Heilsame Myrrhen/ Bey Beerdigung Fr. S. R. g. S. den 26. Martii 1674.

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Heinrich Mühlpfort: Heilsame Myrrhen/ Bey Beerdigung Fr. S. R. g. S. den 26. Martii 1674. (1686)

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So hast du/ Selige/ dein Vaterland gefunden/
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Das
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Die Windeln haben dich in
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Und
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Gantz
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Wiewol des Todes Grimm sie allzufrüh verlescht.
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Ja des Verhängnüß Schluß hieß dich nach
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Das unser Oderstrom mit seinen Wellen wäscht.
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Auch diese Pilgramschafft nahm ein geschwindes Ende.
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Wer leugnet/ daß der Mensch ein Gauckelspiel der Zeit?
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Als Polen ward verheert durch Kriege/ Mord/ und Brände/
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Hat
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Ach stete Pilgramin auf diesem Rund der Erden!
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Dein Wandel hat gelehrt/ daß hier kein bleiben sey:
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Daß wir als Frembdlinge bald auffgejaget werden/
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Palläst und Städte nur ein öde Wüsteney:
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Wie unsers Lebens-Lauff gar eine schwere Reise/
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Da Trübsal und Gefahr jedwede Stunde blüth:
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Da Thränen seyn der Tranck/ und Hertzens-Angst die Speise/
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Biß uns mit seinem Garn der blasse Tod bezieht.
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Standhaffte Wanderin! die sich ließ nichts verwirren/
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Ob manch betrübter Tag das Leben dir vergällt:
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Du siehst nun unter dir die Berge voller Myrrhen/
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Und hast auff die zugleich dein gantzes Thun gestellt.
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Ich meine nicht der Welt gehäuffte Bitterkeiten/
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Die ihren Siegern auch/ wie Rom/ nur Wermuth schenckt:
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Nein/ ach Erblaste/ nein! Du ruhst an JEsus Seiten/
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Sein Püschel Myrrhen ist umb deine Brust gehenckt.
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Du Sulamithin ruffst: Mein Liebster ist wie Myrrhen/
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Ich muß zu diesem Berg und Weyrauch-Hügeln gehn:
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Er klopfft mir an das Hertz: in meinen Angst-Geschirren
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Seh’ ich den Perlen-Thau von seinen Fingern stehn.
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Wie frölich brechen mir/ gleich in der Marter-Wochen/
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Die Augen/ da mein GOtt stirbt für der Erden Heil.
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Ich hab auf ewig ihm/ Geliebte/ mich versprochen/
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Hier ernd’ und saml’ ich mir mein außerwehltes Theil.
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Solt ich jedweden Zweig nicht in mein Sträußlein binden?
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Da diese Statte mir des Lebens Freyheit giebt/
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Da ich die Hefftigkeit der Liebe kan empfinden/
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Gehorsam biß in Tod/ den GOtt hat selbst geliebt.
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Die wahre Myrrhen kont’ auch nicht ein Werth erreichen/
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Denn Heyden haben sie den Göttern fast versagt:
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Deß HErren Leiden ist mit nichts nicht zu vergleichen/
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Als der sein eigen Blut für mich im Creutz gewagt.
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Gekrönte Häupter hat das Myrrhen-Oel geweyhet/
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Der Hohe-Priester ward mit diesem Safft besprengt:
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Nun die Theilhafftigkeit des Creutzes mich erfreuet/
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Fühl ich die Myrrhen erst die mir mein JEsus schenckt.
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Ach solcher Balsam heilt der Sünden tieffe Wunden/
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Daß wir ein gut Geruch für unserm GOtte seyn.
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Weg mit der Laster Stanck! Hier hab ich Krafft empfunden/
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Mehr als von Specerey die man trägt Tempeln ein.
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Vergönnt mir unterm Baum der Myrrhen zu entschlaffen/
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Gott/ der Gecreutzigte/ reitzt meine Andacht an:
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Kein Wächter ist mir noth/ noch der Beschirmer Waffen/
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Sein Leiden zeiget mir der ew’gen Ruhstätt Bahn.
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Des Creutzes Myrrhen will ich nimmermehr vergessen/
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Die mein Erlöser tranck zu büssen unser Schuld:
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Bloß nur die Bitterkeit der Sünden zu ermessen/
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Und was für unsre Schmach er an dem Ereutz gedult.
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Mir wird die Myrrhen auch/ womit er balsamiret/
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Der Unverweßligkeit erbaulich Denckmahl stehn/
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Daß wenn mein siecher Leib ins Grab wird hingeführet/
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Er dort an jenem Tag verklärt hervor kan gehn.
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So trug der Simeon diß Püschel auff den Armen/
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Maria in der Schoß; es soll auch in der Noth/
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Jm Glauben und
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Biß daß sein strenges Recht vollzieht der dürre Tod.
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Fliest heilge Myrrhen/ fliest/ und wascht die müde Seele/
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Von solchen Lilien treufft meines Heylands Mund/
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Legt den erblasten Leib in die bestimmte Höle/
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Ich sterbe Freuden-voll/ nun mir die Myrrhen kund.
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Und/ werthste
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Der auff der Erden schon den Himmel hat geschmeckt/
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Den unser Heyland hier in Myrrhen hat gewieden/
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Daß er ihm dort den Tisch mit Freuden-Rosen deckt.
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Du Rose reich beblühmt mit edlen Tugend-Gaben/
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Die nicht Präneste nährt/ nicht Alaband’ er zeugt:
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Du wirst auch auf der Welt ein Angedencken haben/
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Das nicht der graue Mund der Affterzeit verschweigt.
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Das stoltze Morgenland hieß seine Leichen leben/
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Wenn Nard und Aloe den holen Leib gefüllt/
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Ein unverweßlich Tuch die Glieder fest umbgeben/
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Und die gemahlte Brust bedeckt der Götzen-Bild.
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Bald muste Myrrhen-Safft die Fäulniß hintertreiben/
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Und theures Cedern-Oel die Würmer jagen weg:
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Es mag das Heydenthum bey diesem Jrrthum bleiben/
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Der Frommen Christen Grab hat einen andern Zweg.
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Ich weiß/
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Daß man gar andern Trost bey tieffen Wunden bringt/
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Und daß nicht Linderung der Schmertzen ist zu hoffen/
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Wo selbst die Seele steht mit heisser Noth umbringt.
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Alleine kan er sich noch einst zurücke lencken/
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Und lescht der Thränen-Fluth nicht meine Zeilen auß:
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So woll’ er sein Gemüth nicht so gar peinlich kräncken/
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Versichert daß sein Schatz vollkommen nun zu Hauß.
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Jhr edler Tugend-Ruhm bey vielen unverschwunden/
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Das Lob der Gottes-Furcht vertilgt kein Sterben nicht:
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Mit was vor Andacht sie sich in den Tempel funden/
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Den Priester angehört/ zeigt noch ihr gut Gerücht.
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Ja/ wo die Demuth ist ein Perlen-Schmuck der Frauen/
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Hat diese Tugend sie unendlich außgeziert.
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Wo ein mitleidend Hertz bey Armen lassen schauen/
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Ist die gewisse Bahn/ so uns in Himmel führt/
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So kan der blasse Neid kein ander Zeugnüß sagen/
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Als daß ihr Beyspiel hat viel Hertzen auferweckt:
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Und daß sie diesen Ruhm wird in die Grube tragen/
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Wie sie hülffreiche Hand Elenden fürgestreckt:
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Und wolt ich/
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Die Wachsamkeit vors Haus mit mehrerm stellen dar/
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So würd ich mich umbsonst unzeitig nur bemühen.
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Den Abriß solcher Treu bezeugt auch ihre Bahr.
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Ach hochbeglückte Frau! Die alles Leidens Myrrhen/
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Mit ihrem Heyland hat zugleich ins Grab gelegt.
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Man ehrt der Todten Asch in göldenen Geschirren.
116
Der Liebsten/

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Heinrich Mühlpfort
(16391681)

* 10.07.1639 in Breslau, † 01.07.1681 in Breslau

männlich, geb. Mühlpfort

deutscher und lateinischer Dichter des Barock

(Aus: Wikidata.org)

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