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Durchaus betrübter Freund! in dem deß Lentzen
Bilder/
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Die Blumen wir erfreut im schönsten Wachsthum
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Durch einen süssen Hauch pflegt freundlich anzuwehn.
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Da Tulpen und Narciß in glattem Atlas prangen/
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Und sich dem Himmel gleich der Erde Brust besternt/
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Ist euer gantzes Haus mit Ach! und Weh! umfangen/
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Weil deine Blume sich den Augen hat entfernt.
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Und sie nicht nur allein. In so gar kurtzen Zeiten/
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Eh’ noch Dianens Licht zum vierdten sich verkehrt/
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Must du dem Fleisch und Blut zwey Kinder auch begleiten.
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Fall! der gleich einem Blitz durch Marck und Beine fährt.
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Gleicht nun dein Zustand jetzt nicht wilden Wüsteneyen/
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Wo Angst und Einsamkeit dir eine Wohnung baut/
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Wo alles dich erschreckt/ was vor pflag zu erfreuen/
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In dem dein Auge nichts als Särch und Leichen schaut?
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So gar heist Gottes Spruch dich in der Aschen sitzen/
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Und schenckt des Creutzes Kelch dir wolgemessen ein.
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Ich seh umb deinen Kopff nichts als Cometen blitzen/
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Und wen dein Leid nicht rührt/ der ist ein Marmelstein.
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Der Gärtner wird betrübt wenn sein vertraulich hoffen/
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Und vieler Stunden Fleiß/ ein Blumenstück/ verdirbt.
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Indem dir Stock und Blum an deiner Seite stirbt.
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Wo such ich etwas aus/ das solche Wunden heile?
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Das diesen Seelen-Riß mit Trost verbinden kan?
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Achilles heilte zwar die Schäden seiner Pfeile/
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Hier geht die Hülffe nur des Höchsten Allmacht an.
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Stell alles dem anheim/ der von der ersten Wiegen/
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Biß auff das kalte Grab uns wunder-heilsam führt.
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Ich weiß/ und will sichs gleich mit der Vernunfft nicht fügen/
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Daß doch den schärffsten Kampff die beste Krone ziert.
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Die Hand/ so dich jetzt drückt/ die wird dich bald umbarmen/
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Gott greiffet/ die ihm lieb/ mit harten Proben an/
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Und in der höchsten Noth ist sein geneigt erbarmen/
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Ein unbeweglich Fels/ auf den man gründen kan.
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Der Mensch beliebe nur was GOtt hat wolgefallen/
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Gehorsam ist allhier ein Opffer voller Ruhm/
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Und schmeckt es unserm Mund als bitter Gifft und Gallen/
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So bleibt das Creutze doch der Christen Eigenthum.
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Jedoch was müh ich mich den Mittag zuerleuchten?
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Dir wohnt dergleichen Trost sonst überflüssig bey.
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Den mit der Castalis die Clarien befeuchten/
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Wer glaubt nicht/ daß bey dem ein Schatz der Weißheit sey?
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Wo aber Thrän auf Thrän als wie die Wellen schlagen/
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Hilfft auch der Seneca mit seinen Schrifften nicht.
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Ein ungemeiner Schmertz ist schwerlich zuverjagen/
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Es röthet sich nicht dald ein bleiches Angesicht.
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Und daß ich durch ein Bild desselben Krafft abdrücke/
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Bin ich umb einen Baum aus Indien bemüht:
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Der/ wenn der Abend uns mit dichtem Schatten deckt/
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Und an dem blauen Saal die güldne Sterne gleissen/
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Erst seiner Blätter Zier und Liebligkeit erweckt/
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Denn steht er voller Blüt als wie in weisser Seide
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Der liebliche Geruch/ so von den Blumen fällt/
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Beut einen Wett-Streit an der Pomerantzen Kleide/
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Kein Balsam ist so starck der ihm die Wage hält.
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So bald Aurora kommt in ihren Purpur-Wangen
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So steht er wie verdorrt/ der Tag ist ihm verhast/
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Hat denn die braune Nacht sich wieder angefangen/
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Prangt seiner Zweige Rey mit Blumen-reicher Last.
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Der Blumen Würckung dlent daskrancke Hertz zu stärcken/
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Jhr starckes Wasser netzt der Götzen Opffer-Tisch/
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Und was man zehlen mag zu andern Wunder-Wercken.
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Er steht das gantze Jahr an Zweig und Blüten frisch.
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Der Inder pflantzet ihn an seines Hauses Gräntzen/
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Darmit ein schön Geruch erquicke Seel und Geist.
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Weg mit Bux und Napell! Weg mit Cypressen Kräntzen!
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Weil dieser Trauer-Baum auf die
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Der Himmel hatte sie in frembdem Land erkohren/
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Ein unerforschlich Schluß in Preßburg außgesucht/
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Weil sie der Vater selbst gelehrt mit vieler Frucht:
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Jhr Tugend-frommer Sinn/ und sittsame Geberden/
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Der Keuschheit-Lilgen Glantz/ deß Lebens stille Ruh/
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Bezeugten daß ein Baum auß unbekanter Erden/
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Jhm oft in andrer Lufft legt mehr Gedeyen zu.
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Es ließ ihr edler Stamm sich voller Blüte schauen/
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Die dir dein Hertz ergetzt und deine Seel erfreut:
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Sie war dein Augen-Trost/ dein Alles/ dein Vertrauen/
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Ein irrdisch Paradeis in dieser Sterbligkeit.
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Sie als ein fruchtbar Baum wieß sich in dreyen Zweigen/
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Die einst des Vatern Witz/ der Mutter Treu geziert;
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Wenn sie sich nicht so bald zur Erden müssen beugen.
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Und sie der Parcen Hand mit ihrem Stahl berührt.
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Der Unfall war genug/ Betrübtster/ dich zu kräncken/
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Wenn nicht ein grösser Leid vermehrte deine Pein/
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In dem du bald hernach die
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Und legst dein halbes Hertz mit in den Sarch hinein.
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Nun ist dein Freuden-Baum zu einer Tristis worden/
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So doch unschätzbar schön für jener Anmuth blüth;
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Die streicht ein eintzig Tag weg auß der Blumen Orden/
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Wenn auß deß Grabes Nacht man unsre funckeln siht.
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Der Tugend ewig Licht dämpfft nie deß Todes Schatten/
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Der lieblichste Geruch verbleibt ein gut Gerücht.
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Es mag darwider sich Neid und Verleumbdung gatten/
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Die Nachwelt thuts allein so hier das Urtheil spricht.
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Weil es der Tristis gleich dein mattes Hertze stärckt/
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Der Balsam ihres Ruhms wird Beul und Wunden lindern/
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So daß man sichtbarlich deß Höchsten Beystand merckt.
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Laß jetzt den güldnen Lentz mit seinen Blumen prangen/
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Sie werden endlich doch ein Raub der grimmen Zeit.
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Nun deine Tristis ist den Himmel eingegangen/
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Krönt sie ein ewig May der grossen Herrligkeit.