Abgebildtes Grab Fr. A. J. v. R. g. M. v. B. den 9. Octobr. 1667.

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Heinrich Mühlpfort: Abgebildtes Grab Fr. A. J. v. R. g. M. v. B. den 9. Octobr. 1667. (1686)

1
Es hat die Forder-Welt höchst-eifrig sich beflissen
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Das allerletzte Hauß dem Menschen wol zu bau’n;
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So bald/ was sie geliebt/ ihr ward hinweg gerissen/
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Must’ eines Künstlers Hand das Bild im Marmel
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Und recht; ob an sich selbst die Tugend nicht vermodert/
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Die Lorbern von dem Ruhm die Fäulniß nicht verzehrt/
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Ja der Verdienste Licht auch aus den Grüfften lodert/
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Nichts minder hat sie doch ein Denckmahl hier begehrt.
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Die Unschuld erster Zeit erkieste Berg’ und Hölen/
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So ward der meiste Theil der Väter beygelegt/
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Biß daß der Ubermuth stieg in der Heyden Seelen/
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Die zu den Gräbern Gold und theures Ertz geprägt.
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Man weiß Egyptens Pracht und hohe Wunder-Spitzen/
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Die güldenen Gefäß’/ aus welchen Balsam floß/
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Die Cörper vor dem Wurm und Schimmel zu beschützen/
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Wie man verschwenderisch mit Narden sie begoß/
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Und must’ ein ewig Licht viel hundert Jahre brennen.
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(der gleichen Ampeln hat alt Rom unzehlich viel)
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Aus den Geschichten ist das Wunder-Grab zu kennen/
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So der Cleopatra gedient zum Trauer-Spiel.
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Was that der Grieche nicht mit den verstorbnen Helden?
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Jhr Grab war von Crystall/ sie stets zu sehn/ gemacht/
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Die Leiche stund geschmückt/ und/ wie sie selbsten melden/
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Unschätzbar ausgeputzt in Götter-gleicher Tracht.
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Die Persen setzten gar den Grossen aus Achaten
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Und andrem seltnen Stein ein herrlich Grabmahl auf.
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Rom/ aller Völcker Haupt/ belohnte tapffre Thaten
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Mit Gräbern/ derer Zier noch trotzt der Zeiten Lauff.
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Hoch-Edler/ der itzt auch ein Grab muß zubereiten
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Der
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Der sich zugleich mit
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Und seinen Schatz verscharrn/ so nichts als Lust gebahr:
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Mit was vor herbem Weh und unerschöpfftem Leiden
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Er diese letzte Pflicht der
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Wietief der Schmertzen mag in Grund der andern schneiden/
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Bekennt das Auge schon/ ob gleich die Lippe schweigt.
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Ists wahr/ als wie der Schluß der meisten Weisen lehret/
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Daß aus getreuer Lieb’ entsprieß’ ein höchstes Gut?
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So ist auch diß gewiß/ daß/ wann sie wird zerstöret/
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Ein Centner-schweres Leid preßt den gekränckten Muth.
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Der vorige Besitz so viel und schöner Gaben/
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Vermehret den Verlust/ und doppelt nur die Pein/
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Es kan hier die Gedult fast keine Stelle haben/
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Weil Schmertzen umb sie her/ wie ein Gewölcke/ seyn.
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Zu dem/
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Der Frauen Schmuck und Cron/ und Sonne dieser Stadt/
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Jhr Adel/ Zucht und Witz lockt aus ein herbes Sehnen/
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Ach daß der Schönheit Blum so kurtz geblühet hat!
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Die holde Freundligkeit/ die lieblichen Geberden/
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Der Sitten reine Pracht/ und was sonst Weiber ziert/
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Die liessen
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So nechst der Schönheit Ruhm auch Weißheit bey sich führt.
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Was mehr? Jhr Antlitz war ein May der Liebligkeiten/
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Die Augen Sternen/ so des liebsten Hertz bestrahlt/
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Die Reden gleich dem Klang von wolgestimten Seiten/
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Die Blicke/ Mahler/ so nur ihre Treu gemahlt.
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Man hört Aspasien noch bey der Nachwelt loben/
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Daß ihre Sittsamkeit entsorgt des Mannes Hertz;
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Gewiß/
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Den Kummer weg gelenckt durch angenehmen Schertz.
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Was nur behäglich schien/ das war ihr angebohren/
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Ein irrdisch Himmelreich und weltlich Paradiß.
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Hoch-Edler/ nun er hat so einen Schatz verlohren/
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So klagt die gantze Stadt den herben Seelen-Riß.
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Alleine weil die Macht des Höchsten ohne Schrancken/
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Sein unerforschlich Rath nicht unsrem Willen gleicht/
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So faßt ein edler Muth großmütige Gedancken/
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Gibt dem Verhängnüß nach/ das Flehen nicht erweicht.
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Was erst unheilsam schien/ hat offt die Zeit geheilet/
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Je mehr der Schmertze tobt/ je kürtzer ist sein Ziel;
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Daß man Verblichenen die letzte Pflicht ertheilet/
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Ist billich; Doch das Leid thut offt hierinn zu viel.
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Er/ als der Themis Sohn/ der Bürger Rath und Hoffen/
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Lenck’ auff gemeines Heil ein Auge wieder hin/
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So wird der harte Schlag/ der jetzt sein Hauß betroffen/
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Gleich einer Schmertzen-Wolck’ in etwas sich verziehn.
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Denn wer Gerechtigkeit mit solchem Eifer liebet/
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Und das geweyhte Recht/ wie er/ im Hertzen trägt/
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Wird/ ob der Himmel ist bißweilen gleich betrübet/
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Von seiner Vater-Hand mit Freuden auch belegt.
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Und mehr: der
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Die Blumen keuscher Eh’ und Zeugen reiner Treu/
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Sind mächtig an sich selbst krafft-reichen Trost zu geben/
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Dieweil der Mutter Bild ihr Anblick machet neu.
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So viel verweßlich war/ so viel hat man begraben/
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Das Theil/ das himlisch ist/ nimt auch den Himmel ein/
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Jhr unvergänglich Ruhm wird ein Gedencken haben/
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So langedieses Rund bestrahlt der Sonnenschein.
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Ob Artemisia ein kostbar Grabmahl bauet/
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Und zu besondrem Ruhm des Ehmanns Asche trinckt/
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Ob andre Wunden mehr die graue Zeit geschauet/
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Daß dieser Feu’r erwehlt/ und jene Kohlen schlingt/
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So hat der tolle Wahn und Ehrsucht diß gestifftet/
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Der Jahre nagend Mund die Zähne dran gewetzt/
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Verleumbdung und der Neid die Uberschrifft vergifftet/
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Biß daß der Wetter-Sturm Gemähl und Zier verletzt.
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In viel ein ander Grab/ das Diamant verhönet/
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Rubin und Jaspis pocht/ den Chrysolith verlacht/
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Das unbefleckte Treu mit Liebes-Palmen kröhnet/
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Hoch-Edler/ hat er nun den werthen Schatz gebracht.
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Den Cörper lässet man zu seiner Erde stertzen/
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Die Tugend/ und was mehr an
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Begräbt er höchst-betrübt in Mittel-Punct des Hertzen/
104
Sagt/ ob ein treuer Grab und eine schön’re Bahr?

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Heinrich Mühlpfort
(16391681)

* 10.07.1639 in Breslau, † 01.07.1681 in Breslau

männlich, geb. Mühlpfort

deutscher und lateinischer Dichter des Barock

(Aus: Wikidata.org)

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