Der Satz, durch welchen alles Ding

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Friedrich Schiller: Der Satz, durch welchen alles Ding Titel entspricht 1. Vers(1782)

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Der Satz, durch welchen alles Ding
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Bestand und Form empfangen,
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Der Kloben, woran Zeus den Ring
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Der Welt, die sonst in Scherben ging,
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Vorsichtig aufgehangen,
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Den nenn ich einen großen Geist,
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Der mir ergründet, wie er heißt,
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Wenn
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Er heißt: Zehn ist nicht Zwölfe.

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Der Schnee macht kalt, das Feuer brennt,
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Der Mensch geht auf zwei Füßen,
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Die Sonne scheint am Firmament,
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Das kann, wer auch nicht Logik kennt,
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Durch seine Sinne wissen.
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Doch wer Metaphysik studiert,
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Der weiß, daß, wer verbrennt, nicht friert,
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Weiß, daß das Nasse feuchtet
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Und daß das Helle leuchtet.

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Homerus singt sein Hochgedicht,
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Der Held besteht Gefahren,
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Der brave Mann tut seine Pflicht
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Und tat sie, ich verhehl es nicht,
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Eh noch Weltweise waren;
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Doch hat Genie und Herz vollbracht,
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Was
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Sogleich wird auch von diesen
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Die Möglichkeit bewiesen.

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Im Leben gilt der Stärke Recht,
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Dem Schwachen trotzt der Kühne,
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Wer nicht gebieten kann, ist Knecht,
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Sonst geht es ganz erträglich schlecht
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Auf dieser Erdenbühne.
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Doch wie es wäre, fing der Plan
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Der Welt nur erst von vornen an,
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Ist in Moralsystemen
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Ausführlich zu vernehmen.

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»der Mensch bedarf des Menschen sehr
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Zu seinem großen Ziele,
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Nur in dem Ganzen wirket er,
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Viel Tropfen geben erst das Meer,
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Viel Wasser treibt die Mühle.
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Drum flieht der wilden Wölfe Stand
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Und knüpft des Staates daurend Band.«
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So lehren vom Katheder
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Herr Pufendorf und Feder.

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Doch weil, was ein Professor spricht,
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Nicht gleich zu allen dringet,
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So übt Natur die Mutterpflicht
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Und sorgt, daß nie die Kette bricht
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Und daß der Reif nie springet.
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Einstweilen, bis den Bau der Welt
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Philosophie zusammenhält,
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Erhält sie das Getriebe
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Durch Hunger und durch Liebe.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Schiller
(17591805)

* 10.11.1759 in Marbach am Neckar, † 09.05.1805 in Weimar

männlich, geb. Schiller

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Dichter, Philosoph und Historiker

(Aus: Wikidata.org)

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