Uber dem frühzeitigen Absterben Hn. G. T. jüngsten Töchterleins 24. Ju- nii 1674.

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Heinrich Mühlpfort: Uber dem frühzeitigen Absterben Hn. G. T. jüngsten Töchterleins 24. Ju- nii 1674. (1686)

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Er hofft/ Hochwerther Freund/ ein Lied von meinen Händen/
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Das seine Thränen stillt/ und seinen Schmertz besiegt:
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Zwar wie bereit ich bin was tröstliches zu senden/
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So glaub’ er/ Muth und Geist und alle Krafft erliegt.
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Wer kan/ wenn auffder See/ Well/ Sturm und Wetter krachen/
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Und nun der Untergang für aller Augen schwebt/
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Dem Nachbar/ der bestürtzt/ ein frölich Hertze machen/
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Indem er Schreckens voll kaum selbst weiß ob er lebt.
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Bey hellem Sonnenschein/ und gutem Zustand singen/
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Und wenn der West-Wind weht/ die Segel spannen auff/
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Das ist ein Werck voll Lust; bey Schiffbruch Lieder bringen/
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Ist wider die Natur/ und der Gewohnheit Lauff.
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Es raucht die Asche noch von meines Sohnes Leiche/
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Geschweige wie mich hat die Kranckheit zugericht:
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Wo ich nun/
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So denck’ er: wer stets kranck/ der schreibt kein gut Gedicht.
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Doch wie bey meinem Schmertz er ließ sein Beyleid spüren/
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So locket gleiche Pflicht itzt meine Thränen aus.
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Wolan! er folge mir: wo ich ihn hin wil führen/
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Ist sonst kein ander Ort als nur sein Garten-Haus.
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Er hat mit Lust gesehn wie bey den Sommer-Tagen
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Der Chloris bundte Zucht sich hundertfärbig weist/
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In welcher Herrligkeit den hohen Purpur tragen
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Die Rosen/ derer Kleid gleich göldnen Sternen gleist.
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Es hat sein Hertz erfreut/ wenn aus dem Scharlach-Bette
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Aurora sich gemacht/ und ihrer Perlen Naß
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Den Blättern auffgepfropfft/ wenn gleichsam in die Wette
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Ein ied’ als Königin auff ihrem Throne saß.
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Die stand in voller Knosp’ als wie bewacht/ verschlossen/
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Ein andre breite schon den rothen Mantel aus/
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Die hing/ als wie gebadt/ von Morgen-Thau begossen/
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Und jener prächtig Haupt stieg an der Sternen Haus.
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So viel nun Liebligkeit und süsse Zimmet-Winde
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Der Rosen fruchtbar Stock ihm reichlich hat gewehrt/
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So wust er doch dabey daß Blume/ Stock und Rinde
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Des heissen Sommers Gluth im Mittag offt verheert.
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Die stirbt in der Geburt eh’ sie die Sonn erblicket/
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Ein andre wenn sie kaum die grünen Windeln bricht/
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Die hat ein scharffer Wind/ wenn sie schon voll/ zerknicket/
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Die wirfft die Blätter weg/ wenn sie die Sonne sticht.
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Viel hat ein gifftig Wurm in schönster Pracht zernaget/
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Viel starcker Regen-Guß zur Fäulniß eingeweicht:
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Und wer in kurtzer Zeit nach vollen Rosen fraget/
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Erfähret/ wie ein Tag sie mahlt/ erhöht/ und bleicht.
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Diß nimmt er täglich wahr/
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Nichts anders geht es zu im Garten seiner Eh’;
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Da er zwar Blumen sieht von bester Tugend Arten
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Und doch nicht sicher ist vor Untergang und Weh.
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Es hat die Rosen-Zeit
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Und biß ins dritte Jahr ihm Trost und Hoffnung bracht;
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Nun sich des Todes Sturm im Augenblick erhebet/
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So sieht er seine Blum verwelcket und verschmacht.
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Welch Blumen-Freund sieht gern die schönsten Blumen sterben?
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Und solten Eltern denn bey Kindern steinern seyn?
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Ach Kinder pflegen nur die Schmertzen zu erherben!
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Und was von Hertzen kommt/ das nim̃t das Hertz auch ein.
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Man kan die Menschligkeit den Heiden nicht benehmen/
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Wenn sie der Kinder Tod so bitterlich beklagt:
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Indem sie ihren Geist von ihnen solten nehmen/
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Und diesen letzten Dienst der schnelle Tod versagt.
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Wiewol das Christenthum zeigt uns gantz andre Wege;
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Wir wissen daß/ was blüht/ auch wieder muß vergehn/
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Daß GOttes Geist das Fleisch/ wie Heu darnieder lege/
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Wie Blumen/ die geschmückt auff grünen Wiesen stehn.
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Der Blumen Flüchtigkeit entwirfft des Lebens Enge/
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Und ihr gemahlt Gewand die menschliche Gestalt/
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Jhr Wachsthum in dem Lentz der Menschen grosse Menge/
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Jhr schneller Untergang/ daß wir bald bleich und kalt.
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Diß ist einstarcker Grund/ daß ihr als Eltern schliessen
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Bey euren Schmertzen könnt: GOtt hat sie hochgeliebt.
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Denn was vollkommen ist/ wird zeitlich weggerissen/
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Eh’ es die böse Welt mit seinem Gifft betrübt.
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So viel scheint unserm Fleisch und Blute nur zu wieder/
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Daß itzt des Vaters Trost/ der Mutter Hoffnung fällt;
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Daß die Behägligkeit/ der zarte Schnee der Glieder
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Muß in dem schwartzen Grab seyn Würmern zugesellt.
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Allein/ wenn ihr erwegt die Noth/ der sie entgangen/
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Die Trübsal/ so uns stets biß zu der Erden beugt/
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Hingegen auch betracht das hocherlauchte Prangen/
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In welchem euer Kind die Sternen übersteigt:
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So werdet ihr gewiß die heissen Schmertzen stillen/
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Denn eure
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Liegt in des Lammes Schoß/ geneust der Freuden Füllen/
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Und lacht großmüthig aus des herben Todes Biß.
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Es rühme/ wer da wil/ ein hochbe-Jahrtes Leben/
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Wohl dem der aus der Wieg’ ins Him̃els Wohnung fährt.
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Der Lohn/ den uns die Welt/ die schnöde/ pflegt zu geben/
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Ist immer neues Leid/ das Seel und Geist verzehrt.
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Last/
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Der von dem Rosen-Stock die kleinste nimmt hinweg/
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Die so er hertzlich meint/ die pflegt er zu betrüben/
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Und unter Creutz und Angst ist Liebe doch sein Zweck.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Heinrich Mühlpfort
(16391681)

* 10.07.1639 in Breslau, † 01.07.1681 in Breslau

männlich, geb. Mühlpfort

deutscher und lateinischer Dichter des Barock

(Aus: Wikidata.org)

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