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So hat nun die Gedult Herr Grundmanns über-
wunden/
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In welcher er den Grund des Glaubens hat gelegt:
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So brechen nunmehr an die höchst- erwünschte Stun-
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Daß man den müden Leib zu seiner Ruhe trägt.
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Er wuste/ daß er nur im Staube war gegründet/
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Und daß sein leimen Haus nicht ewig könte stehn.
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Drumb rieff er/ von der Glut des Himmels angezündet:
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Herr/ laß doch deinen Knecht aus diesem Kercker gehn!
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Je mehr der Schmertzen Qual den siechen Leib umbgeben/
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Je feuriger sein Geist den Sternen sich genaht/
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Und da kein Mittel mehr/ die Kranckheit zuerheben/
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Floh’ er zu seinem GOtt als Vater/ Artzt/ und Rath.
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Des muden Alters Last/ die abgeschwächten Glieder/
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Die Adern ohne Safft/ die trockene Gebein’/
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Und gantz entkräffte Krafft rieß nie den Glauben nieder/
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Der mitten in der Noth must Uberwinder seyn.
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Die edle Palme wird von keiner Bürde sincken/
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Jhr grüner Gipfel steigt anmutiger empor.
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Ein Fels/ und muß er gleich den Schaum deß Meeres trincken/
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Weist dennoch unbewegt sein steinern Haupt hervor.
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Mit solcher Palmen Art/ und Felsen-gleichem Muthe
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War in dem grimmen Schmertz
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Er küste mit Gedult des Höchsten Zucht und Ruthe/
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Die seiner Lieb und Treu ein kundbar Zeichen ist.
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Der vielen Jahre Lauff und Wechselgang der Zeiten
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Hatt’ ihn schon längst belehrt was lange leben sey.
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Nichts als ein langer Kampff/ mit Fleisch und Blut zu streiten.
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Und seine Herrligkeit ein albre Gauckeley.
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Er sah’ auch daß er hier auf nichts sich konte gründen/
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Der Gliederbau zerfällt/ der Ehre Licht verglimmt/
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Die Güter deß Gelücks sind weiter nicht als Binden/
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Worinn der Geist verwirrt/ fast zu sich selbst nicht kömmt.
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Und wenn wir alles diß zum Uberfluß besitzen/
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Macht uns die Menge nicht bey solchem Reichthum arm?
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Indem wir sind bemüht es offt und viel zu nützen/
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Verzehrt den meisten Theil/ Zeit/ Zufall/ Furcht und Harm.
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Der Liebsten treue Sorg’ und Wartung ihn vergnüget/
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So Kind als Kindes Kind der Jahre Schnee erquickt/
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Mit zarter Lust und Schertz sein Alter eingewie get/
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Und durch viel Anmuth ihn der Traurigkeit entrückt:
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So merckt/ und spürt’ er doch bey dem beglückten Leben/
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Und Segen-vollen Eh’ den Hingang auß der Welt;
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Hat seinen Willen bloß dem Schöpffer untergeben/
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Sein Hoffen und Vertraun auf dessen Schluß gestellt.
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Mein Siechbett ist es gleich voll Dörner/ voller Hecken/
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Auß diesem sollen mir die Rosen Knospen blühn.
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Nach solcher herben Angst will ich das Manna schmecken/
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Und für den Sünden-Rock ein weisses Kleid anziehn.
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Ich habe satt gelebt GOtt/ Welt/ Stadt/ und den Meinen/
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Deckt das/ was Erde war/ mit Erde wieder zu.
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Der Tag da JEsus will zu seinem Creutz erscheinen/
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Bringt mich/ O Tag voll Heils! Zu der gewünschten Ruh.
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Er ist ja Lebens satt und Ehren-voll verschieden/
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Lebt in der Liebsten Hertz und in den Kindern noch.
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Wenn wir mit Furcht und Angst das Leben satt ermüden/
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Zeucht doch ein gleicher Tod uns in sein eisern Joch.
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Ach seelig/ wer dem Grund der eitlen Welt nicht trauet/
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Den ein betrüglich Sand und schlipffrig Schlam bedeckt!
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Ach seelig/ wer allein auff diesen Eckstein bauet/
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Der uns der Ewigkeit begräntztes Ziel außsteckt!