Die schlimmen Monarchen

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Friedrich Schiller: Die schlimmen Monarchen (1782)

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Euren Preis erklimme meine Leier –
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Erdengötter – die der süßen Feier
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Anadyomenens sanft nur klang;
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Leiser um das pompende Getöse,
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Schüchtern um die Purpurflammen eurer Größe
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Zittert der Gesang.

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Redet! soll ich goldne Saiten schlagen,
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Wenn, vom Jubelruf emporgetragen,
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Euer Wagen durch den Walplatz rauscht?
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Wenn ihr, schlapp vom eisernen Umarmen,
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Schwere Panzer mit den weichen Rosenarmen
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Eurer Phrynen tauscht? –

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Soll vielleicht im Schimmer goldner Reifen,
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Götter, euch die kühne Hymne greifen,
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Wo, in mystisch Dunkel eingemummt,
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Euer Spleen mit Donnerkeilen tändelt,
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Mit
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Bis – das Grab verstummt?

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Sing ich
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Soll ich, Fürsten, eure
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Wenn der Wurm am Königsherzen zehrt,
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Weht der goldne Schlummer um den Mohren,
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Der den Schatz bewacht an des Palastes Toren,
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Und – ihn nicht begehrt.

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Zeig, o Muse, wie mit Rudersklaven
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Könige auf
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Die
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Wo nun nimmer ihre Launen foltern,
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Nimmer die Theaterminotaure poltern
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Und – die Löwen ruhn.

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Auf! Betaste mit dem Zaubersiegel,
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Hekate, des Gruftgewölbes Riegel!
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Horch! die Flügel donnern jach zurück!
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Wo des Todes Odem dumpfig säuselt,
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Schauerluft die starren Locken aufwärts kräuselt,
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Sing ich –

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Hier das Ufer? – Hier in diesen Grotten
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Stranden eurer Wünsche stolze Flotten?
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Hier – wo eurer Größe Flut sich stößt?
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Ewig nie dem Ruhme zu erwarmen,
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Schmiedet hier die Nacht mit schwarzen Schauerarmen
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Potentaten fest.

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Traurig funkelt auf dem Totenkasten
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Eurer Kronen, der umperlten Lasten,
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Eurer Szepter undankbare Pracht.
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Wie so schön man Moder übergoldet!
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Doch nur Würmer werden mit dem Leib besoldet,
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Dem – die Welt gewacht.

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Stolze Pflanzen in so niedern Beeten!
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Seht doch! – wie mit welken Majestäten
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Garstig spaßt der unverschämte Tod!
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Die durch Nord und Ost und West geboten –
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Dulden sie des Unholds ekelhafte Zoten,
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Und – kein Sultan droht?

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Springt doch auf, ihr störrige Verstummer,
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Schüttelt ab den tausendpfundgen Schlummer,
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Siegespauken trommeln aus der Schlacht!
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Höret doch, wie hell die Zinken schmettern!
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Wie des Volkes wilde Vivat euch vergöttern!
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Könige, erwacht!

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Siebenschläfer! – o so hört die hellen
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Hörner klingen und die Doggen bellen!
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Tausendröhrigt knallt das Jagdenfeur;
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Muntre Rosse wiehern nach dem Forste,
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Blutig wälzt der Eber seine Stachelborste,
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Und – der Sieg ist eur!

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Was ist das? – Auch Fürsten schweigen selber?
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Neunfach durch die heulenden Gewölber
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Spottet mir ein schleifend Echo nach –
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Hört doch nur den Kammerjunker düsseln:
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»euch beehrt Madonna mit geheimen Schlüsseln
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In – ihr Schlafgemach.«

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Keine Antwort – Ernstlich ist die Stille –
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Fällt denn auch auf Könige die Hülle,
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Die die Augen des Trabanten deckt? –
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Und ihr fodert Anbetung in Asche,
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Daß die blinde Metze
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Eine – Welt gesteckt?

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Und ihr rasselt, Gottes Riesenpuppen,
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Hoch daher in kindischstolzen Gruppen,
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Gleich dem Gaukler in dem Opernhaus? –
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Pöbelteufel klatschen dem Geklimper,
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Aber weinend zischen den erhabnen Stümper
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Seine Engel aus.

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Ins Gebiet der leiseren Gedanken
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Würden – überwänden sie die Schranken –
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Schlangenwirbel eure Mäkler drehn;
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Lernt doch, daß, die euren zu entfalten,
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Blicke, die auch Pharisäerlarven spalten,
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Von dem Himmel sehn.

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Prägt ihr zwar – Hohn ihrem falschen Schalle! –
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Euer Bild auf lügende Metalle,
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Schnödes Kupfer adelt ihr zu Gold –
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Eure Juden schachern mit der Münze, –
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Doch wie anders klingt sie über jener Grenze,
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Wo die Waage rollt!

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Decken euch Seraile dann und Schlösser,
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Wann des Himmels fürchterlicher Presser
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An des großen Pfundes Zinsen mahnt?
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Ihr bezahlt den Bankerott der Jugend
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Mit Gelübden, und mit
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Die – Hanswurst erfand.

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Berget immer die erhabne Schande
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Mit des
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Bübelt aus des Thrones Hinterhalt!
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Aber zittert für des Liedes Sprache,
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Kühnlich durch den Purpur bohrt der Pfeil der Rache
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Fürstenherzen kalt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Schiller
(17591805)

* 10.11.1759 in Marbach am Neckar, † 09.05.1805 in Weimar

männlich, geb. Schiller

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Dichter, Philosoph und Historiker

(Aus: Wikidata.org)

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