Und wie nach hoffnungslosem Sehnen,
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Nach langer Trennung bitterm Schmerz,
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Ein Kind mit heißen Reuetränen
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Sich stürzt an seiner Mutter Herz,
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So führt zu seiner Jugend Hütten,
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Zu seiner Unschuld reinem Glück,
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Vom fernen Ausland fremder Sitten
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Den Flüchtling der Gesang zurück,
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In der Natur getreuen Armen
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Von kalten Regeln zu erwarmen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Schiller
(17591805)

* 10.11.1759 in Marbach am Neckar, † 09.05.1805 in Weimar

männlich, geb. Schiller

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Dichter, Philosoph und Historiker

(Aus: Wikidata.org)

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