In Juda – schreibt die Chronika –

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Friedrich Schiller: In Juda – schreibt die Chronika – Titel entspricht 1. Vers(1782)

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In Juda – schreibt die Chronika –
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War olim schon ein König,
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Dem war von Dan bis Berseba
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Bald alles untertänig.
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Und war dabei ein wackrer Fürst,
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Desgleichen selten finden wirst.

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Der war nun kürzlich, wie bekannt,
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Vom Freien heimgekommen
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Und hatte vom Chaldäerland
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Ein Weibchen mitgenommen.
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Im Herzen Himmel – und im Blick;
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Ich küßte sie den Augenblick.

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Die Trauung war schon angestellt,
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Die Hochzeitkleider fertig,
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Der Bräutigam, frisch wie ein Held,
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Des Wonnetags gewärtig –
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Als plötzlich – zitternd schreibts mein Kiel –
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Ein Fieber diesen Herrn befiel.

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Ein großer Herre, wie man weißt,
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Ist nicht wie unsereiner –
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Wenn
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Drob kümmert sich wohl keiner –
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Ein Schnuppen, den ein Großer klagt,
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Wird in der Welt herumgesagt.

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Drum nimmt Frau Fama, nimmerfaul,
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Das Hifthorn von dem Nacken
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(man kennt ja schon ihr großes Maul
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Und ihre dicken Backen):
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»fürst Josaphat liegt todkrank da«,
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Posaunt sie durch ganz Asia.

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Sogleich vernahm den Trauerton
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Fürst Sanherib, sein Vetter, –
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Zu Assur hat er seinen Thron
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Und ehret fremde Götter.
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Die Balle Lüge kommt so recht
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Zustatten meinem Götzenknecht.

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»da fischt sich was – Hol mich der Dachs!« –
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Und hui! spitzt er die Ohren.
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»stirbt Josaphat, so zieh ich stracks
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Hinein zu Hebrons Toren.
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Er braucht Arznei – er treibts nicht lang!
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Und Juda ist ein fetter Fang.«

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Gleich läuft die Ordre aus dem Schloß
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Durch Stadt und Wachparade,
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Der Junggesellen faulen Troß
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Zu werben ohne Gnade.
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Schon springen Bomben aus dem Guß
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Und freun sich auf den nächsten Schuß.

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Die Wache vor dem Tor bekommt
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Gemessene Befehle,
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Daß undurchsucht – unangebrummt
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Entwische keine Seele.
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Brieftaschen und Patent heraus –
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Sonst – Marsch, ihr Herrn, ins Narrenhaus.

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»woher, mein Freund?« brüllt auf und ab
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Die Schildwach an die Fremde.
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»wohin die Reis? Wo steigt Ihr ab?
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Was führt Ihr unterm Hemde?
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Torschreiber raus! – Der Herr bleibt stehn!
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Man wird ihn heißen weitergehn.«

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Da war nun mancher
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Dem Korporal verdächtig,
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Die Fragen gehn zur Folter schier,
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Gott aber ist allmächtig:
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Man visitiert von Pack zu Pack,
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Doch zeigt sich nichts – als Schnupftobak.

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Indessen schickt der Werber Fleiß
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Rekruten, Sand am Meere,
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Sie stehen blau und rot und weiß
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Und ordnen sich in Heere.
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Das Kriegsgeräte – glaubt mir keck –
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Fraß

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Fürst Sanherib erzählte schon
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Den Damen seine Siege,
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Aufs Wohl des neuen Landes flohn
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Von Tisch zu Tisch die Krüge,
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Schon möbelt' man das neue Schloß –
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Je glätter der Burgunder floß.

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Wie prächtig König Sanherib
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Im reichen Galakleide
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Herum den stolzen Schimmel trieb
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Und durch Judäa reite;
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Die Damen in Karossen nach,
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Daß bald schon Rad und Deichsel brach.

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Wie stolz von seinem Thron herab
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Er Judas Schriftgelehrten
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Erlaubnis zu dem Handkuß gab
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Und sie ihm Treue schwörten –
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Und alles Volk im Staube tief
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Hosianna dem Gesalbten! rief.

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Doch während daß der Vetter schon
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Nach deiner Krone schielte,
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Und auf dem
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Schon Davids Harfe spielte,
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Lagst du- – o Fürst – beweint vom Land,
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Noch unversehrt – in Gottes Hand.

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Gott stand auf Höhen Sinais
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Und schaute nach der Erden,
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Und sahe schon ein Paradies
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Durch deinen Zepter werden,
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Und sahe mit erhabner Ruh
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Dem Unfug deines Vetters zu.

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Schnell schickt er einen Cherub fort
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Und spricht mit sanftem Lächeln:
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»geh, Raphael – dem Fürsten dort
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Erfrischung zuzufächeln.
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Er ist mein Sohn – mein treuer Knecht!
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Er lebe! – denn ich bin gerecht.«

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Dem Willen Gottes untertan,
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Steigt Raphael herunter,
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Nimmt eines Arztes Bildung an
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Und heilt dich durch ein Wunder.
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Dein Fürst ersteht – jauchz, Vaterland!
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Gerettet durch des Himmels Hand.

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Die Post schleicht nach Assyrien,
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Wo Sanherib regieret
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Und eben seine Königin
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Vom Schlitten heimgeführet. –
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»ihr Durchlaucht! Ein Kurier!« – »Herein!
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Es werden Trauerbriefe sein.«

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Schnell öffnet er den Brief und liest,
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Liest – ach! der Posten trübste –
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Daß Josaphat am Leben ist –
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Und flucht an seine Liebste:
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»der Krieg ist aus! – Pest über dich!
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Zweitausend Taler schmerzen mich!!«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Schiller
(17591805)

* 10.11.1759 in Marbach am Neckar, † 09.05.1805 in Weimar

männlich, geb. Schiller

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Dichter, Philosoph und Historiker

(Aus: Wikidata.org)

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