Der Menschen Hertz bey ihrem Schatz/ Als Hr. J. A. S. S. Th. D. Jüngstes Söhnlein beerdigen ließ/ den 21. Febr. 1673.

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Heinrich Mühlpfort: Der Menschen Hertz bey ihrem Schatz/ Als Hr. J. A. S. S. Th. D. Jüngstes Söhnlein beerdigen ließ/ den 21. Febr. 1673. (1686)

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Jhr schnöden Sterblichen/ die ihr nach Schätzen trachtet/
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Und oft die Seele gar für Geld und Gut verkaufft/
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Die ihr das Reichthum mehr als euer Leben achtet/
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Und umb das eitle Geld nach Ost- und Westen laufft;
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In Hoffnung durch groß Gut was herrlich zu erreichen/
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Daß eures Hauses Stamm von hohen Namen prangt/
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Daß das Vermögen soll nicht von den Kindern weichen/
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So mit viel tausend Müh/ und noch mehr Sünd erlangt;
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Jhr die der Geld-Geitz auch noch in dem Sterben quälet/
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Und niemals nicht verläßt biß an denletzten Hauch;
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Sagt/ wo ihr schliessen könnt/ was ihr euch habt erwehlet/
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Für Diamante Glaß/ für Rosen Heck’ und Strauch.
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Gott der von Ewigkeit der Menschen Hertz ergründet/
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Und dessen Heimligkeit ihm nicht verborgen bleibt/
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Spricht: Sammlet einen Schatz den man im Himmel findet/
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Den auch kein Dieb nit stiehlt/ noch Mott’ und Rost zerreibt.
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Wie reimen sich denn nun des Plutus schwartze Kammern/
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Und deß Jerusalems bestrahlte Sonnen-Stadt?
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Ein Schatz der wird bewacht mit Winseln/ Sorgen/ Jammern/
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Ein Schatz der Fried und Ruhm in sich die Fülle hat.
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Was sucht ihr Reichthum hier umb ewig dort zu darben/
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Kriecht in der Erde Schoß/ den Himmel nicht zusehn?
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Streut immer Saamen auß und erndet niemals Garben/
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Baut auf gehäufften Sand/ den Winde leicht verwehn?
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Erkennet nicht einmal den Geber alles Guten/
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Hängt/ als wie angeleimt/ an einem klumpen Gold;
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Traut seinem Worte nicht/ mehr aber wilden Fluten/
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Verwechselt um Gewin des Schöpffers Gnad und Huld.
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Sagt was sind eure Schätz? Abgötter eurer Sinnen/
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An was hängt euer Hertz? Ach am verdammten Geld.
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Was wird euch dieser Schatz noch dermal einst gewinnen?
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Den Pful/ der alle Zahl der Martern in sich hält.
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Nicht reich Arabien/ nicht Japans theure Wahren/
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Was Quinsay hocherhebt und Peru liefern kan/
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Nicht die in Potosi und Lima Bergwerck fahren/
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Gewehren was den Schatz der Hertzen gehet an.
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Und ich verstehe nicht hier Hertzen so verhartet/
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Die mehr als steinern seyn/ ver finstert/ voller Nacht:
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Nein/ die auch in dem Creutz auf ihren GOtt gewartet/
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Sich für ihm ausgeschütt/ durch seufftzen matt gemacht;
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Die aufs zukünfftige den guten Grund geleget/
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Und diesen außerwählt/ wo alle Schätze seyn;
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Ja die Erkäntnüß tieff ins Hertzens Blat gepräget/
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Daß sie nichts trennen kan von Göttlicher Gemein.
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Die sammlen einen Schatz/ der über Mogols Schätze/
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Und der zum Wucher bringt den Schatz der Seeligkeit.
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Wenn Kinder dieser Welt umbringet der Hellen Retze/
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Ist jener Hertz und Schatz fürm Höchsten ausgebreit.
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Nun
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Dem selbst der HErr sein Wort in Hertz und Mund gelegt/
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Der nicht die Schätze pflegt des Himmels zuverhölen/
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Und Leben und auch Tod durch Lehren uns fürträgt/
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Es hat des Schöpffers Hand/ sein Hertz itzt wie zerbrochen/
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In dem der zarte Sohn gleich Blumen welcken muß/
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Da ihn des Todes Wurm wie Lilien durchstochen/
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Der nun den Eltern gibt den letzten Abschieds-Kuß.
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Er war sein Augen-Trost/ sein Schatz an dem das Hertze
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Als seinem Theile hieng/ der Mutter Lust und Zier/
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Der Jahre zartes Wachs/ ein angenehme Kertze/
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So schon der Tugend Glut und Flammen stieß herfür.
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Es stand der Hoffnung Schatz auf sein zukünfftig blühen/
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Daß er des Vatern Ruhm und Thaten schlüge bey.
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Wie aber? muß er bald das Sterbe-Kleid anziehen?
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Und wird so früh gesellt zu der verblichnen Reyh?
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Ja/ GOtt der alles weiß/ der will ihn bey sich wissen/
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Er soll der Eltern Schatz/ doch mehr des Himmels seyn.
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Er wird der Zeiten Sturm/ der Läuffte Pest entrisseu/
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Sieht die Cometen nicht die uns fast stündlich dräun.
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Zwar weil der Kinder Lieb’ entspringet auß dem Hertzen/
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So ist es zweifels frey daß sie zum Hertzen steigt/
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Daß wir die Unsrigen nicht ohne Weh und Schmertzen
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Hingeben/ wenn der Tod die scharffe Sense zeigt:
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Alleine wer sein Hertz dem Himmel hat geweyhet/
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Nichts auf der Sterblichkeit vergänglich hoffen baut/
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Wird bey der Kinder Tod in seinem GOtt erfreuet/
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Weil seiner Ober-Pfleg und Schirm sie sind vertraut.
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Der kleine
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Als Meylands Lehrer selbst/ der rieff den HErren an/
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Gleich da die Tyranney der Kirchen wiederstrebet/
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Daß es umb seine Schaff und Volck nicht sey gethan.
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Es wär auch seliger Tertullian verblichen/
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Eh’ als deß Alters Schnee die Ketzerey bedeckt.
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Viel die in erster Zeit vom HErren nie gewichen/
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Hat doch der Lasterschwarm zuletzte noch befleckt.
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Wohl dem der zeitlich stirbt/ GOtt hat mit kleinen Kindern
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Sein hoch Geheimnüß für/ wie seltzam es uns dünckt.
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Er weiß des Elends Ziel und kan die Schmertzen mindern/
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Wenn das bedrängte Hertz ins höchste Trauren sinckt.
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Ach all zu Thörichte/ die an der Erde kleben/
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Und derer Hertz allein beym Schatz im Kasten liegt?
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Ach dreymal Seelige/ die Gütern sich ergeben/
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So selbst die Ewigkeit auf ihren Schalen wiegt.
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Denn kan ihr himmlisch Hertz des Himmels Schätze zehlen/
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Wenn hier die irrdischen so
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Wenn Diebe Freund und Feind offt das Vermögen stehlen/
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Wird doch der Seelen Schatz von keinem Fall beschwert.
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Nun weil denn Kinder Schätz’ und zwar Hochedle Schätze/
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Den’ auch des HErren Mund den Himmel selbst verspricht:
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So unterwerffen sich nur Eltern dem Gesetze/
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So über uns bestimmt beym ersten Lebens-Licht.
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Es muß/ Hochwürdiger/ sein Hertze Gott gefallen/
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Dem er das vierdte Kind/ als vierdten Schatz itzt gibt/
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Wenn zeitlich Menschen Gut wird schwinden und zerfallen/
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So bleibt sein Schatz bestehn/ dieweil er GOtt geliebt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Heinrich Mühlpfort
(16391681)

* 10.07.1639 in Breslau, † 01.07.1681 in Breslau

männlich, geb. Mühlpfort

deutscher und lateinischer Dichter des Barock

(Aus: Wikidata.org)

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