Wohlverdienter Rathsmann/ Bey Beerdigung Hn. A. H. v. K. d. R. in B. den 7. Julii 1669.

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Heinrich Mühlpfort: Wohlverdienter Rathsmann/ Bey Beerdigung Hn. A. H. v. K. d. R. in B. den 7. Julii 1669. (1686)

1
Die allerschwerste Kunstist weißlich zu regieren/
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Es darff kein niedrig Sinn und feige Seele seyn/
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Die über Menschen soll Gewalt und Herrschafft führen/
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Weil ihre Hertzen oft so hart als Kiesel-Stein:
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Der ungezähmte Will/ ein Feind der guten Sitten/
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Die thörichte Vernunfft vor Frieden Unruh wehlt/
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Und der Gedancken Schloß vom Frevel wird bestritten/
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Der stets die Einigkeit mit der Empörung quält.
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Die See ist nicht so wild/ und ihre stoltze Wellen/
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Als der gemeine Mann in seinem dünckel-Witz/
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Und wo der Pöfel will sein albers Urtheil fällen/
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Da folgt gemeiniglich des Ungelückes Blitz/
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Drumb muß ein hoher Geist von ungemeinen Gaben/
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Und scharffen Sinnen seyn/ dem man die Last vertraut/
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Den Weisheit Lehr und Witz so ausgemustert haben/
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Daß er/ dem Altas gleich/ das Wesen unterbaut:
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Bald muß Ulyssens Witz/ bald Carons Tapfferkeiten/
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Bald Nestors güldner Mund an statt der Stütze seyn:
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Oft muß die Freundligkeit ein strenger Ernst begleiten;
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Durch Schrecken mehret sich der Majestäten Schein.
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Vergebens ist ja nicht der Purpur so erhoben/
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Die Krone so beperlt/ des Scepters Gold so schwer/
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Als daß sie Bilder sind der Allmacht von dort oben/
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Der tieff zu Fusse fällt/ Lufft/ Erde/ Feuer/ Meer.
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Kein Dorff ist ohne Haupt/ geschweige grosse Reiche/
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Jedwedrer Stadt der sind Pfleg-Väter für gesetzt;
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Sonst würd’ in einem Nun die Welt zu einer Leiche/
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Und jeder Acker mit der Menschen Blut benetzt.
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Wie seelig ist der Ort in dem Asträa wohnet/
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Und zu der Obrigkeit geschickte Räthe hat/
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Wo man die Laster strafft/ und Tugenden belohnet/
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Wo die Gerechtigkeit führt ihre Hofe-Stadt;
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Und solche Leute sind des Himmels Meisterstücke/
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Und lichter derer Glut gemeinem Nutzen brennt/
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Die durch Erfahrenheit und kluges Weltgeschicke/
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Die Art des besten Staats Hauptsächlich wol erkennt.
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Bey solchem konte sich mit grossem Ruhme weisen/
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Der Numa unsrer Stadt/ der nunmehr liegt erblast/
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Der ob der Dienste Treu und Sorgfalt ist zu preisen/
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Und dessen Ehrenmahl bereits die Nachwelt fast.
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Er war zu Nutz und Heil des Vaterlands geboren/
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Bald von der Wiegen an ziert’ ihn der Ahnen Schild/
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Der Thaten Tapferkeit die gab ihm dranff die Sporen/
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Die feurige Begier war eher nicht gestillt/
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Biß daß sein Helden-Geist der gleichen Bahn beschritten.
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Ob schon sein edler Stamm ihm Glantz und Würde gab/
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So wolt er doch den Ruhm nicht nur von Ahnen bitten/
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Es brach der muntre Sinn ihm selbst die Lorbern ab.
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Als Jhn der Kunste Milch zu Hause satt geträncket/
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Und er mit Wissenschafft gar reichlich war versehn/
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Hat sich sein reger Muth nach Leiptzig hingelencket/
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Von dar in frembden Sand/ zu lernen was geschehn.
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So manches Königreich so mancher Volcker Leben/
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Der Britten scharffer Witz/ und der Frantzosen Muth/
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Der Spanier Bedacht/ die konten Nachricht geben/
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Was einer Policey sey schädlich oder gut:
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Und seiner Reise Ziel war Mauren nicht zu schauen/
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Noch aufgethürmte Berg’ und unbeseelte Stein’:
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Er wolt je mehr und mehr in Künsten sich erbauen/
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Den Büchern zwar geneigt/ doch Freund der Waffen seyn.
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Jhm lag Miltiades fast täglich in dem Sinne/
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Der durch die Krieges-Kunst das Vaterland geschützt/
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Er laß fast halb entzuckt/ wie Cäsar Rom gewinne/
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Indem er erst mit Kunst und drauff mit Waffen blitzt.
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Er hat die Pallas mehr geharnscht als bloß geliebet
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Weil doch der Musen Volck nicht gerne Lantzen führt/
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Und einem grossen Geist es grössers Ansehn giebet/
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Wenn ihn so wol der Helm/ als eine Feder/ ziert.
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Als ihn die frembde Lufft genugsam hat’ durchgangen/
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Und mancher Fürsten-Hof Staats-Sachen beygebracht/
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Reitzt ihn doch wiederumb das brennende Verlangen/
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Sein Vaterland zu sehn/ das da im Kriege schmacht’/
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Und auf der Bahre lag. Es hieß ihn drauf willkommen/
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Verwandte/ Freund und Stadt mit höchsten Freuden seyn
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Und als er kurtz hernach ward in den Rath genommen/
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Traf seine Trefligkeit mit aller Hoffen ein.
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Wie embsig er zu erst die Aempter hat verwaltet/
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So seinem wachen Fleiß sind worden anvertraut/
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Belehrt sein Nachruhm noch/ der nimmermehr veraltet/
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Und ihm Gedächtnüß-Stein und Ehren-Tempelbaut.
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Die Themis selbsten kan ihm dieses Zeugnuß geben/
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Daß er das rechte Recht hat jederzeit gehegt/
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Daß er die Jrrungen nicht lange lassen schweben/
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Und schwerer Sachen Fall bey sich vor überlegt.
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Der Läuffte Heimligkeit ins Hertzens Grund verrigelt/
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Mit unerschrocknem Muth die Rathschlüß’ außgericht/
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Und hätt es noth gethan/ mit seinem Blut besiegelt/
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Die Liebe vor die Stadt/ und seiner Dienste Pflicht.
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Und so weit müssen ihn die Oelen-Zweige schmücken/
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Der Bürger Danckbarkeit sein werthes Lob erhöhn;
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Als er im Krieges-Ampt begunte fortzurücken/
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Must’ an der Dice statt ihm Mars zur Seiten stehn.
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Bellona nant’ ihn gar den Schutz-Herrn ihrer Waffen/
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Wenn er im Zeng-Haus sich so hurtig sehen ließ/
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Die Sorge nahm ihm offt auch bey der Nacht das schlaffen.
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Er dacht oft eher dran als sich der Tag noch wieß.
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Der Stücke Donnerschlag/ der Hagel von Musqueten/
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Der war in seinem Ohr der beste Lautenklang/
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Der Brommeln rauher Thon/ die Pfeiffen und Trompeten/
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Beliebten ihm viel mehr als sonst ein Kunst-Gesang.
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So hatte Pallas sich mit Marspitern verbunden/
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So kont Eunomie Bellonens Schwester seyn:
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Der
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Theils in die Raths-Geschäfft/ theils in die Waffen ein.
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Es hatte
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Daß so ein Manlius ihr Schmuck und Kleinod war/
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Allein jetzt muß sie nur die trüben Augen netzen/
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Jhr
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Zwar diß was sterblich ist/ das wird uns nur entzogen/
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Sein Angedencken das verwest im Grabe nicht/
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Es heist es Schuld und Pflicht/ daß Nuhm und Sieges-Bogen
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Und Ehren-Kronen ihm der Bürger Liebe flicht.
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Hochedle/ die ihr Herr und Vater habt verlohren/
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Nembt diß zu einem Trost in eurem Schmertzen ein:
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Wer so den Kreiß der Welt beschreitet/ wol geboren/
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Wol lebt/ und auch wol stirbt/ der muß unsterblich seyn.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Heinrich Mühlpfort
(16391681)

* 10.07.1639 in Breslau, † 01.07.1681 in Breslau

männlich, geb. Mühlpfort

deutscher und lateinischer Dichter des Barock

(Aus: Wikidata.org)

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