2. Von der Ecole des Demoiselles

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Friedrich Schiller: 2. Von der Ecole des Demoiselles (1782)

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Elysische Gefühle drängen
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Des Herzens Saiten zu Gesängen,
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Ein teurer Name weckte sie. –
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Schlägt nicht der Kinder Herz mit kühnern Schlägen
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Der sanften Mutter Freudenfest entgegen
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Und schmilzt dahin in Wonnemelodie?
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Wie sollten wir jetzt fühllos schweigen,
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Da tausend Taten uns bezeugen,
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Da jeder Mund – da jedes Auge spricht; –
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Ist uns Franziska Mutter nicht?

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Erlauben Sie dem kindlichen Entzücken,
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Sich Ihnen heute scheu zu nahn,
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O sehen Sie mit mütterlichen Blicken,
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Was, unsre innige Verehrung auszudrücken,
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Wir Ihnen darzubringen wagen, an!
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Erlauben Sie der schüchternen Empfindung,
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Für Sie, der Mütter würdigste, zu glühn,
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Erlauben Sie die kühne, stolze Wendung –
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Denn heute, heut dem Dank sich zu entziehn,
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Wär Frevel, wär die sträflichste Verblendung!

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Wenn Dankbarkeit, die aus dem Herzen fließet,
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Wenn der Verspruch, stets auf der Tugend Pfad zu gehn,
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Wenn Tränen, die die sanfte Rührung gießet,
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Wenn Wünsche, die empor zum Himmel flehn,
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O wenn der Seelen feurigstes Empfinden
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Die Huld der besten Mutter lohnen könnten,
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Wie ganz sollt unser Wesen nur Empfindung sein!
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Nie sollten unsre Tränen, nie versiegen,
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Zum Himmel sollten ewig unsre Wünsche fliegen,
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Franzisken wollten wir ein ganzes Leben weihn!

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Doch wenn auch das Gefühl, das unser Herz durchflossen,
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Bei aller Liebe reichlichem Genuß,
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Womit Sie, Edelste! uns übergossen,
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Erröten und erlahmen muß –
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So hebt uns doch das selige Vertrauen:
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Franziska wird mit gnadevollem Blick
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Auf ihrer Töchter schwaches Opfer schauen –
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Franziska stößt die Herzen nie zurück!
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Und feuervoller wird der Vorsatz uns beleben,
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Dem Meisterbild der Tugend nachzustreben!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Schiller
(17591805)

* 10.11.1759 in Marbach am Neckar, † 09.05.1805 in Weimar

männlich, geb. Schiller

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Dichter, Philosoph und Historiker

(Aus: Wikidata.org)

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