Dreyfache Ehren-Krone/ Fr. A. v. H. g. B. den 10. April 1667.

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Heinrich Mühlpfort: Dreyfache Ehren-Krone/ Fr. A. v. H. g. B. den 10. April 1667. (1686)

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Die Tugend ist nie bloß und ohne Glantz erschienen/
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Es hat die alte Welt ihr Kronen zugezehlt/
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Und Lorbeern/ die noch heut in Zeiten-Büchern grünen/
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Weil Tugend ihr ja stets den Ruhm zum Zweck er-
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Zwar wie ein freyes Volck in reinen Sitten lebte/
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Und nicht ein Götzen-Knecht des schnöden Goldes war/
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Als ein ermuntert Geist nach Helden-Thaten strebte/
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Und ihm sein eignes Lob sein’ eigne Faust gebahr;
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Hat oft ein schlechtes Blat des Siegers Haupt bekräntzet;
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Rom theilte frisches
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In welchem Ehrenschmuck sein Bürger mehr gegläntzet/
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Als der so Perlen sucht itzt bey der Sonnen Hauß.
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Minerva hat darumb den Oelzweig selbst gesetzet/
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Damit ihr jährlich Fest bekrönet konte seyn;
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Die Eiche Jupiter zu Kronen werth geschätzet.
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Jm grünen Myrtenschmuck stellt sich die Venus ein.
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Der Heyden Priester ward belaubt mit Blum und Blättern/
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Und ihm das Opffer Vieh in Kräntzen zugeführt/
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Und wenn die Käyser selbst sich wolten recht vergöttern/
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Hat ihr geweyhtes Haupt der Lorbeer-strauß geziert.
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Der Zeiten Unschuld blieb in solchen guten Schrancken/
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Biß daß die Uppigkeit die Oberhand gewan:
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Dann fieng der Väter Witz und Tugend an zukrancken/
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Als ein gantz Morgenland zu Kleidern Seide span.
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Augustus ließ zu erst die goldnen Kronen blicken/
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Und seine Herrlichkeit im höchsten Purpur sehn
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Drauf hat was Ost und West von Steinen können schicken/
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Deß Phrygers kluge Hand auf Kronen müssen nehn.
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Biß der Tyrannen Stoltz und Hochmuth so gestiegen/
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Daß ihre Scheitel stets von Demant trächtig stand/
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Daß Strahlen umb ihr Haupt wie Sonnen musten fliegen/
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Und diese Raserey verzehrt ein gantzes Land.
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Es war das Capitol ein Schauplatz solcher Schätze/
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So von dem Kronen-Gold verschwendrisch beygelegt/
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Biß daß Vespasian entweyhte die Gesetze/
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Und hat das Heiligthum durch Müntzen umbgeprägt.
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Zwar Kronen bleiben noch der Majestäten Zeichen/
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Und Spiegel/ welche recht die Hoheit stellen für;
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Sie sind Kleinodien bey den beglückten Reichen/
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Der Throne Morgenröth und aller Zepter Zier.
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Hingegen sind sie auch ein Gauckelspiel der Zeiten/
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Ein Ziel worauf das Glück die schärffsten Augen hat:
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Wenn sie von auffen Pracht und Herrlichkeit begleiten/
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So hält inwendig Angst und Noth die Hofestadt.
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Und ferner drücken sie nicht immer kluge Haare/
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Die Statsucht kieset oft für Weise Thoren auß/
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Ja wann mans recht bedenckt/ so ists geborgte Waare/
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Ein Schimmer der verfällt in Asche/ Staub und Grauß.
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So viel Rubinen da in ihrem Umbkreiß brennen/
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So viel vergossen Blut befleckt den lichten Schein/
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Die blancken Schwerdter gibt der Tiamant zu kennen/
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Es muß der Chrysolith offt gifftig Schirling seyn.
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Wir sehen im Sapphir den blauen Neid sich regen/
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Granaten machet ihm der Zorn zu Waffen recht/
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Der liebliche Smaragd wird die Verstellung hegen/
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Ein färbichter Opal zeigt Gnad und Gunst geschwächt.
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Der Rest vom Zierath ist ein Band geflochtner Hecken/
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Wo Sorgen-Dörner stehn und Kummer-Nesseln blühn.
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Den Glantz bezwingt die Zeit/ die Würde banges Schrecken/
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In einem Augenblick ist Kron und Zepter hin.
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Verkehrte Sterblichen! Kommt zeiget eure Griechen/
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Die Spiel- und Rennebahn von tausend Kronen reich.
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Sind ihre Kräntze nicht als wie ihr Leib verblichen/
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Und schätzte sich Athen auch schon den Göttern gleich?
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Stellt doch die Römer dar; vom Blitz der Edelsteine/
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Von Perlen derer Werth offt fette Länder fraß/
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Vom Purpur und Scarlat/ vom zärtsten Helffenbeine/
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Blieb nichts: Alt Rom ist selbst nur ein berühmtes Aaß.
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Ach weit in schönrem Schmuck und weit in schönrer Krone/
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Die selbst die Ewigkeit zusammen hat gesetzt.
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Prangt itzt der Frauen Ruhm/ die seelige Matrone/
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Die keiner Zeiten Sturm noch Zufall mehr verletzt.
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Es heischt es Schuld und Pflicht das werthe Grab zu krönen/
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Diß sag ich: Blumen sind hier ein ohnmächtig Werck;
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Wo etwas ewiges mir gönnen die Camenen/
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Wo ich nicht Frembdling bin in jenem Musen-Berg/
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So solte freylich hier die Pieris nicht schweigen/
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Wiewol die Tugend will und mag die Schmincke nicht/
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Sie kan sich wesentlich durch schöne Wercke zeigen/
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Ist selbst ihr Redener und auch zugleich ihr Liecht.
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Es hat die Seelige untadelhafft gelebet/
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Der Ahnen graues Lob durch ihres grün gemacht/
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Dem Guten nachgefolgt/ dem Bösen wieder strebet/
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Und allzeit mit Vernunfft der Sachen Zweck bedacht.
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Drey Kronen zieren hier und dort ihr Angedencken/
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Zur ersten webte bald die Keuschheit seidnen Schnee.
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Die folgende wolt ihr der Himmel selber schencken/
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In dem er sie bekrönt mit einer edlen Eh.
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Der letzte Sieges-Krantz ist reich an seltnen Zierden/
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Weil nichts Verweßliches ihn zugeschlossen hat.
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Der herrliche Triumph von irrdischen Begierden/
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Flicht jetzt umb beyde Schläff ein ewig grünes Blat.
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Drey Söhne lassen mich noch nicht verstummet werden/
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Wiewol mein todtes Wort nicht ihren Ruhm verklärt.
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Der Mutter Augen-Trost und höchste Freud auf Erden/
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Ward ihr durch derer Mund und Gegenwart gewehrt.
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Cornelia schleust recht: Die nicht gehäuffte Schätze/
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Gold/ Ring/ und Edelstein ihr bestes Kleinod heist.
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Gezogne Söhne sehn/ Liebhaber der Gesetze/
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Verursacht daß ihr Hertz in Freuden sich ergeust.
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Es schien der Seeligen ihr Ehschatz nicht verlohren/
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Nach dem sich auch ihr Sohn auf gleichen Staffeln fand/
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Mit jener Römerin hat sie den Schluß erkohren/
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Daß sie der Söhne Glück nennt ihren Ehren-Stand.
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Bestürtzte/ der Verlust ist unschwer zuermessen/
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Der Mutter Leiche kan nicht sonder Thränen seyn.
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Ich weiß/ daß dieses Leid muß grimmig umb sich fressen/
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Und reist ein gutes Theil von eurem Vorsatz ein.
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Jedoch weil sie den Lauff in Tugenden vollendet/
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Und ihre Bahre krönt ein ewiges Gerücht/
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Weil ihr die Ewigkeit die Palmen zugewendet/
112
So saget die Vernunfft zwey Wörter:

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Heinrich Mühlpfort
(16391681)

* 10.07.1639 in Breslau, † 01.07.1681 in Breslau

männlich, geb. Mühlpfort

deutscher und lateinischer Dichter des Barock

(Aus: Wikidata.org)

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