Mir kam vor wenig Tagen

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Friedrich Schiller: Mir kam vor wenig Tagen Titel entspricht 1. Vers(1782)

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Mir kam vor wenig Tagen,
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Wie? fragt mich eben nicht,
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Vom Reich der ewgen Plagen
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Die Zeitung zu Gesicht.

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Sonst frag ich diesem Essen,
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Wo noch kein Kopf zerbrach,
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Dem Freikorps unsrer Pressen,
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Wie billig, wenig nach.

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Doch eine Randgloss lockte
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Itzt meinen Fürwitz an,
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Denkt! wie das Blut mir stockte,
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Als ich das Blatt begann:

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»seit zwanzig herben Jahren«
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(die Post, versteht sich, muß
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Ihr saures Stündchen fahren
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Hieher vom Erebus)

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»verschmachteten wir Arme
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In bittrer Wassernot,
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Die Höll kam in Alarme
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Und foderte den Tod.

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Den Styx kann man durchwaten,
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Im Lethe krebset man,
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Freund Charon mag sich raten,
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Im Schlamme liegt sein Kahn.

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Keck springen schon die Tote
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Hinüber, jung und alt,
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Der Schiffer kommt vom Brote
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Und flucht die Hölle kalt.

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Fürst Minos schickt Spionen
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Nach allen Grenzen hin,
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Die Teufel müssen fronen,
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Ihm Kundschaft einzuziehn.

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Juhe! Nun ists am Tage!
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Erwischt das Räubernest!
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Heraus zum Freudgelage!
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Komm, Hölle, komm zum Fest!

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Ein Schwarm Autoren spükte
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Um des Cocytus Rand,
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Ein Tintenfäßchen schmückte
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Die ritterliche Hand,

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Hier schöpften sie, zum Wunder,
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Wie Buben süßen Wein
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In Röhren von Holunder,
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Den Strom in Tonnen ein.

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Husch! Eh sie sichs versahen!
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Die Schlingen über sie! –
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Man wird euch schön empfahen,
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Kommt nur nach Sanssouci.

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Schon wittert' sie der König,
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Und wetzte seinen Zahn,
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Und schnauzte drauf nicht wenig
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Die Delinquenten an.

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Aha! sieht man die Räuber?
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Wes Handwerks? Welches Lands?
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Da haben wir den Tanz!

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Schon hätt ich Lust, gleichbalden
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Euch, wie ihr geht und steht,
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Beim Essen zu behalten,
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Eh euch mein Schwager mäht.

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Doch schwör ichs hier beim Styxe,
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Den eure Brut bestahl!
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Euch Marder und euch Füchse
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Erwartet Schand und Qual!

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Solange, bis er splittert,
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Spaziert zum Born der Krug!
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Was nur nach Dinten wittert,
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Entgelte den Betrug!

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Herab mit ihren Daumen!
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Laßt meinen Hund heraus!
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Schon wässert ihm der Gaumen
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Nach einem solchen Schmaus.

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Wie zuckten ihre Waden
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Vor dieses Bullen Zahn!
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Es schnalzen Seine Gnaden,
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Und Joli packte an.

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Man schwört, daß noch der Stumpen
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Sich krampfigt eingedruckt,
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Den Lethe auszupumpen
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Noch gichterisch gezuckt.«

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Und nun, ihr guten Christen,
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Beherziget den Traum!
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Fragt ihr nach Journalisten,
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So sucht nur ihren Daum'!

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Sie bergen oft die Lücken,
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Wie Jauner ohne Ohr
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Sie helfen mit Perücken, –
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Probatum! Gut davor!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Schiller
(17591805)

* 10.11.1759 in Marbach am Neckar, † 09.05.1805 in Weimar

männlich, geb. Schiller

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Dichter, Philosoph und Historiker

(Aus: Wikidata.org)

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