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Jsts möglich/ daß sein Aug und gantz zerschlagnes Hertze/
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Ins Leid versenckter Freund/ siht meine Zeilen an:
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So glaub er/ diß Pappier und aufgetragene Schwärtze
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Weiß selbst vor Wehmuth nicht/ was man hier melden
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Die Liebste wil zur Ruh die müden Glieder legen/
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Und denckt nicht daß ihr Bett auch werd’ ihr Grabmal seyn.
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Fall! der uns Sterblichen vernünfftig zu erwegen/
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Und lehret wie der Tod sich überall findt ein.
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Er steht bey der Geburt/ er wachet bey der Wiegen;
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Er gängelt unsern Fuß/ schaut
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Wird mitten in dem Spiel der freyen Jugend liegen.
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Ist/ wenn wir Männer sind/ auch neben uns bemüht.
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Bald geht er mit zu Feld/ bald tritt er vor Gerichte/
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Bald sagt er wer er sey/ bald wie man ihn bezwingt/
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Entlarvt nicht/ wenn er gleich so handelt sein Gesichte/
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Weiß daß der sichre Mensch ihn nirgends wo verdringt.
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Er setzet sich zu Tisch/ isst mit von unsren Speisen/
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Braucht einerley Getränck/ und ist bey Freuden frey;
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Wird bey Geschäfften so/ wie wir bemüht/ sich weisen.
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Wer meynt nun daß er nicht auch bey dem schlaffen sey?
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Der grosse Lipsius/ das Wunder kluger Sinnen/
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Rieff: Ein Tritt geht ins Bett’ der ander in das Grab.
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Ward seiner Sterbligkeit bey jedem Abend innen/
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Und wie das Lebens-Garn nehm’ allgemählich ab.
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Zwar es macht der Natur und Fleisch und Blut ein Schrecken/
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Wenn man der Sonnen Rad siht frölich untergehn/
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Und weiß nicht ob sie uns auch morgen auff wird wecken/
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Und ob wir auch gesund von unserm Bett’ auffstehn.
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Daß wir wie Attila nicht in dem Blut ersticken/
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Daß uns der Donner nicht wie Zoroastern trifft/
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Daß uns der Häuser Fall nicht gehling möcht erdrücken/
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Noch wie den Ladislau im Schlaff uns was vergifft.
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Alleine diese Furcht ermuntert unsre Geister/
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Daß wir Soldaten gleich stets in Bereitschafft stehn;
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Damit wenn ja der Tod an uns noch wird zum Meister/
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Wir unerschrocknes Muths ihm in die Augen gehn.
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Doch wie ein Krieges-Knecht mit Recht ist zu verlachen/
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Der erst nach Waffen fragt/ wenn es schon blitzt und kracht:
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So können wir uns leicht auch gleiche Rechnung machen/
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Daß unser letztes Ziel zuvor muß seyn bedacht.
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Denn stehts dem Tode frey/ denn kan ein solches Sterben/
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Wie schnell es immer kömmt/ mit nichten schädlich seyn.
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Wir wissen/ unser Leib muß einmal doch verderben.
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Was hilfft es ob er so/ und wieder so geht ein?
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Ja sagt er/ werther Freund/ dergleichen Todes-Lehren
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Sind meinem Christenthum vor langer Zeit bekand;
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Jetzt aber da ich seh der Liebe Bund zerstöhren/
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Da mein gantz Hoffen wird in nichts als Ach verwandt;
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Und zwar da sich der Tod an meine Seite füget/
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Und von der Seiten reist/ die ich so hochgeliebt/
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Die Abends noch gesund/ früh lebloß bey mir lieget;
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So ist der Fall zu schwer/ der Hertz und Seel betrübt.
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Ich stimme billich bey; jedoch ein groß Gemüthe
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Muß auch bey grossem Creutz die Probe halten aus/
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Und dennoch danckbar seyn für GOttes Wunder-Güte/
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Als die in Trübsal führt und wieder zeucht heraus.
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Zu dem/ der Weißheit Schatz der seine Seele zieret/
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Legt ihm vergnügten Trost in göldnen Schrifften bey.
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Daß einem weisen Mann das Trauren zwar gebühret/
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Doch auch mit Helden-Muth zu überzwingen sey.
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Weil hier nichts ewiges/ und der vermählten Seelen
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Jhr Bündnüß Zeit und Tod/ wie alles sonst/ zerreist;
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So ist das eintzige daß man der Gräber Hölen
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Mit einem Denckmahl noch zu ehren sich befleist.
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Wiewol die Seelige durch Gottesfurcht und Tugend/
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Ein unvergänglich Lob ihr bey der Welt gebaut;
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Weil sie vom ersten Keim der auffgewachsnen Jugend
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Biß an den letzten Gieb stets ihrem GOtt vertraut.
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Die Wollust dieser Welt den Spinnen gleich gehasset/
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Der seltnen Frömmigkeit ihr Hertze nur verpflicht.
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Jm Leiden und im Creutz sich mit Gedult gefasset/
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Biß sie des HErren Hand hinwieder auffgericht.
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Timantes Pinsel wird die Liebe nicht abmahlen/
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Und wie sie ihren Schatz mit sondrer Treu geehrt.
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Aus welchem Segen auch die Liebes-Früchte strahlen/
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Von deren Lippen man jetzt nichts als Seufftzer hört/
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Die biß ins schwartze Grab die liebste Mutter preisen/
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Und für die treue Pfleg und Vorsorg danckbar seyn/
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Die ihre letzte Pflicht mit Thränen noch erweisen/
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Und häuffig auff den Sarg sie als ein Opsser streun.
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Wol der Verblichenen/ die durch ein sanfftes schlaffen
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Des Todes Bitterkeit am wenigsten gefühlt/
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Und weil sie Lebens-Zeit sich mit des Glaubens Waffen
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Gerüstet/ hat sie auch den rechten Zweck erzielt.
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Es wünscht ein Julius ihm ein geschwindes Ende/
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Wenn er das Raht-Haus drauff mit eignem Blut bespritzt.
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Wer seine Seele gibt in des Erlösers Hände/
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Dem hat ein schnelles Ziel zur Ewigkeit genützt.
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Er/ Hochgeehrter Freund/ wird seinen Schatz beklagen
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Daß ihre Lieb und Treu nicht aus dem Hertzen kömmt.
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Doch wieder als ein Christ sein Creutz auch so ertragen/
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Daß das empfundne Weh’ nicht allen Muth wegnimmt.
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Kein Unglück auff der Welt kan einen Weisen fällen/
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Wie übers Mondens Kreiß stets klares Wetter bleibt:
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So wird er in der Noth auch sein Gemüth erhellen/
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Ob umb und unter ihm der Sturm sein Wesen treibt/
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”diß ist die gröste Kunst/ wer über Schmertzen siegen/
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&q;Und über Regungen des Geistes herschen kan;
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&q;Der findet in der Angst ein heilsames Vergnügen/
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&q;Und in dem Dornen Pusch offt eine Rosen Bahn.