Ich bin ein Mann! – wer ist es mehr?

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Friedrich Schiller: Ich bin ein Mann! – wer ist es mehr? Titel entspricht 1. Vers(1782)

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Ich bin ein Mann! – wer ist es mehr?
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Wers sagen kann, der springe
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Frei unter Gottes Sonn einher
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Und hüpfe hoch und singe!

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Zu Gottes schönem Ebenbild
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Kann ich den
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Zum Born, woraus der Himmel quillt,
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Darf ich hinunter steigen.

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Und wohl mir, daß ichs darf und kann!
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Gehts Mädchen mir vorüber,
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Rufts laut in mir: Du bist ein Mann!
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Und küsse sie so lieber.

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Und röter wird das Mädchen dann,
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Und 's Mieder wird ihr enge –
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Das Mädchen weißt, ich bin ein Mann,
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Drum wird ihr 's Mieder enge.

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Wie wird sie erst um Gnade schrein,
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Ertapp ich sie im Bade?
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Ich bin ein Mann, das fällt ihr ein,
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Wie schrie sie sonst um Gnade?

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Ich bin ein Mann, mit diesem Wort,
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Begegn' ich ihr alleine,
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Jag ich des Kaisers Tochter fort,
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So lumpicht ich erscheine.

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Und dieses goldne Wörtchen macht
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Mir manche Fürstin holde,
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Mich ruft sie – habt indessen Wacht,
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Ihr Buben dort im Golde!

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Ich bin ein Mann, das könnt ihr schon
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An meiner Leier riechen,
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Sie donnert wie im Sturm davon,
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Sonst würde sie ja kriechen.

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Zum Feuergeist im Rückenmark
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Sagt meine Mannheit: Bruder.
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Und herrschen beide löwenstark
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Umarmend an dem Ruder.

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Aus eben diesem Schöpferfluß,
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Woraus wir Menschen sprudeln;
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Quillt Götterkraft und Genius,
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Nur leere Pfeifen dudeln.

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Tyrannen haßt mein
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Und schmettert sie zu Boden,
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Und kann ers nicht, führt er die Bahn
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Freiwillig zu den Toten.

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Pompejen hat mein Talisman
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Bei Pharsalus bezwungen,
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Roms Wollüstlinge Mann für Mann
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Auf teutschen Sand gerungen.

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Saht ihr den Römer stolz und kraus
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In Afrika dort sitzen?
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Sein Aug speit Feuerflammen aus
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Als säht ihr Hekla blitzen.

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Da kommt ein Bube wohlgemut,
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Gibt manches zu verstehen –
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»sprich, du hättst auf Karthagos Schutt
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Den Marius gesehen!« –

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So spricht der stolze Römersmann,
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Der Bub tät fürbaß eilen;
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Das dankt der stolze Römersmann,
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Das dankt er seinen

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Drauf täten seine Enkel sich
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Ihr Erbteil gar abdrehen,
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Und huben jedermänniglich
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Anmutig an zu krähen. –

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O Pfui und Pfui und wieder Pfui
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Den Elenden! – sie haben
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Verlüderlicht in
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Des Himmels beste Gaben,

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Dem lieben Herrgott sündiglich
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Sein Konterfei verhunzet
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Und in die Menschheit schweiniglich
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Von diesem Nu gegrunzet,

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Und schlendern elend durch die Welt,
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Wie Kürbisse von Buben
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Zu Menschenköpfen ausgehöhlt,
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Die Schädel leere Stuben!

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Wie Wein, von einem Chemikus
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Durch die Retort' getrieben:
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Zum Teufel ist der Spiritus,
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Das Phlegma ist geblieben.

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Und fliehen jedes Weibsgesicht,
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Und zittern, es zu sehen, –
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Und dörften sie – und können nicht!
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Da möchten sie vergehen! –

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Und wenn das blonde Seidenhaar,
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Und wenn die Kugelwaden,
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Wenn lüstern Mund und Augenpaar
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Zum Lustgenusse laden,

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Und zehenmal das Halstuch fällt,
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Und aus den losen Schlingen,
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Halbkugeln einer bessern Welt,
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Die vollen Brüste springen, –

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Führt gar der höllsche Schadenfroh
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Sie hin, wo Nymphen baden,
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Daß ihre Herzen lichterloh
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Von diebschen Flammen braten,

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Wo ihrem Blick der Spiegelfluß
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Arkana, die kein Genius
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Dem Aug je bloß geliefert,

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Und Ja! die tollen Wünsche schrein,
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Und
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O Tantal! stell dein Murren ein!
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Du bist noch gut durchkommen! –

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Kein kühler Tropfen in den Brand!
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Das heiß ich auch beteufeln!
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Gefühl ist ihnen Kontreband,
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Sonst müssen sie verzweifeln!

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Drum fliehn sie jeden Ehrenmann,
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Sein Glück wird sie betrüben –

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Drum tret ich frei und stolz einher
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Und brüste mich und singe:
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Der hüpfe hoch und springe.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Schiller
(17591805)

* 10.11.1759 in Marbach am Neckar, † 09.05.1805 in Weimar

männlich, geb. Schiller

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Dichter, Philosoph und Historiker

(Aus: Wikidata.org)

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