»glaub ich«, sprichst du, »dem Wort, das der Weisheit Meister mich lehren

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Friedrich Schiller: »glaub ich«, sprichst du, »dem Wort, das der Weisheit Meister mich lehren Titel entspricht 1. Vers(1782)

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»glaub ich«, sprichst du, »dem Wort, das der Weisheit Meister mich lehren,
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Das der Lehrlinge Schar sicher und fertig beschwört?
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Kann die Wissenschaft nur zum wahren Frieden mich führen,
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Nur des Systemes Gebälk stützen das Glück und das Recht?
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Muß ich dem Trieb mißtraun, der leise mich warnt, dem Gesetze,
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Das du selber, Natur, mir in den Busen geprägt,
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Bis auf die ewige Schrift die
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Und der Formel Gefäß bindet den flüchtigen Geist? Sage du mirs, du bist in diese Tiefen gestiegen,
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Aus dem modrigten Grab kamst du erhalten zurück,
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Dir ist bekannt, was die Gruft der dunklen Wörter bewahret,
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Ob der Lebenden Trost dort bei den Mumien wohnt.
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Muß ich ihn wandeln, den nächtlichen Weg? Mir graut, ich bekenn es!
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Wandeln will ich ihn doch, führt er zu Wahrheit und Recht.«
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Freund, du kennst doch die Goldene Zeit, es haben die Dichter
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Manche Sage von ihr rührend und kindlich erzählt,
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Jene Zeit, da das Heilige noch im Leben gewandelt,
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Da jungfräulich und keusch noch das Gefühl sich bewahrt,
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Da noch das große Gesetz, das oben im Sonnenlauf waltet
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Und verborgen im Ei reget den hüpfenden Punkt,
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Noch der Notwendigkeit stilles Gesetz, das stetige, gleiche,
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Auch der menschlichen Brust freiere Wellen bewegt,
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Da nicht irrend der Sinn und treu, wie der Zeiger am Uhrwerk,
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Auf das Wahrhaftige nur, nur auf das Ewige wies?
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Da war kein Profaner, kein Eingeweihter zu sehen,
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Was man lebendig empfand, ward nicht bei Toten gesucht,
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Gleich verständlich für jegliches Herz war die ewige Regel,

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Hat der getreuen Natur göttlichen Frieden gestört.
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Das entweihte Gefühl ist nicht mehr Stimme der Götter,
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Und das Orakel verstummt in der entadelten Brust.
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Nur in dem stilleren Selbst vernimmt es der horchende Geist noch,
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Und den heiligen Sinn hütet das mystische Wort.
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Hier beschwört es der Forscher, der reines Herzens hinabsteigt,
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Und die verlorne Natur gibt ihm die Weisheit zurück.
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Hast du, Glücklicher, nie den schützenden Engel verloren,
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Nie des frommen Instinkts liebende Warnung verwirkt,
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Malt in dem keuschen Auge noch treu und rein sich die Wahrheit,
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Tönt ihr Rufen dir noch hell in der kindlichen Brust,
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Schweigt noch in dem zufriednen Gemüt des Zweifels Empörung,
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Wird sie, weißt dus gewiß, schweigen auf ewig wie heut,
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Wird der Empfindungen Streit nie eines Richters bedürfen,
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Nie den hellen Verstand trüben das tückische Herz –
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O dann gehe du hin in deiner köstlichen Unschuld,
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Dich kann die Wissenschaft nichts lehren. Sie lerne von dir!
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Jenes Gesetz, das mit ehrnem Stab den Sträubenden lenket,
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Dir nicht gilts. Was du tust, was dir gefällt, ist Gesetz,
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Und an alle Geschlechter ergeht ein göttliches Machtwort,
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Was du mit heiliger Hand bildest, mit heiligem Mund
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Redest, wird den erstaunten Sinn allmächtig bewegen,
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Du nur merkst nicht den Gott, der dir im Busen gebeut,
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Nicht des Siegels Gewalt, das alle Geister dir beuget,
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Einfach gehst du und still durch die eroberte Welt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Schiller
(17591805)

* 10.11.1759 in Marbach am Neckar, † 09.05.1805 in Weimar

männlich, geb. Schiller

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Dichter, Philosoph und Historiker

(Aus: Wikidata.org)

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