Graf Eberhard der Greiner von Wirtemberg

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Friedrich Schiller: Graf Eberhard der Greiner von Wirtemberg (1782)

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Ihr – ihr dort außen in der Welt,
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Die Nasen eingespannt!
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Auch manchen Mann, auch manchen Held,
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Im Frieden gut, und stark im Feld,
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Gebar das Schwabenland.

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Prahlt nur mit Karl und Eduard,
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Mit Friedrich, Ludewig.
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Karl, Friedrich, Ludwig, Eduard
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Ist uns der Graf, der Eberhard,
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Ein Wettersturm im Krieg.

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Und auch sein Bub, der Ulerich,
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War gern, wo's eisern klang;
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Des Grafen Bub, der Ulerich,
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Kein Fußbreit rückwärts zog er sich,
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Wenns drauf und drunter sprang.

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Die Reutlinger, auf unsern Glanz
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Erbittert, kochten Gift,
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Und buhlten um den Siegeskranz
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Und wagten manchen Schwertertanz
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Und gürteten die Hüft –

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Er griff sie an – und siegte nicht,
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Und kam gepantscht nach Haus,
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Der Vater schnitt ein falsch Gesicht,
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Der junge Kriegsmann floh das Licht,
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Und Tränen drangen raus.

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Das wurmt ihm – Ha! ihr Schurken, wart'!
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Und trugs in seinem Kopf.
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Auswetzen, bei des Vaters Bart!
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Auswetzen wollt er diese Schart
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Mit manchem Städtlerschopf.

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Und Fehd entbrannte bald darauf,
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Und zogen Roß und Mann
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Bei Döffingen mit hellem Hauf,
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Und heller gings dem Junker auf,
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Und hurra! heiß gings an.

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Und unsers Heeres Losungswort
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War die verlorne Schlacht;
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Das riß uns wie die Windsbraut fort
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Und schmiß uns tief in Blut und Mord
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Und in die Lanzennacht.

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Der junge Graf voll Löwengrimm
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Schwung seinen Heldenstab,
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Wild vor ihm ging das Ungestüm,
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Geheul und Winseln hinter ihm,
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Und um ihn her das Grab.

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Doch weh! ach weh! ein Säbelhieb
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Sunk schwer auf sein Genick,
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Schnell um ihn her der Helden Trieb,
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Umsonst! umsonst! erstarret blieb
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Und sterbend brach sein Blick.

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Bestürzung hemmt des Sieges Bahn,
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Laut weinte Feind und Freund –
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Hoch führt der Graf die Reuter an:
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Marsch, Kinder! In den Feind!

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Und Lanzen sausen feuriger,
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Die Rache spornt sie all,
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Rasch über Leichen gings daher,
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Die Städtler laufen kreuz und quer
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Durch Wald und Berg und Tal.

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Und zogen wir mit Hörnerklang
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Ins Lager froh zurück,
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Und Weib und Kind im Rundgesang
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Beim Walzer und beim Becherklang
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Lustfeiern unser Glück.

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Doch unser Graf – was tät er itzt? –
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Vor ihm der tote Sohn.
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Allein in seinem Zelte sitzt
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Der Graf, und eine Träne blitzt
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Im Aug auf seinen Sohn.

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Drum hangen wir so treu und warm
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Am Grafen, unserm Herrn.
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Allein ist er ein Heldenschwarm,
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Der Donner rast in seinem Arm,
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Er ist des Landes Stern.

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Drum ihr dort außen in der Welt,
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Die Nasen eingespannt,
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Auch manchen Mann, auch manchen Held,
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Im Frieden gut und stark im Feld,
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Gebar das Schwabenland.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Schiller
(17591805)

* 10.11.1759 in Marbach am Neckar, † 09.05.1805 in Weimar

männlich, geb. Schiller

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Dichter, Philosoph und Historiker

(Aus: Wikidata.org)

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