Die Pest

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Friedrich Schiller: Die Pest (1782)

1
Gräßlich preisen Gottes Kraft
2
Pestilenzen, würgende Seuchen,
3
Die mit der grausen Brüderschaft
4
Durchs öde Tal der Grabnacht schleichen.

5
Bang ergreifts das klopfende Herz,
6
Gichtrisch zuckt die starre Sehne,
7
Gräßlich lacht der Wahnsinn in das Angstgestöhne,
8
In heulende Triller ergeußt sich der Schmerz.

9
Raserei wälzt tobend sich im Bette –
10
Giftger Nebel wallt um ausgestorbne Städte,
11
Menschen – hager – hohl und bleich –
12
Wimmeln in das finstre Reich.

13
Brütend liegt der Tod auf dumpfen Lüften,
14
Häuft sich Schätze in gestopften Grüften –
15
Pestilenz sein Jubelfest.
16
Leichenschweigen – Kirchhofstille
17
Wechseln mit dem Lustgebrülle,
18
Schröcklich preiset Gott die Pest.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Schiller
(17591805)

* 10.11.1759 in Marbach am Neckar, † 09.05.1805 in Weimar

männlich, geb. Schiller

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Dichter, Philosoph und Historiker

(Aus: Wikidata.org)

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