Die Herrlichkeit der Schöpfung

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Friedrich Schiller: Die Herrlichkeit der Schöpfung (1782)

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Vorüber war der Sturm, der Donner Rollen
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Das hallende Gebirg hinein verschollen,
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Geflohn die Dunkelheit;
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In junger Schöne lächelten die Himmel wieder
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Auf ihre Schwester, Gottes Erde, nieder
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Voll Zärtlichkeit.
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Es lagen lustig da die Auen und die Tale,
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Aus Maigewölken von der Sonnen Strahle
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Holdselig angelacht:
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Die Ströme schimmerten, die Büsch und Wäldchen alle
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Bewegten freudig sich im tauigen Kristalle,
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In funkelndlichter Pracht.
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Und sieh! da hebt von Berg zu Berg sich prächtig ausgespannt
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Ein Regenbogen übers Land. –

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In dieser Ansicht schwamm vom Brocken oben
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Mein Auge trunken, als ich aufgehoben
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Mich plötzlich fühlte... Heilig heilge Lüfte kamen,
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Umwebten zärtlich mich, indessen über mir,
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Stolztragend übers All den Ewigen daher,
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Die innre Himmel majestätisch schwammen.

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Und itzt trieb ein Wind
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Fort die Wolken, mich auf ihrem Zuge,
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Unter mir wichen im Fluge
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Schimmernde Königesstädte zurück,
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Schnell wie ein Blick
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Länderbeschattende Berge zurück,
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Und das schönste Gemisch von blühenden Feldern,
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Goldenen Saaten und grünenden Wäldern,
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Himmel und Erde im lachenden Glanz
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Wiegten sich um mich im sanftesten Tanz.

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Da schweb ich nun in den saphirnen Höhen
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Bald überm unabsehlich weiten Meer;
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Bald seh ich unter mir ein langes Klippenheer,
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Itzt grausenvolle Felsenwüsten stehen,
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Und dort den Frühling mir entgegenwehen;
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Und hier die Lichteskönigin,
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Auf rosichtgoldnen Wolken hingetragen,
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Zu ihrer Himmelsruhe ziehn.

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O welch Gesicht! Mein Lied! wie könntest du es sagen,
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Was dieses Auge trank vom weltumwandelnden Wagen?
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Der Schöpfung ganze Pracht, die Herrlichkeit,
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Die in dem Einsamen der dunkeln Ewigkeit
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Der Allerhöchste ausgedacht
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Und sich zur Augenlust, und euch, o Menschen!
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Zur Wohnung hat gemacht,
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Lag vor mir da!... Und welche Melodien
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Dringen herauf? welch unaussprechlicher Klang
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Schlägt mein entzücktes Ohr?... Der große Lobgesang
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Tönt auf der Laute der Natur!... In Harmonien
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Wie einen süßen Tod verloren, preist
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Den Herrn des Alls mein Geist!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Schiller
(17591805)

* 10.11.1759 in Marbach am Neckar, † 09.05.1805 in Weimar

männlich, geb. Schiller

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Dichter, Philosoph und Historiker

(Aus: Wikidata.org)

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