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Es scheinet ungereimt/ daß ich will Blumen briugen/
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Da ihr mit Asch und Staub/
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Ein Hauß/ in dem sonst nichts als Todten-Glocken
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Wird von deß Frühlings-Schmuck und Bildern nicht
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Alleine diese Blum hat diß zum Eigenthume/
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Blat/ Stängel/ Blüth/ und Cron zeigt was zu seinem Ruhme/
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In dem es Striem und Blut zu bilden sich befleist.
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Ein solches Vorbild seyn/ das eure Wunden stille/
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Das Ach und Seufftzen wehrt/ den bittren Thränen steurt.
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Jhr unbeflecktes Kleid blüht als die weissen Rosen/
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Die höchste Reinigkeit damit zu stellen für/
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Und ein Vertilger seyn der sündlichen Begier.
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Die in dem Umbkreiß stehn mit Blut besprengte Blätter/
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Sind Zeugen/ daß der Leib deß Heylands Blut geschwitzt/
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Als unsrer Sterbligkeit höchst-heiliger Erretter/
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Dort am Oliven-Berg der Menschen Heil beschützt.
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Die drauf erwachßne Seul in der berühmten Pflantze/
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Mahlt uns die Seulen ab/ wo er gegeisselt ward/
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Drey Aestlein so entstehn auß dem geflochtnen Krantze/
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Sind der drey Nägel Bild/ der Dornen Kronen Art.
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Die zarten Fäserlein so umb die Blätter spielen/
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Die Geisseln/ so den Leib deß
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Könt auch was herrlichers wol die Natur erzielen/
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Als daß sie ihre Blum mit solchem Anblick färbt?
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So gar muß die Natur ein Bild der Wunder werden/
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Das groß Erlösungs-Werck damit zu deuten an:
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Wie sich der Himmel hat verbunden mit der Erden/
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Und der befreyte Mensch vor GOtt bestehen kan.
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Ach solte nicht ein Christ entzückt in Andachts-Flammen
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Verlangen/ daß die Blumin seinem Hertzen steh’/
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Daß Hoffnung/ Lieb und Glaubals Blätter sich zusammen
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Vereinten und davon der Ruch des Lebens geh’?
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Daß sie des Heylands Blut als ihes Schmucks Corallen
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Der schnöden Eitelkeit der Erden zögen für/
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Und dächten eintzig nur dem Schöpffer zu gefallen
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In wahrer Gottesfurcht/ erlauchter Seelen-Zier.
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Nun diese Blume hielt tieff in ihr Hertz gedrücket/
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Nichts hat den reinen Geist mehr in der Welt erquicket/
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Als wann sie kont im Creutz aufs Creutz des HErren baun.
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Das irrd’sche Blumen-Werck/ die Lilgn hoher Ehren/
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Der Freuden Hyacinth/ die Rosen voller Lust/
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Und was sonst prächtig scheint/ pflag sie nicht zu bethören/
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Als der die Granadill alleine blie bewust.
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Weg! rieff sie/ was nur kan der Gärten Schoß hergeben/
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Mich stinckt das Biesem-Kraut der schnöden Hoffart an/
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Ich mag die heisse Brunst der Nelcken nicht erheben/
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Die Schwerd- und Ringel-Blum s
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Auch nicht das Tausend-schön mag für den Glantz bestehen/
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Den meine Blume mir in reichster Amuth schenckt.
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Wo wird man eine sehn in einer Krone gehen
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Die selbst mit seinem Blut mein Bräutigam hat getränckt?
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Welch Zweig weist Nägel auf/ die meinen Schatz durchstochen?
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Wo ist ein Pyramis dran er gegeisselt sind?
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Wo sind die Ruthen ab zu seiner Pein gebroche
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Diß und ein mehrers noch ziert meiner Blume Rand.
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Ach aber welcher kan die innern Früchte nennen
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Es stärckt die Granadill das abgematte Hrtz;
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Mir soll mein JEsus auch in meiner Hitze brenm/
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Die beste Kühlung seyn/ und lindern Qua
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Der Granadillen Tranck dämpfft all’ Unreinigkeiten/
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Bey mir des HErren Kelch/ der Sünden schartzen Fleck.
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Man pflegt drauß ein Artzney vor Schäden zu bereen/
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Mein eintzig Seelen-Artzt nimmt alle Schäden weg.
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Jhr lieblicher Geruch ergetzt die blöden Sinnen:
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Wen JEsus nicht erquickt/ der muß verlohren s
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Kein Balsam wird uns hier das Leben geben können/
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Allein’ er salbet mich vor der Verwesung ein.
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Die Granadille geht gleich mit der Sonnen unter/
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Daß sie des Morgens früh mit ihr hinwieder strahlt.
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Ach wie wird mein Gemüth im wahren Glauben munter/
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Weil diese Blume mir auch ab-mein Sterben mahlt.
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In ihm hab ich allhier der Schnertzen Qual erlitten/
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In ihm gedenck ich auch vor
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In ihm hab ich allhier mit Flei
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In ihm umbgibt mich dort der Sieges-Kronen Schein.
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In ihm soll mir das Licht der matten Augen brechen/
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Daß mein verklärter Leib dort herrlich auffersteh:
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Wer wolte steinern seyn/ und hier die Thränen lassen/
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Hingegen können wir ein herrlich Beyspiel fassen/
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Und ward ihr Angesicht dem Himmel eintzig zu?
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Wie konte sie sich nicht in Creutz und Leiden schicken?
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In Hoffnung und Gedult war ihrer Seele Ruh’.
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Erst hieß die Frömigkeit ihr Schatz/ und denn die Liebe/
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In der sie biß an Tod den Eh-Schatz hat geehrt.
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Was Wunder daß er sich auch biß in Tod betrübe?
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Nun ihm der Sammel-Platz der Freuden wird zerstört.
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Denn war die Kinderzucht/ der Kern von ihren Sorgen/
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Sie nechst daß HErren Furcht in Tugend zu erziehn.
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Es hat die späte Nacht/ und offt der frühe Morgen
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Gesehn vors gantze Hauß ihr embsiges Bemühn.
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Mehr hat sie auch ihr Brod dem Armenstets gebrochen/
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Und keinen ohne Hülff und Beysteur lassen stehn/
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Diß was ihr Hertz gedacht/ hat auch ihr Mund gesprochen/
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Dieweile nicht gewohnt mit Falschheit umbzugehn.
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Ach schmertzlicher Verlust! Doch herrliches Erbleichen!
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Betrübst' ich tröste nicht/ sie hat es selbst gethan.
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Jhr sind/ was euch mit Trost genug erquicken kan.