In einer Bataille

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Friedrich Schiller: In einer Bataille (1782)

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Schwer und dumpfig,
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Eine Wetterwolke,
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Durch die grüne Ebne schwankt der Marsch.
4
Zum wilden eisernen Würfelspiel
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Streckt sich unabsehlich das Gefilde.
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Blicke kriechen niederwärts,
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An die Rippen pocht das Männerherz,
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Vorüber an hohlen Totengesichtern
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Niederjagt die Front der Major:
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»halt!«
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Und Regimenter fesselt das starre Kommando.

12
Lautlos steht die Front.

13
Prächtig im glühenden Morgenrot
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Was blitzt dorther vom Gebürge?
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Seht ihr des Feindes Fahnen wehn?
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Wir sehn des Feindes Fahnen wehn,
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Gott mit euch, Weib und Kinder!
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Lustig! hört ihr den Gesang?
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Trommelwirbel, Pfeifenklang
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Schmettert durch die Glieder –

21
Wie braust es fort im schönen wilden Takt!
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Und braust durch Mark und Bein.

23
Gott befohlen, Brüder!
24
In einer andern Welt wieder!

25
Schon fleugt es fort wie Wetterleucht,
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Dumpf brüllt der Donner schon dort.
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Die Wimper zuckt, hier kracht er laut,
28
Die Losung braust von Heer zu Heer,
29
Laß brausen in Gottes Namen fort,
30
Freier schon atmet die Brust.

31
Der Tod ist los – schon wogt sich der Kampf;
32
Eisern im wolkigten Pulverdampf,
33
Eisern fallen die Würfel.

34
Nah umarmen die Heere sich.
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Fertig! heults von P'loton zu P'loton;
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Auf die Knie geworfen
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Feurn die vordern, viele stehen nicht mehr auf,
38
Lücken reißt die streifende Kartätsche,
39
Auf Vormanns Rumpfe springt der Hintermann,
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Verwüstung rechts und links und um und um,
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Bataillone niederwälzt der Tod.

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Die Sonne löscht aus – heiß brennt die Schlacht,
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Schwarz brütet auf dem Heer die Nacht.
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Gott befohlen, Brüder!
45
In einer andern Welt wieder!

46
Hoch spritzt an den Nacken das Blut,
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Lebende wechseln mit Toten, der Fuß
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Strauchelt über den Leichnamen –
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»und auch du, Franz?« – »Grüße mein Lottchen, Freund!«
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Wilder immer wütet der Streit.
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»grüßen will ich« – Gott! Kameraden! seht,
52
Hinter uns wie die Kartätsche springt! –
53
»grüßen will ich dein Lottchen, Freund!
54
Schlummre sanft! wo die Kanone sich
55
Heischer speit, stürz ich Verlaßner hinein.«

56
Hieher, dorthin schwankt die Schlacht,
57
Finstrer brütet auf dem Heer die Nacht –
58
Gott befohlen, Brüder!
59
In einer andern Welt wieder!

60
Horch! was strampft im Galopp vorbei?
61
Die Adjutanten fliegen:
62
Dragoner rasseln in den Feind,
63
Und seine Donner ruhen.
64
Viktoria, Brüder!
65
Schrecken reißt die feigen Glieder!
66
Und seine Fahne sinkt.

67
Entschieden ist die scharfe Schlacht,
68
Der Tag blickt siegend durch die Nacht!
69
Horch! Trommelwirbel, Pfeifenklang
70
Stimmen schon Triumphgesang!
71
Lebt wohl, ihr gebliebenen Brüder!
72
In einer andern Welt wieder!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Schiller
(17591805)

* 10.11.1759 in Marbach am Neckar, † 09.05.1805 in Weimar

männlich, geb. Schiller

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Dichter, Philosoph und Historiker

(Aus: Wikidata.org)

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