Meine Laura! Nenne mir den Wirbel

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Friedrich Schiller: Meine Laura! Nenne mir den Wirbel Titel entspricht 1. Vers(1782)

1
Meine Laura! Nenne mir den Wirbel,
2
Der an Körper Körper mächtig reißt,
3
Nenne, meine Laura, mir den Zauber,
4
Der zum Geist monarchisch zwingt den Geist.

5
Sieh! er lehrt die schwebenden Planeten
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Ewgen Ringgangs um die Sonne fliehn
7
Und, gleich Kindern um die Mutter hüpfend,
8
Bunte Zirkel um die Fürstin ziehn;

9
Durstig trinkt den goldnen Strahlenregen
10
Jedes rollende Gestirn,
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Trinkt aus ihrem Feuerkelch Erquickung,
12
Wie die Glieder Geister vom Gehirn.

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Sonnenstäubchen paart mit Sonnenstäubchen
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Sich in trauter Harmonie,
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Sphären ineinander lenkt die Liebe,
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Weltsysteme dauren nur durch sie.

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Tilge sie vom Uhrwerk der Naturen –
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Trümmernd auseinander springt das All,
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In das Chaos donnern eure Welten,
20
Weint, Newtone, ihren Riesenfall!

21
Tilg die Göttin aus der Geister Orden,
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Sie erstarren in der Körper Tod,
23
Ohne Liebe kehrt kein Frühling wieder,
24
Ohne Liebe preist kein Wesen Gott!

25
Und was ists, das, wenn mich Laura küsset,
26
Purpurflammen auf die Wangen geußt,
27
Meinem Herzen raschern Schwung gebietet,
28
Fiebrisch wild mein Blut von hinnen reißt?

29
Aus den Schranken schwellen alle Sennen,
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Seine Ufer überwallt das Blut,
31
Körper will in Körper überstürzen,
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Lodern Seelen in vereinter Glut;

33
Gleich allmächtig wie dort in der toten
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Schöpfung ewgen Federtrieb
35
Herrscht im arachneischen Gewebe
36
Der empfindenden Natur die Lieb.

37
Siehe, Laura, Fröhlichkeit umarmet
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Wilder Schmerzen Überschwung,
39
An der Hoffnung Liebesbrust erwarmet
40
Starrende Verzweifelung.

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Schwesterliche Wollust mildert
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Düstrer Schwermut Schauernacht,
43
Und entbunden von den goldnen Kindern
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Strahlt das Auge Sonnenpracht.

45
Waltet nicht auch durch des Übels Reiche
46
Fürchterliche Sympathie?
47
Mit der Hölle buhlen unsre Laster,
48
Mit dem Himmel grollen sie.

49
Um die Sünde flechten Schlangenwirbel
50
Scham und Reu, das Eumenidenpaar,
51
Um der Größe Adlerflügel windet
52
Sich verrätrisch die Gefahr.

53
Mit dem Stolze pflegt der Sturz zu tändeln,
54
Um das Glück zu klammern sich der Neid,
55
Ihrem Bruder Tode zuzuspringen
56
Offnen Armes Schwester Lüsternheit.

57
Mit der Liebe Flügel eilt die Zukunft
58
In die Arme der Vergangenheit,
59
Lange sucht der fliehende Saturnus
60
Seine Braut – die Ewigkeit.

61
Einst – so hör ich das Orakel sprechen –
62
Einsten hascht Saturn die Braut,
63
Weltenbrand wird Hochzeitfackel werden,
64
Wenn mit Ewigkeit die Zeit sich traut.

65
Eine schönere Aurora rötet,
66
Laura, dann auch unsrer Liebe sich,
67
Die so lang als jener Brautnacht dauert,
68
Laura! Laura! freue dich!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Schiller
(17591805)

* 10.11.1759 in Marbach am Neckar, † 09.05.1805 in Weimar

männlich, geb. Schiller

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Dichter, Philosoph und Historiker

(Aus: Wikidata.org)

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