Unbekannter Titel

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Heinrich Mühlpfort: Unbekannter Titel(1686)

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Nach so viel Angst und Weh/ nach so gehäufften Schmertzē
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Kommt deine Friedenfarth/
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Du trägst wie Simeon den Heiland in dem Hertzen/
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Daß er auff solcher Bahn dir Licht und Führer sey.
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Und solte nicht das Licht der ausgebreiten Heiden/
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Der Glantz der Ewigkeit auch hier dein Leitstern stehn?
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Daß du mit Freuden kanst von dieser Welt abscheiden/
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Und durch das wüste Reich der Todes-Schatten gehn.
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Der abgematte Greiß stund gantz entzuckt in Wonne/
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Als er das Kindlein sah/ den Herrscher aller Welt/
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Sein Glaubens-Aug’ empfand die wahre Lebens-Sonne/
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Die mit Gerechtigkeit und Trost ins Hertze fällt.
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So trug der Simeon den Himmel auff den Armen/
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Weil/ wer an JEsum glaubt/ den Himmel finden kan/
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Und rieff: HErr nun ists Zeit/ ich preise dein Erbarmen/
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Entlaß mich meines Diensts/ o GOtt/ es ist gethan.
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Nun ich den Tag erlebt/ so wil ich gerne sterben/
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Rath zu Jerusalem/ Welt/ Ehre/ gute Nacht!
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Mein wünschen ist erfüllt/ ich kan den Himmel erben/
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Und mein Verlangen ist zum höchsten Zweck gebracht.
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Auch du hast/
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Mit Seufftzen und mit Flehn umb Rettung angesucht:
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Nun; die Erlösungs-Zeit kommt eben an dem Tage/
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Daß du wie Simeon geneust des Glaubens Frucht.
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Der hatte GOtt gedient/ und fuhr dahin in Friede/
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Ein Hörer seines Worts/ als wie sein Name heist/
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Von Jahr und Kräfften zwar/ doch nicht vom Glauben müde
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Als dessen Beystand war/ und blieb des HErren Geist.
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Ach soll uns Sterblichen die letzte Fahrt gelücken/
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Soll man die Bitterkeit des Todes schmecken nicht/
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So müssen wir uns stets mit Glaub und Hoffnung schicken/
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Versiegelt mit dem Geist/ daß uns nie Krafft gebricht.
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Ach/ rieff der
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So schrumpfft ihr Himmel ein/ brecht Felsen/ Erde reiß!
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Mit rechter Hertzens-Lust eil’ ich zu meinem Grabe/
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Da ich der Schmertzen Ziel/ der Freuden Anfang weiß.
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Es sihet Simeon den Heiland mit den Augen/
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Sein irrdisch Arm umbfast den/ dem die Welt zu klein/
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Doch würde weder Sehn noch das Umbarmen taugen/
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Wenn nicht des Glaubens-Arm ihn mehr geschlossen ein.
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Des Glaubens rein Crystall zeigt’ auch dem
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Den Heiland/ welcher uns von Sünden hat befreyt/
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Der das Gesetz erfüllt/ und die uns wider strebten/
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Höll und den Tod zerknirscht/ erlangt Gerechtigkeit.
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Wie aus den Wunden Hold/ Gehorsam in den Striemen/
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Die Demuth in der Schmach/ die Sanfftmut in dem Spott/
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Der Schächer selbst am Creutz am Heiland muste rühmen/
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Daß des Versöhnungs Werck vollzöge Mensch und GOtt.
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Hier fand der
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Des Geistes Freudigkeit/ der Gnaden Zuversicht/
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Daß ob der Kranckheit Weh der Glieder Bau zerrissen/
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So blieb sein JEsus doch/ Weg/ Warheit/ Leben/ Licht.
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Den hat er ihm gesehn/ den ließ er sich nicht nehmen/
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Wiewol des Creutzes Last offt unerträglich schien:
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Noch kont er seinen Feind/ Welt/ Fleisch und Blut beschämen/
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Und wuste wie das Creutz der Christen ihr Gewin.
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Mehr preiset Simeon/ entbrand von heilgen Flammen
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Den Heiland/ daß er soll ein Licht der Heiden seyn/
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Daß was der Erden-Kreiß von Völckern bringt zusammen/
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Sein Licht erleuchten wird in unerschöpfftem Schein.
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Licht das Erkäntnüß bringt! Licht das bestrahlt die Seele!
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Licht voller Glaub und Trost! Licht das im Hertzen brennt!
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Licht aller Tugenden! Licht das der Gräber Höle
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Mit neuem Glantz umbgibt/ und ihre Nacht zertrennt!
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Und dieses Licht erschien in seiner letzten Stunde
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Herr Meichsnern/ als er nun zur Hinfarth sich geschickt/
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Damit sein Glaubens-Licht nicht konte gehn zu Grunde/
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Und ihn des Todes Netz und Finsternüß berückt.
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Er warff der Sünden Last auff des Erlösers Rücken/
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Der aller Heiden Trost/ war seiner Seelen Heil/
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Der die Mühseligen und Schwachen kan erquicken/
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Gab ihm hinwiederumb an seinem Reich ein Theil.
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Als endlich Simeon den Schwan-Gesang wil schliessen/
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So rühmt er wie diß Kind sey Jsraelts Preiß/
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Nicht Jsraels allein: Wer JEsum nur wird küssen/
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Ist sicher/ daß bey ihm er Trost und Leben weiß/
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Dem GOtt der Herrligkeit/ des Ruhmes/ und der Stärcke/
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Der uns den Sieg gebracht/ ja gar den Himmel schenckt/
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Der/ seine Glieder/ uns/ durch Lieb’ und Wunder-Wercke/
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Als Reben in den Stock gnadselig eingesenckt.
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Wie ist nun so beglückt/
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Der sich ins Leichen-Tuch mit seinem Heiland hüllt/
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Trägt ihn in Arm und Hertz/ und fährt dahin in Frieden/
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Gibt den erstarrten Leib daß man die Grube füllt.
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Ach sanffte Friedenfahrt! Schlaff/ den ein ewig Wachen
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An jenem grossen Tag mit neuem Glantze ziert!
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Könt es der höchste GOtt mit Menschen besser machen/
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Als wenn er graue Haar in seine Cammern führt?
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Glückwünscht dem
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Betrübtste/ die ihr müst in Leid und Klage gehn/
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Er hat nun allererst zu leben angefangen/
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Die Seele schwebt bey GOTT/ sein Ruhm bleibt bey uns
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Die Teutsche Redligkeit begleitet noch die Bahre/
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Und rühmet/ daß er GOtt und Menschen treu gedient/
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Daß Tugend er geliebt biß an den Schnee der Haare/
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Jm Leiden/ im Gedult/ den Palmen gleich gegrünt.
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Wol dem und über wol/ der bey so bösen Zeiten/
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Fährt hin mit Simeon zu der verlangten Ruh!
99
In dem wir übrigen mit Welt und Teuffel streiten/
100
Deckt den

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Heinrich Mühlpfort
(16391681)

* 10.07.1639 in Breslau, † 01.07.1681 in Breslau

männlich, geb. Mühlpfort

deutscher und lateinischer Dichter des Barock

(Aus: Wikidata.org)

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