Sei mir gegrüßt, mein Berg mit dem rötlich strahlenden Gipfel!

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Friedrich Schiller: Sei mir gegrüßt, mein Berg mit dem rötlich strahlenden Gipfel! Titel entspricht 1. Vers(1782)

1
Sei mir gegrüßt, mein Berg mit dem rötlich strahlenden Gipfel!
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Sei mir, Sonne, gegrüßt, die ihn so lieblich bescheint!
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Dich auch grüß ich, belebte Flur, euch, säuselnde Linden,
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Und den fröhlichen Chor, der auf den Ästen sich wiegt,
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Ruhige Bläue, dich auch, die unermeßlich sich ausgießt
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Um das braune Gebirg, über den grünenden Wald,
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Auch um mich, der endlich entflohn des Zimmers Gefängnis
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Und dem engen Gespräch freudig sich rettet zu dir.
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Deiner Lüfte balsamischer Strom durchrinnt mich erquickend,
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Und den durstigen Blick labt das energische Licht.
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Kräftig auf blühender Au erglänzen die wechselnden Farben,
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Aber der reizende Streit löset in Anmut sich auf.
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Frei empfängt mich die Wiese mit weithin verbreitetem Teppich,
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Durch ihr freundliches Grün schlingt sich der ländliche Pfad,
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Um mich summt die geschäftige Bien, mit zweifelndem Flügel
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Wiegt der Schmetterling sich über dem rötlichen Klee.
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Glühend trifft mich der Sonne Pfeil, still liegen die Weste,
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Nur der Lerche Gesang wirbelt in heiterer Luft.
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Doch jetzt brausts aus dem nahen Gebüsch, tief neigen der Erlen
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Kronen sich, und im Wind wogt das versilberte Gras.
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Mich umfängt ambrosische Nacht; in duftende Kühlung
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Nimmt ein prächtiges Dach schattender Buchen mich ein,
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In des Waldes Geheimnis entflieht mir auf einmal die Landschaft,
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Und ein schlängelnder Pfad leitet mich steigend empor.
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Nur verstohlen durchdringt der Zweige laubigtes Gitter
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Sparsames Licht, und es blickt lachend das Blaue herein.
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Aber plötzlich zerreißt der Flor. Der geöffnete Wald gibt
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Überraschend des Tags blendendem Glanz mich zurück.
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Unabsehbar ergießt sich vor meinen Blicken die Ferne,
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Und ein blaues Gebirg endigt im Dufte die Welt.
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Tief an des Berges Fuß, der gählings unter mir abstürzt,
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Wallet des grünlichten Stroms fließender Spiegel vorbei.
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Endlos unter mir seh ich den Äther, über mir endlos,
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Blicke mit Schwindeln hinauf, blicke mit Schaudern hinab.
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Aber zwischen der ewigen Höh und der ewigen Tiefe
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Trägt ein geländerter Steig sicher den Wandrer dahin.
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Lachend fliehen an mir die reichen Ufer vorüber,
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Und den fröhlichen Fleiß rühmet das prangende Tal.
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Jene Linien, sieh! die des Landmanns Eigentum scheiden,
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In den Teppich der Flur hat sie Demeter gewirkt.
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Freundliche Schrift des Gesetzes, des menschenerhaltenden Gottes,
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Seit aus der ehernen Welt fliehend die Liebe verschwand,
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Aber in freieren Schlangen durchkreuzt die geregelten Felder,
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Jetzt verschlungen vom Wald, jetzt an den Bergen hinauf
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Klimmend, ein schimmernder Streif, die Länder verknüpfende Straße;
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Auf dem ebenen Strom gleiten die Flöße dahin.
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Vielfach ertönt der Herden Geläut im belebten Gefilde,
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Und den Widerhall weckt einsam des Hirten Gesang.
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Muntre Dörfer bekränzen den Strom, in Gebüschen verschwinden
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Andre, vom Rücken des Bergs stürzen sie gäh dort herab.
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Nachbarlich wohnet der Mensch noch mit dem Acker zusammen,

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Einen umarmenden Zweig schlingt um die Hütte der Baum.
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Glückliches Volk der Gefilde! noch nicht zur Freiheit erwachet,
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Teilst du mit deiner Flur fröhlich das enge Gesetz.
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Deine Wünsche beschränkt der Ernten ruhiger Kreislauf,
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Wie dein Tagewerk, gleich, windet dein Leben sich ab!
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Aber wer raubt mir auf einmal den lieblichen Anblick? Ein fremder
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Geist verbreitet sich schnell über die fremdere Flur!
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Spröde sondert sich ab, was kaum noch liebend sich mischte,
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Und das Gleiche nur ists, was an das Gleiche sich reiht.
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Stände seh ich gebildet, der Pappeln stolze Geschlechter
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Ziehn in geordnetem Pomp vornehm und prächtig daher.
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Regel wird alles, und alles wird Wahl und alles Bedeutung,
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Dieses Dienergefolg meldet den Herrscher mir an.
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Prangend verkündigen ihn von fern die beleuchteten Kuppeln,
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Aus dem felsigten Kern hebt sich die türmende Stadt.
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In die Wildnis hinaus sind des Waldes Faunen verstoßen,
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Aber die Andacht leiht höheres Leben dem Stein.
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Näher gerückt ist der Mensch an den Menschen. Enger wird um ihn,
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Reger erwacht, es umwälzt rascher sich in ihm die Welt.
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Sieh, da entbrennen in feurigem Kampf die eifernden Kräfte,
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Großes wirket ihr Streit, Größeres wirket ihr Bund.
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Tausend Hände belebt ein Geist, hoch schläget in tausend
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Brüsten, von einem Gefühl glühend, ein einziges Herz,
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Schlägt für das Vaterland und glüht für der Ahnen Gesetze,
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Hier auf dem teuren Grund ruht ihr verehrtes Gebein.
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Nieder steigen vom Himmel die seligen Götter und nehmen
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In dem geweihten Bezirk festliche Wohnungen ein,
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Herrliche Gaben bescherend erscheinen sie; Ceres vor allen
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Bringet des Pfluges Geschenk, Hermes den Anker herbei,
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Bacchus die Traube, Minerva des Ölbaums grünende Reiser,
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Auch das kriegrische Roß führet Poseidon heran,
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Mutter Cybele spannt an des Wagens Deichsel die Löwen,
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In das gastliche Tor zieht sie als Bürgerin ein.
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Heilige Steine! Aus euch ergossen sich Pflanzer der Menschheit,

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Blickten dem Heerzug nach, bis ihn die Ferne verschlang.
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Betend stürzten sie dann vor der Götter Altären sich nieder,
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Flehten um Ruhm und Sieg, flehten um Rückkehr für euch.
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Ehre ward euch und Sieg, doch der Ruhm nur kehrte zurücke,
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Eurer Taten Verdienst meldet der rührende Stein:
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»wanderer, kommst du nach Sparta, verkündige dorten, du habest
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Uns hier liegen gesehn, wie das Gesetz es befahl.«
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Ruhet sanft, ihr Geliebten! Von eurem Blute begossen,
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Grünet der Ölbaum, es keimt lustig die köstliche Saat.
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Munter entbrennt, des Eigentums froh, das freie Gewerbe,
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Aus dem Schilfe des Stroms winket der bläulichte Gott.
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Zischend fliegt in den Baum die Axt, es erseufzt die Dryade,
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Hoch von des Berges Haupt stürzt sich die donnernde Last.
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Aus dem Felsbruch wiegt sich der Stein, vom Hebel beflügelt,
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In der Gebirge Schlucht taucht sich der Bergmann hinab.
101
Mulcibers Amboß tönt von dem Takt geschwungener Hämmer,
102
Unter der nervigten Faust spritzen die Funken des Stahls.
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Glänzend umwindet der goldene Lein die tanzende Spindel,
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Durch die Saiten des Garns sauset das webende Schiff.
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Fern auf der Reede ruft der Pilot, es warten die Flotten,
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Die in der Fremdlinge Land tragen den heimischen Fleiß,
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Andre ziehn frohlockend dort ein, mit den Gaben der Ferne,
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Hoch von dem ragenden Mast wehet der festliche Kranz.
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Siehe, da wimmeln die Märkte, der Kran von fröhlichem Leben,
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Seltsamer Sprachen Gewirr braust in das wundernde Ohr.
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Auf den Stapel schüttet die Ernten der Erde der Kaufmann,
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Was dem glühenden Strahl Afrikas Boden gebiert,
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Was Arabien kocht, was die äußerste Thule bereitet,
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Hoch mit erfreuendem Gut füllt Amalthea das Horn.
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Da gebieret das Glück dem Talente die göttlichen Kinder,
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Von der Freiheit gesäugt, wachsen die Künste der Lust.
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Mit nachahmendem Leben erfreuet der Bildner die Augen,
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Und vom Meißel beseelt, redet der fühlende Stein,
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Künstliche Himmel ruhn auf schlanken jonischen Säulen,
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Und den ganzen Olymp schließet ein Pantheon ein.
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Leicht wie der Iris Sprung durch die Luft, wie der Pfeil von der Senne,
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Hüpfet der Brücke Joch über den brausenden Strom.
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Aber im stillen Gemach entwirft bedeutende Zirkel
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Sinnend der Weise, beschleicht forschend den schaffenden Geist,
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Prüft der Stoffe Gewalt, der Magnete Hassen und Lieben,
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Folgt durch die Lüfte dem Klang, folgt durch den Äther dem Strahl,
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Sucht das vertraute Gesetz in des Zufalls grausenden Wundern,
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Sucht den ruhenden Pol in der Erscheinungen Flucht.
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Körper und Stimme leiht die Schrift dem stummen Gedanken,
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Durch der Jahrhunderte Strom trägt ihn das redende Blatt.
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Da zerrinnt vor dem wundernden Blick der Nebel des Wahnes,
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Und die Gebilde der Nacht weichen dem tagenden Licht.
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Seine Fesseln zerbricht der Mensch. Der Beglückte! Zerriss' er
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Mit den Fesseln der Furcht nur nicht den Zügel der Scham!
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Freiheit ruft die Vernunft, Freiheit die wilde Begierde,
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Von der heilgen Natur ringen sie lüstern sich los.
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Ach, da reißen im Sturm die Anker, die an dem Ufer
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Warnend ihn hielten, ihn faßt mächtig der flutende Strom,
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Ins Unendliche reißt er ihn hin, die Küste verschwindet,
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Hoch auf der Fluten Gebirg wiegt sich entmastet der Kahn,
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Hinter Wolken erlöschen des Wagens beharrliche Sterne,
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Bleibend ist nichts mehr, es irrt selbst in dem Busen der Gott.
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Aus dem Gespräche verschwindet die Wahrheit, Glauben und Treue
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Aus dem Leben, es lügt selbst auf der Lippe der Schwur.
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In der Herzen vertraulichsten Bund, in der Liebe Geheimnis
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Drängt sich der Sykophant, reißt von dem Freunde den Freund,
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Auf die Unschuld schielt der Verrat mit verschlingendem Blicke,
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Mit vergiftendem Biß tötet des Lästerers Zahn.
149
Feil ist in der geschändeten Brust der Gedanke, die Liebe
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Wirft des freien Gefühls göttlichen Adel hinweg.
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Deiner heiligen Zeichen, o Wahrheit, hat der Betrug sich
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Angemaßt, der Natur köstlichste Stimmen entweiht,
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Die das bedürftige Herz in der Freude Drang sich erfindet,
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Kaum gibt wahres Gefühl noch durch Verstummen sich kund.
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Auf der Tribüne prahlet das Recht, in der Hütte die Eintracht,
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Des Gesetzes Gespenst steht an der Könige Thron.
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Jahrelang mag, jahrhundertelang die Mumie dauern,
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Mag das trügende Bild lebender Fülle bestehn,
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Bis die Natur erwacht, und mit schweren ehernen Händen
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An das hohle Gebäu rühret die Not und die Zeit,
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Einer Tigerin gleich, die das eiserne Gitter durchbrochen
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Und des numidischen Walds plötzlich und schrecklich gedenkt,
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Aufsteht mit des Verbrechens Wut und des Elends die Menschheit
164
Und in der Asche der Stadt sucht die verlorne Natur.
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O, so öffnet euch, Mauren, und gebt den Gefangenen ledig,
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Zu der verlassenen Flur kehr er gerettet zurück!
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Aber wo bin ich? Es birgt sich der Pfad. Abschüssige Gründe
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Hemmen mit gähnender Kluft hinter mir, vor mir den Schritt.
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Hinter mir blieb der Gärten, der Hecken vertraute Begleitung,
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Hinter mir jegliche Spur menschlicher Hände zurück.
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Nur die Stoffe seh ich getürmt, aus welchen das Leben
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Keimet, der rohe Basalt hofft auf die bildende Hand.
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Brausend stürzt der Gießbach herab durch die Rinne des Felsen,
174
Unter den Wurzeln des Baums bricht er entrüstet sich Bahn.
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Wild ist es hier und schauerlich öd. Im einsamen Luftraum
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Hängt nur der Adler und knüpft an das Gewölke die Welt.
177
Hoch herauf bis zu mir trägt keines Windes Gefieder
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Den verlorenen Schall menschlicher Mühen und Lust.
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Bin ich wirklich allein? In deinen Armen, an deinem
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Herzen wieder, Natur, ach! und es war nur ein Traum,
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Der mich schaudernd ergriff mit des Lebens furchtbarem Bilde,
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Mit dem stürzenden Tal stürzte der finstre hinab.
183
Reiner nehm ich mein Leben von deinem reinen Altare,
184
Nehme den fröhlichen Mut hoffender Jugend zurück!
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Ewig wechselt der Wille den Zweck und die Regel, in ewig
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Wiederholter Gestalt wälzen die Taten sich um.
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Aber jugendlich immer, in immer veränderter Schöne
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Ehrst du, fromme Natur, züchtig das alte Gesetz,
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Immer dieselbe, bewahrst du in treuen Händen dem Manne,
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Was dir das gaukelnde Kind, was dir der Jüngling vertraut,
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Nährest an gleicher Brust die vielfach wechselnden Alter;
192
Unter demselben Blau, über dem nämlichen Grün
193
Wandeln die nahen und wandeln vereint die fernen Geschlechter,
194
Und die Sonne Homers, siehe! sie lächelt auch uns.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Schiller
(17591805)

* 10.11.1759 in Marbach am Neckar, † 09.05.1805 in Weimar

männlich, geb. Schiller

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Dichter, Philosoph und Historiker

(Aus: Wikidata.org)

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