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Entweyhet denn der Tod auch Themis heilge Stuffen/
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Und übet ungehem̃t sein grausam Noth-Recht aus?
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Heist er für sein Gericht Asträens Priester ruffen/
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Und schiebt Gebot und Zwang denselben in das Hauß?
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So hat die Sterbligkeit wol eiserne Gesetze/
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Die auch die Tugend nicht durch läutern linder macht;
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So sind von Stahl geschmidt der Parcen schwartze Netze/
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Und Libitina nimmt Frey-Briefe nicht in acht.
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Hier hilfft uns keine Frist/ kein Vorstand macht uns sicher/
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Kein Ausflucht bringt verschub/ der Tod verführt sein Recht;
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Es gelten vor ihm nicht der Rechts-Gelahrten Bücher/
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Beweiß und Zeigungen/ ja Eyde sind zu schlecht.
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Sein Urtheil ist gemein/ und wird so scharff vollzogen/
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Daß nicht ein eintzig Mensch sich auszuschliessen weiß:
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Da wird nicht Kunst noch Witz noch Wissenschafft erwogen/
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Den Klug- und Thörichten befällt der Todes-Schweiß.
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Alleine dieses kan uns noch Vergnügen bringen/
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Daß der Gerechten Lob und Name nicht vergeht.
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Es hebet sie der Ruhm auff seine göldne Schwingen/
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Wenn in Vergessenheit der andern Leiche steht.
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Denn ihre Wercke sind/ und ruhn in GOttes Segen/
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Und ihre Wurtzel wird von keinem Sturm bewegt/
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Jhr Hauß ist wie ein Schloß auff einem Fels gelegen/
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Und grünen wie ein Zweig/ der Lebens-Früchte trägt.
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Ja ihr Gedächtnüß wird von Frommen stets gepriesen:
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Es schallt ihr Lobgesang durch alle Theil der Welt;
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Daß sie sich ihrem GOtt gewehr und treu erwiesen/
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Die Laster hart gestrafft/ die Boßheit abgestellt.
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Daß sie des Rechtens Weg den Armen nie verschrencket/
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Noch den Unschuldigen in seiner Noth gedrückt;
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Daß arme Wäisen sie/ und Witwen nie gekräncket/
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Und den Bedrängten offt mit ihrem Rath erquickt.
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Herr Friedrich/ der nunmehr dem Tod dingpflüchtig worden/
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Asträens grosser Ruhm/ der Rechte sondre Zier/
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Wird auch mit Recht gezehlt zu der Gerechten Orden/
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Und stellet uns zum Trost sein herrlich Beyspiel für.
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Erst hat er sich bemüht den HErren zu erkennen/
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Weil aller Weißheit Füll’ an dem Erkäntnüß liegt/
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Und die Gottseligkeit ein Kleinod ist zu nennen/
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Das aller Schätze Werth/ und Reichthumb überwiegt.
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Sein eifrig Christenthum kan unverwerfflich zeugen/
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In was vor Andacht er den Schöpffer hat geehrt/
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Mit was für Senfftzen er/ so durch die Wolcken steigen/
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Deß Priesters göldnen Mund und Lehren angehört:
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Wie lockten ihn nicht an der heilgen Väter Schrifften/
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Jhm war der Kern und Safft von jeden wolbekand.
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Es wird sein eignes Buch ihm ein
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Auff das ein herrlich Fleiß und Arbeit ist gewand.
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Nachdem er GOttes Recht in Heiligkeit verübet/
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Hat er der Themis sich von Jugend auff geweyht;
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Die Göttin als ein Sohn in solcher Pflicht geliebet/
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Biß mit dem Lorber-Krantz sie seine Treu erfreut.
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Er war im Helicon ein lieber Gast willkommen/
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Es sah’ ihn Cynthius mit holden Blicken an/
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Und wie die Musen-Schaar von dieser Post vernommen/
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Hat sie ihm Ehr und Gunst vortrefflich angethan.
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Es blüthe nun sein Ruhm bey den gelehrten Leuten/
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Als Gottes Schickung ihn noch heilsamer verpflegt/
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Daß bey der Kriegs-Gefahr/ und so bedrängten Zeiten/
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Jhm sie zu Breßlau doch ein Ampt noch beygelegt.
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Es zog der Schöppen Stuhl ihn zum geheimen Schreiben/
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Das Ding-Haus alles Rechts/ der Thron der Billigkeit/
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Wo die Gerichte frey in höchster Würde bleiben/
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Und derer Ursprung noch erhebt die graue Zeit.
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Bey den Egyptiern sind Priester stets gewesen/
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So das hochheilge Recht verwahrt in ihrer Schoß.
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Man kan von Druiden der Gallier noch lesen/
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Und was in Grichen-Land Areopagus schloß.
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Der alten Teutschen Kühr ließ sie Cent-Grafen heissen/
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Wenn sie mit blossem Schwerd die Richter-Banck besetzt;
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Der muste Schöppenbahr an reiner Tugend gleissen/
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So zu dem Richter-Ampt vor gültig war geschätzt.
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So übten ihr alt Recht die Francken und die Sachsen/
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So zwar der Einfalt Zier zur ersten Mutter hat;
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Biß daß die Schöppen-Stühl in vollem Flor gewachsen/
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Und nun Oraculn gleich den Fragern geben Rath.
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Daß man ihn Schöppenbahr-frey billich nennen kan.
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Sein Lob der Redligkeit wird nimmermehr veralten/
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Der Nachruhm meldet es den göldnen Sternen an.
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Er hat die dreyssig Jahr viel Urtheil abgefasset/
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Viel Fristen anberaumbt und Tagefarth bestimmt:
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Nun kriegt er den Bescheid/ daß er darob erblasset/
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Weil auß gehegtem Ding deß Todes Grimm ihn nimmt.
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Schreibt dir des Himmels Recht und gantzes Erbtheil zu.
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Wir ehren deinen Ruhm und folgen deiner Leichen/
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Wenn durch sein Noth-Recht uns der Tod bringt zu der Ruh/
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Dich hat deß HErren Hülff in ein solch Haus gewiesen/
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Wo der Gerechten Fried und Freude völlig blüth.
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Du siehst kein Elend-Recht/ noch Eyd-Schwur/ wie vor diesen/
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Bist umb kein Urtheil mehr zum kleinen Ding bemüht.
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Auch das Blut-Urtheil ist vom Heyland schon ertragen/
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Und machet ewig dich des Todes Urthels frey.
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Die Engel werden dir als reine Zeugen sagen/
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Wie alle Schuld gebüst/ das Heil erworben sey.
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Betrübtste/ die ihr jetzt deß Vatern Asche netzet/
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Wehmüthigst seinen Tod auß Kinder-Pflicht beklagt:
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Erwegt den Wechsel nur/ wiewol er ist verletzet/
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Nun ihn vor sein Gericht der Höchste GOtt betagt.
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Wer die Gerechtigkeit so/ als wie er/ geliebet/
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Der nimmt den Preiß hinweg die unverwelckte Kron.
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Und ob sein Noth-Recht schon der Tod an ihm verübet/
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So bleibt der Nach-Ruhm doch ein schöner Ehren-Lohn.